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StartseiteVerbrauchertippWie man Keime in der Waschmaschine reduziert21.10.2019

Bakterien in der WäscheWie man Keime in der Waschmaschine reduziert

Nach einem Waschgang sind die Flecken raus und die Wäsche riecht frisch. Trotzdem kann sie mit Bakterien belastet sein, selbst antibiotikaresistente Keime können einen Waschgang überstehen. Hygiene-Experten raten zu regelmäßigem Waschen bei mindestens 60 Grad - doch auch das genügt nicht immer.

Von Klaus Deuse

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In der Waschtrommel einer Waschmaschine liegen Kleidungsstücke, aufgenommen am 11.01.2012 in Nürnberg (Mittelfranken). (dpa / Daniel Karmann)
Nicht nur die Wäsche, auch die Waschmaschine selbst muss regelmäßig gereinigt werden (dpa / Daniel Karmann)
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In Waschmaschinen, sagt Prof. Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal, siedeln sich Keime aus mehreren Gründen an: "Ein besonders guter Ort für die Keimansiedlung ist die Einspülkammer. Denn die Waschmittel dort, die biologisch abbaubar sind, dienen sozusagen als Nahrungsquelle. Und zusätzlich wird ständig Wasser durchgespült. Es ist immer feucht."

Und entsprechend warm. Keime überleben aber auch in anderen Teilen einer Waschmaschine wie dem Dichtungsgummi der Tür. Auch wenn ein Waschvorgang an sich Keime auf den Textilien abtötet, kommt es entscheidend auf die Temperatur an, betont Hygienexperte Bockmühl.

"Das heißt, über eine Chemie alleine, die zum Beispiel in Form von Sauerstoffbleiche in den Waschmitteln mit drin ist, habe ich durchaus eine gewisse Keimreduktion, die aber erst in Kombination mit höherer Temperatur, also ab 40 Grad etwa, wirklich zum Tragen kommt. Deshalb sind 30 Grad auch in Verbindung mit bleichehaltigen Vollwaschmitteln in der Regel nicht genug, um alle Pilze, Bakterien abzutöten."

Risiko für immunschwache Menschen

Für gesunde Menschen mit einem intakten Immunsystem stellen Keime allerdings keine Gefährdung dar. Waschen bei niedrigeren Temperaturen spart Energie, schont die Umwelt und das Portemonnaie. Ein Risiko besteht dagegen für abwehrgeschwächte Menschen, Schwerkranke mit chronischen Wunden oder neugeborene Säuglinge. Vor allem für diesen Personenkreis empfiehlt Dirk Bockmühl, bei der Programmwahl die Hygiene stärker zu berücksichtigen.

"Andererseits ist es in bestimmten Situationen - also, wenn jemand in der Familie eine Infektionskrankheit hat oder wenn ich nur Wäsche habe, die hygienisch anspruchsvoller ist, also etwa Unterwäsche - schon die Abwägung wert, die Temperatur etwas höher zu wählen… und dadurch wirklich sicher eine hygienisch saubere Wäsche zu bekommen."

60-Grad-Programm wäscht nicht immer bei 60 Grad

Sinnvoll wäre demnach die nächsthöhere Temperaturstufe. Allerdings wäscht auch ein 60-Grad-Programm nicht grundsätzlich mit 60 Grad. Denn zu den Produktmerkmalen moderner Haushaltsgeräte gehört die Energieeinsparung. Das funktioniert, indem die Temperatur abgesenkt und zugleich der Waschvorgang verlängert wird.

"Also man senkt beispielsweise die Temperatur von 60 auf 40 Grad ab, dann kann man das Waschergebnis dadurch positiv beeinflussen, in dem man die Zeit verlängert. Die modernen Ökoprogramme in Waschmaschinen machen genau das."

Um auf Nummer sicher zu gehen, muss die Wäsche aber nicht unbedingt bei 90 Grad gewaschen werden. "Wir haben in verschiedenen Studien zeigen können, dass das 60-Grad-Programm im Zusammenspiel mit einem bleichehaltigen Vollwaschmittel alle Bakterien auf dem Textil sicher entfernt. Man sollte allerdings darauf achten, dass man das 60-Grad-Öko-Programm meidet, denn dieses Programm erreicht in der Tat nicht immer die 60 Grad. Manchmal sogar deutlich weniger."

Einmal pro Monat Trommel reinigen

Der Hygiene-Experte empfiehlt darum das 60-Grad-Koch/Buntwäsche-Programm. "Und dann kann man eigentlich sicher sein, dass das auch hygienisch rein wird."

Außerdem kann man durch die Pflege der Waschmaschine vorbeugen, indem man regelmäßig die Einspielkammer und die Türgummidichtung reinigt und austrocknet.

"Man kann aber auch einmal im Monat, das ist zumindest die Frequenz, die wir empfehlen, die Maschine mit dem 60-Grad-Programm mit einem bleichehaltigen Vollwaschmittel laufen lassen. Das reicht, um auch die Maschine wieder ein bisschen keimärmer zu bekommen."

Sozusagen ein Reinigungsprogramm ohne Wäsche in der Trommel. 

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