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StartseiteWirtschaft und GesellschaftBanken sehen Schuldenschnitt gelassen21.02.2012

Banken sehen Schuldenschnitt gelassen

Reaktionen zum neuen Hilfspaket für Griechenland

Der Bankenverband rechnet damit, dass sich die Geldinstitute ihrer Verantwortung bewusst sind und sich zahlreich am Schuldenschnitt für Griechenland beteiligen. Für kurzfristige Anleger könnte das sich sogar lohnen.

Von Brigitte Scholtes

Der Schuldenschnitt für Griechenland versetzt bei den Banken in Frankfurt und anderswo niemanden in Aufregung. (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
Der Schuldenschnitt für Griechenland versetzt bei den Banken in Frankfurt und anderswo niemanden in Aufregung. (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

Die Finanzmärkte reagierten heute nicht überschwänglich auf die Brüsseler Beschlüsse, sie hatten damit gerechnet, dass die Eurogruppe sich schließlich doch zur Bewilligung des zweiten Hilfspakets durchringen würde und das schon vorweggenommen. Ob tatsächlich dieses Hilfspaket auch das letzte für Griechenland ist, daran haben viele Beobachter jedoch ihre Zweifel. So meint Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance and Management:

"Man hat sich politisch nun mal für eine Durchwurstelstrategie entschieden, und von daher braucht man wahrscheinlich viele Etappen. Es wird sicherlich auch eine Dekade dauern, bis Griechenland zurückkommt in die prosperierenden Gemeinschaftsnationen."

Ohnehin glaubt Klaus Stabel, Marktstratege der ICF Kursmakler AG, dass eine andere Entscheidung von größerer Tragweite war, nämlich die der EZB, den Banken für drei Jahre so viel Geld zur Verfügung zu stellen wie sie wollen. Eine halbe Billion Euro gab es schon im Dezember, weitere Milliarden wird es in acht Tagen geben:

"Hier fließt Geld in den Markt in der Hoffnung, dass damit vielleicht diese Krisensituation in Griechenland sich entschärft. Das muss nicht unbedingt in engem Zusammenhang gesehen werden. Aber das Geld fließt und findet auch den Weg an die Börse."

Die privaten Gläubiger, also im Wesentlichen Banken und Versicherer, haben das Hilfspaket durch ihren weiteren Verzicht erst möglich gemacht. Doch müssen sie zu mindestens 90 Prozent diesem Schuldenschnitt zustimmen, damit die vereinbarten 107 Milliarden Euro erreicht werden. Der Bundesverband deutscher Banken glaubt, dass die Institute sich ihrer Verantwortung bewusst seien und sich insgesamt zahlreich beteiligen würden. Und den höheren Schuldenschnitt könnten sie auch verkraften, meint Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands:

"Das ist natürlich schon ein ganz enormer Betrag und das bedeutet für jedes einzelne Haus einen schmerzhaften Einschnitt. Auf der anderen Seite ist die Ertragslage im Jahr 2011 gut gewesen, und die Banken haben sich schon warm angezogen für die Griechenlandrisiken. Das heißt, das wird jetzt keine Bank umwerfen."

Für die kurzfristigen Anleger unter den privaten Gläubigern könnte sich eine Teilnahme am Schuldenschnitt ohnehin lohnen, sagt Udo Steffens von der Frankfurt School of Finance and Management:

"Der kurzfristige Investor, der vielleicht für 20, 30 oder 36 gekauft hat, jetzt 53,5 Prozent verzichtet und neue Papieren bekommt mit einem kleinen zweiprozentigen Kupon, kann damit zumindest einen Buchgewinn machen. Aber wir dürfen nicht vergessen: Derjenige, der in Staatspapiere investiert hat, ist eigentlich immer ein langfristiger Investor gewesen. Von daher liegt das Grundproblem bei den langfristigen Investoren, also insbesondere bei den Versicherern."

Einige Anleger wie Hedge Fonds könnten aber auch darauf spekulieren, dass Griechenland die Gläubiger zum Schuldenschnitt verpflichtet, wenn die notwendige Quote nicht erreicht wird. Das hätte zur Folge, dass dann die Kreditausfallversicherungen greifen, die diese spekulativen Anleger gleich mit abgeschlossen haben. Für Griechenland selbst aber dürfte vor allem eines wichtig sein: Die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Denn wenn das nicht gelingt, das wissen auch die Märkte, dann wird auch das aktuelle Hilfspaket nicht nützen. Klaus Stabel von der ICF Kursmakler AG legt den Finger in die Wunde:

"Das Hauptproblem dieser Länder grundsätzlich ist, dass sie mittlerweile ein Preisgefüge erreicht haben durch diese Fixierung der Wechselkurse, die einfach nicht angemessen sind. Es gibt ein einfaches Gefälle in der EU, das hier künstlich zugeschüttet wurde. Und das ist halt das Schlechte an der Geschichte."

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