Bärbel Bas als BundestagspräsidentinDie SPD hat ein Frauenproblem

Wenn es um die Besetzung der höchsten Ämter im Staat gehe, fehle es ausgerechnet den Sozialdemokraten an weiblichen Persönlichkeiten mit hohem Bekanntheitsgrad, kommentiert Frank Capellan. Bei der Besetzung der Schäuble-Nachfolge sei die SPD nur knapp an einer Peinlichkeit vorbeigeschrappt.

Ein Kommentar von Frank Capellan | 20.10.2021

09.09.2021 , Duisburg , Diskussionsrunde mit den Bundestagskandidaten Thomas Mahlberg CDU , Bärbel Bas SPD und Lamya Kaddor Grüne in der Redaktion der Rheinischen Post in Duisburg an der Königstraße 51. Bärbel Bas *** 09 09 2021 , Duisburg , Discussion with the candidates for the Bundestag Thomas Mahlberg CDU , Bärbel Bas SPD and Lamya Kaddor Greens in the editorial office of the Rheinische Post in Duisburg at Königstraße 51 Bärbel Bas
SPD-Politikerin Bärbel Bas (IMAGO / Reichwein)
Die SPD hat ein Frauenproblem. Ein Jahrzehnt der Gleichstellung hat sie in ihrem Wahlprogramm ausgerufen, doch ausgerechnet den Sozialdemokraten fehlt es an weiblichen Persönlichkeiten mit hohem Bekanntheitsgrad und großer Präsenz. Es mangelt an Frauen, die sich geradezu aufdrängen, wenn es um die Besetzung der höchsten Ämter im Staat geht.
Das offenbarte sich bereits bei der Suche nach einer Parteivorsitzenden und damit auch potentiellen Kanzlerkandidatin. Malu Dreyer oder Manuela Schwesig hätten sich nicht nur viele Frauen in der SPD ganz oben gewünscht. Beide Ministerpräsidentinnen mussten aus gesundheitlichen Gründen aber absagen, als sie der Ruf an die Spitze ereilte.

Knapp an einer Peinlichkeit vorbeigeschrappt

Bei der Besetzung der Schäuble-Nachfolge sind die Genossinnen und Genossen knapp an einer Peinlichkeit vorbeigeschrappt. Olaf Scholz soll Kanzler werden, Frank-Walter Steinmeier möchte Bundespräsident bleiben – Rolf Mützenich da zum Bundestagspräsidenten zu machen, wäre einfach zu viel des Guten gewesen.
Bärbel Bas (SPD) spricht bei der Haushalts-Beratung des Etats vom Bundesministerium für Gesundheit im Deutschen Bundestag. Hauptthema der 131. Sitzung der 19. Legislaturperiode sind die Beratungen der Einzeletats der Ministerien für Inneres, Bau und Heimat, Justiz und Verbraucherschutz, Gesundheit, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie Bildung und Forschung.
Nominierung der SPD - Bärbel Bas soll Bundestagspräsidentin werden
Nach öffentlichen Debatten hat die SPD einen Personalvorschlag für das Bundestagspräsidium gefunden. Die SPD-Politikerin Bärbel Bas aus Nordrhein-Westfalen soll die dritte Bundestagspräsidentin in der Geschichte der Republik werden.
Die nötige Reputation für das Amt des Bundestagspräsidenten hätte der SPD-Fraktionsvorsitzende zweifelsohne gehabt. Seine Parlamentserfahrung steht ebenso außer Frage wie seine Fähigkeit zu moderieren, zu vermitteln, zu führen – wie es vom Präsidenten des Hohen Hauses erwartet wird.

Aydan Özuguz hätte wohl etwas mehr an Statur einbringen können

Die Duisburger Gesundheitspolitikerin Bärbel Bas dagegen muss erst noch unter Beweis stellen, dass sie wirklich in die großen Schuhe eines Wolfgang Schäuble passt. Einer breiteren Öffentlichkeit ist sie zudem nicht bekannt. Die frühere Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, die Sozialdemokratin Aydan Özuguz, hätte da wohl etwas mehr an Bekanntheit und auch an Statur einbringen können.
Sie wurde 1967 in Hamburg geboren, sechs Jahre nachdem ihre Eltern als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland gezogen waren. Eine Frau mit diesem Migrationshintergrund zur "Chefin" des Bundestages zu machen, hätte ein eindrucksvolles Zeichen sein können.

Die Grünen wollen eine Frau als Bundespräsidentin

Özuguz soll nun für die SPD Bundestagsvizepräsidentin werden. Dass die Partei also zwei Frauen ins Rennen schickt, mag die Chancen von Frank-Walter Steinmeier auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident ein wenig erhöhen – sicher ist seine Wiederwahl dennoch nicht.
Die Grünen werden weiter darauf drängen, erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau ins Bellevue zu schicken. Alles hängt nun davon ab, wie die neue Regierung zugeschnitten wird. Und auch da steht Wahlsieger Olaf Scholz im Wort, sein Kabinett zur Hälfte mit Frauen zu besetzen. Dass die Sozialdemokraten ihr Frauenproblem also mit der Nominierung von Bärbel Bas gelöst haben, ist mit der heutigen Entscheidung längst noch nicht ausgemacht.
Frank Capellan, Hauptstadtstudio
Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )
Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD und Familienpolitik.