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StartseiteLied- und Folkgeschichte(n)Elefanten aus Barcelona05.03.2021

Band ElefantesElefanten aus Barcelona

Für thailändische Buddhisten symbolisieren Elefanten Glück, Stärke, Fleiß und Intelligenz. Davon wollte der spanische Musiker Juan Manuel Álvarez Puig alias Shuarma auch etwas abhaben und nannte seine Band 1994 deshalb genau so: Elefantes. Der Sound? Tierisch!

Am Mikrofon: Anke Behlert

Drei Männer im Anzug stehen vor einer gelb, orange, blauen Wand. Zwei Männer tragen Sonnenbrille. (Rafa Ariño)
Die Band Elefantes: Julio Cascán, Shuarma, Jordi Ramiro (v.l.n.r.) (Rafa Ariño)
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Musik: "Piedad"

Die Mitglieder von Elefantes haben sich in Barcelona kennengelernt. Die treibende Kraft ist Songwriter Shuarma - schon als Kind hatte er das dringende Bedürfnis, sich kreativ auszuleben.

Shuarma: In meiner Familie gab es keine professionellen Künstler oder Musiker. Mein Großvater hat gerne gemalt, aber das war‘s schon. Ich dagegen hatte schon immer den Drang, mein Inneres kreativ auszudrücken. Das treibt mich an und ist fast schon ein bisschen zwanghaft. Ich schreibe auch Gedichte, male und arbeite als Schauspieler. Meine künstlerische Rastlostigkeit ist unaufhaltsam, Hilfe!

Als erstes verpflichtet Shuarma Schlagzeuger Jordi Ramiro, der seine alte Band kurzerhand auflöst. Bassist Julio Cascán und Gitarrist Hugo Toscano sind auch schnell gefunden und im September 1995 nehmen sie ihre erste EP "Elefantes" auf. Das erste Konzert spielen sie einen Monat später in der Sala Aspid de Barcelona. Ihre Songs kommen so gut an, dass sie sieben Monate lang jede Woche dort auftreten.

Musik: "El Hombre Pez"

Das erste Album erscheint 1998: "El Hombre Pez" enthält eine Mischung aus grungigem 90s-Alternative Rock, luftigem Pop, Flamenco und spanischen Balladen. Es verkauft sich allerdings nur schleppend und so verläuft auch die Zusammenarbeit mit der Plattenfirma. Und unter der Elefantenhaut knirscht es: Wegen kreativer Differenzen und auch finanzieller Probleme stehen Elefantes mehrmals kurz davor, sich aufzulösen noch bevor es überhaupt richtig losgegangen ist. Schließlich trennen sie sich von ihrem Manager und erweitern ihr Live-Lineup um den Pianisten Jaime de Burgos. Der entscheidende Schritt hängt mit Enrique Bunbury zusammen: Der Produzent und Sänger der sehr erfolgreichen Band Héroes del Silencio besucht ein Konzert der Elefanten und beschließt ihnen zu helfen.

Shuarma: Wir haben in Saragossa gespielt und Enrique ist auf Anraten eines Freundes zu unserem Konzert gekommen. Wir haben uns gut verstanden und er hat angeboten, unser zweites Album zu produzieren, ein Plattenlabel zu finden und uns auch zu managen. Er hat uns wirklich sehr geholfen, dank ihm sind wir bekannter geworden.

Musik: "Azul"

Das war der Song "Azul" vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2000. Damit etablieren sie die Kombination aus melodiös-riffigen Rockgitarren, Latino-Rhythmen, iberischen Akkordeon- und Kastagnettenklängen und leidenschaftlichem Gesang, mit der Elefantes schließlich der Durchbruch gelingt. Die üppig mit Streichern und Backgroundgesang arrangierten Songs sind der Hit bei den spanischen Radiostationen. Auf "Azul" ist auch Enrique Bunbury zu hören, der bei seinen Parts immer noch eine Schippe Pathos extra drauflegt. Es ist das erste von vielen gemeinsamen musikalischen Projekten. Darunter das 2004er Album "Bushido", das Shuarma mit Bunbury und zwei weiteren spanischen Künstlern aufgenommen hat: Carlos Ann und Morti.

Solokünster

Shuarma: Es ist ein ungewöhnliches Album, weil es weder von einer Band noch von einem Solokünstler kommt. Sondern von vier Solokünstlern, die als Band zusammenarbeiten. Das war für uns alle eine außergewöhnliche Erfahrung und eine einmalige Sache. Wir vereinen darauf unsere unterschiedlichen kreativen Ideen und finden eine gemeinsame Vision.

Musik: "La felicidad" - Bushido

Musik: "Somos nubes blancas"

Elefantes mit ihrem Song "Somos nubes blancas" – "Wir sind weiße Wolken" vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2005. Wenig später löste sich die Elefantenherde trotz anhaltenden Erfolges auf.

Shuarma: 2006 hatten wir das Gefühl, dass wir als Band alles gesagt haben. Gemeinsam entschieden wir also, die Gruppe aufzulösen. Nach einiger Zeit aber, haben wir gemerkt, dass jeder von uns in der Band ein Zuhause hat und wir eigentlich alle nur mal eine Weile etwas Anderes machen wollten, eine Reise sozusagen, damit wir dann wieder nach Hause zurückkehren können. Wir brauchten alle nur ein bisschen Zeit für uns.

Ein Rhinozeros als Albumtitel

Shuarma startet in der Zwischenzeit seine Solokarriere und auch die anderen Musiker toben sich in anderen Projekten aus, bevor sie 2014 wieder zusammenkommen und neue Elefantes-Songs aufnehmen. Mit "El Rinoceronte" – "Das Rhinozeros" wurde nicht zufällig ein kraftstrotzendes Tier als Albumtitel ausgewählt. Die Band klingt kraftvoll und lebendiger denn je, die Auszeit hat ihnen gutgetan. Die Songs kommen mit weniger Pathos, dafür mit ordentlich Biss daher und mit "No me busques" haben sie den wahrscheinlich rockigsten Song ihrer Karriere geschrieben.

Musik:"No me busques"

Elefantes-Sänger Shuarma schaut gerne auf seine Karriere zurück und mag auch die älteren Platten seiner Band.

Drei Männer sitzen versetzt auf mit rotem Samt bezogenen Kinostühlen. Ein Mann trägt Hut. (Jacobo Medrano)Durchbruch mit dem Album "Azul" im Jahr 2000: die spanische Band Elefantes (Jacobo Medrano)

Shuarma: Als wir angefangen haben, waren wir noch sehr jung und entsprechend waren unsere Themen damals andere als heute. Wie wir unsere Stadt, unser Land und die Welt gesehen haben war anders und natürlich auch unsere Gefühle. Das ist alles in unsere Musik geflossen. Aber wir haben immer unser Bestes gegeben und waren ehrlich. Ich denke, dass wir heute eine bessere Band sind. Wir sind erfahrenere Musiker und als Menschen natürlich reflektierter und ich finde, das hört man auch in den Songs.

Das 2016er-Album "Nueve Canciones De Amor Y Una De Esperanza" hat für ihn einen besonderen Stellenwert, zu Deutsch: Neun Lieder von Liebe und eines von Hoffnung.

Shuarma: "Nueve Canciones De Amor Y Una De Esperanza" ist ein sehr wichtiges Album für mich, weil es einen einschneidenden Moment in meinem Leben beschreibt. Das Album ist sehr direkt und persönlich. Ich habe damals eine Person getroffen, die meine Sicht auf die Dinge verändert hat. Vor allem meine Sicht auf die Liebe. Für mich ist alles Liebe und wenn sich darin etwas ändert, ändert sich alles.

Andalusischer Progrock

Musikalisch verneigen sich Elefantes auf dem Album sowohl vor mexikanischem Ranchera, als auch vor andalusischem Progrock der 70er-Jahre. Und mit "Duele" ist darauf ein weiteres Duett mit Enrique Bunbury enthalten: das Video hat fast 26 Millionen Aufrufe bei Youtube und ist damit eines ihrer erfolgreichsten überhaupt.

Musik: "Duele" (ft. Bunbury)  

Im letzten Jahr haben Elefantes das Theater-Musical "Antoine" mitentwickelt, das die Lebensgeschichte von Antoine de Saint-Exupéry erzählt, dessen Buch "Der Kleine Prinz" weltbekannt ist. Sie komponierten die Musik und spielten sie live auf der Bühne.

Shuarma: Ein normales Album entsteht aus unseren Herzen. "Antoine" war ein Auftrag mit einem bestimmten Ziel, das war der Unterschied. Wir sind als Band sehr emotional und schreiben unsere Songs aus einer sehr leidenschaftlichen Perspektive. Die Position zu wechseln war für uns eine tolle Herausforderung.

Und sie spielen nicht nur die Musik live, Shuarma gibt sein Debüt als Schauspieler in der Rolle des kleinen Prinzen.

Shuarma: Ignasi Vidal, der Regisseur des Stücks, kam zu uns ins Studio als wir gerade die Songs aufgenommen haben und sagte zu mir: Du bist der Kleine Prinz! Du solltest die Rolle spielen. Ich fand die Idee toll und es macht mir wirklich großen Spaß, mal als Schauspieler zu arbeiten.

Musik: "Baobabs"

Auch wenn Shuarma ab und zu kleine Konzerte spielen konnte, geht es Elefantes wie den meisten Musikerinnen und Musikern in diesen Tagen: sie vermissen Live-Auftritte und den Kontakt zum Publikum. In der Zwischenzeit schreiben sie neue Songs und schauen vorsichtig optimistisch in die Zukunft.

"Wir arbeiten an einem neuen Album, aber es ist im Moment natürlich schwierig zu sagen, wann das fertig sein wird. Aber es sind großartige Songs, soviel kann ich versprechen!"

Musik: "Vuelo en avestruz"

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