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StartseiteUmwelt und VerbraucherDie Finanzbranche soll grüner werden13.09.2019

Banken-NetzwerkDie Finanzbranche soll grüner werden

Viele Banken investieren ihr Geld weiter in fossile Energien und sehen im Klimaschutz eine Bedrohung. Nun haben sich die Bundesbank und viele weitere europäische Banken zu einem Netzwerk zusammengetan, um das Finanzsystem grüner zu machen. Denn die Nachfrage an nachhaltigem Investment ist groß.

Von Daniela Siebert

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Einige 50-Euro-Steine stecken in einem Blumentopf mit einer Sukkulente (picture alliance / dpa / Lehtikuva Marja Airio)
Geldanlagen in fossile Energieträger könnten absehbar zu einem Malus im Portfolio führen - trotzdem gibt es eine hohe Nachfrage nach grünen Investments (picture alliance / dpa / Lehtikuva Marja Airio)
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Das Fundament der Diskussion legte Gastgeberin Barbara Unmüssig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung: Mit einem Verweis auf das Pariser Klimaabkommen, wo schon in Artikel 2 die Bedeutung der Finanzflüsse für den Klimaschutz unterstrichen wird. Die Staaten verpflichten sich darin, diese mit den Zielen des Abkommens in Einklang zu bringen. Allerdings, so Unmüssig:

"Die Finanzmärkte ignorieren bis jetzt komplett das Pariser Abkommen und investieren unverändert in fossile Energien. 33 globale Banken haben seit 2015 1,9 Billionen Dollar für fossile Energien mobilisiert."

Hart ins Gericht mit der Rolle der Banken in Sachen Klimaschutz ging auch Adam Tooze, Wirtschaftshistoriker von der Columbia Universität. Banken und Finanzwirtschaft sorgten sich vor allem darum, wie sich die Klimaschutzpolitik auf die Stabilität des Finanzsystems auswirke. Es fliesse viel zu wenig Geld in erneuerbare Energien.

"Währenddessen erheblich größere Summen in die fossilen Energien fliessen. Die Banken, die das vermitteln, sind vor allem amerikanisch, japanisch und chinesisch. Das entspricht mittlerweile auch dem Mächtegleichgewicht im globalen Bankensystem, aber auch europäische Akteure sind dabei. Wir brauchen eine Kreditpolitik, die nicht nur die grünen Investitionen befördert, wir müssen die fossilen Investitionen abbremsen, wenn nicht stoppen."

Wirtschaftliche Risiken durch Investitionen in fossile Energieträger

Adam Tooze empfahl in dieser Hinsicht den Banken, keine Anleihen von europäischen Ölfirmen mehr zu kaufen. Diese machen nach seiner Einschätzung derzeit 10 Prozent der Portfolien aus. Diesen Wunsch adressierte er zu allererst an die kommende EZB-Chefin Christine Lagarde. An die Politik appellierte er, für eine CO2-Steuer und Subventionen für Gebäudesanierung zu sorgen.

Klimaschutz sei auch in ihrem Haus ein Topthema, betonte Sabine Mauderer aus dem Vorstand der Deutschen Bundesbank:

"Ich kann sagen, dass der überwiegende Teil der Zentralbanken, jedenfalls der europäischen und auch die Bundesbank, das Thema Klimawandel als das aktuell größte Risiko für die Menschheit sieht. Vor dem Hintergrund ist uns ganz klar: Wir müssen handeln und zwar jetzt."

Eine Marktbeeinflussung etwa durch den gezielten Kauf grüner Anleihen lehnte sie jedoch ab. Die Bundesbank sei neutral, ihre Aufgabe laute Preisstabilität.

Die Banker sehen auch beim Klimawandel vor allem die finanziellen Risiken. Sabine Mauderer hebt das sogenannte Transitionsrisiko hervor:

"Das Transitionsrisiko heißt ja vor allem, dass die Gesellschaft, die Unternehmen, auch die Finanzwirtschaft, sich nicht rechtzeitig auf den Wandel nicht nur der Gesellschaft, sondern der ganzen Umwelt und des Lebens umstellt und auf einmal ein "shocking moment" ansteht, verbunden mit Finanzschocks, der sie vor vollendete Tatsachen und leider auch vor Insolvenzen und andere fatale Entwicklungen stellt."

Deshalb sei für Banken und Unternehmen jetzt Transparenz die höchste Priorität: Transparenz, wie viele CO2-Belastungen noch in ihren Portfolios schlummern, die bei geänderter Regulierung zum Malus würden. Damit sind Werte gemeint, die auf den fossilen Energieträgern Kohle und Gas basieren.

Handlungsempfehlungen für Banken

Weil es zu solchen Risiken noch keine Erfahrungswerte gebe, habe sich die Bundesbank vor 20 Monaten mit anderen Zentralbanken zu einem Netzwerk zusammen getan, das sich "Network for Greening the Financial System" nennt und Handlungsempfehlungen erarbeitet. Inzwischen seien 42 Banken dabei, leider nicht die aus den USA, so Mauderer.

Die Märkte zu lenken sieht sie eher als Aufgabe der Politik. Die vertrat gestern in der Runde Jakob von Weizsäcker, Chefökonom im Bundesfinanzministerium. Der setzt vor allem auf die parlamentarisch kontrollierten öffentlichen Banken, die bereits Klimaschutz betreiben, nämlich die Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW, und die Europäische Investitionsbank, EIB:

"Es sind übrigens beides Banken, die eine Pionierrolle übernommen haben. Die EIB hat 2007 den ersten Green Bond emittiert, die KfW 2014, beide haben ein Riesenportfolio inzwischen an Klimainvestitionen aufgehäuft, es gibt sogar regelrecht Ziele bereits: Mindestens 25 Prozent der Kreditneuvergabe soll in Klimainvestitionen gehen."

Große Nachfrage nach grünem Investment

Die Rolle der Finanzwirtschaft wurde gestern Abend nur gestreift. Doch Zentralbankerin Mauderer füllte die Lücke mit dieser Einschätzung:

"Ich weiß von den ganz großen Vermögensverwaltungsgesellschaften - wir nennen das ja Asset Manager - der Welt, BlackRock, in Deutschland DWS, Franzosen Amundi - die haben Probleme, quasi die Nachfrage an nachhaltigem Investment zu decken, weil die Nachfrage so gigantisch ist."

Von allen Anleihen, die weltweit auf dem Markt sind, machten grüne Anleihen gerade mal ein Prozent aus.

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