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StartseiteVerbrauchertippWie man bei Kreditkarten die Kosten im Blick behält06.07.2020

Bargeldloses BezahlenWie man bei Kreditkarten die Kosten im Blick behält

Dinge im Internet bestellen oder im Ausland bezahlen – eine Kreditkarte ist nützlich, manchmal unabdingbar. Allerdings sind die Kosten für die Nutzung nicht leicht zu durchschauen. Entscheidende Fragen sind: Wird ein Grundpreis erhoben oder nicht und wie hoch sind die Kosten fürs Abheben?

Von Dieter Nürnberger

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Eine Frau hebt Geld an einem Bankautomaten ab. (picture alliance / VisualEyze / Matthias)
Bevor man die Kreditkarte nutzt sollte man sich mit den Konditionen vertraut machen (picture alliance / VisualEyze / Matthias)
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Die Stiftung Warentest hat sich knapp 30 weit verbreitete Kreditkarten genauer angeschaut.

Welche Abrechnungsarten gibt es?

Vor allem bei der Abrechnung unterscheiden sich die Kreditkarten. Bei der Standardkarte werden beispielsweise nur einmal im Monat die Umsätze von Girokonto abgezogen, bei der sogenannten Debitcard hingegen unmittelbar nach jeder Transaktion. Zudem gibt es solche mit Teilzahlungsmöglichkeit oder auch aufladbare Prepaidkarten. Hinzu kommt: Einige Karten werden nur in Verbindung mit einem Girokonto vertrieben, andere auch ohne.

In welchem Rahmen bewegen sich die Kosten?

28 Kreditkarten wurden aktuell untersucht. Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest: "Da haben wir eine Preisspanne von 0 bis 136 Euro gefunden, die man dann als Jahreskosten hat. Und zwar setzt sich ein solcher Preis wie folgt zusammen: Aus dem jährlichen Grundpreis, den man ja oft bezahlt, plus den zusätzlichen Gebühren, die eben beispielsweise für das Geldabheben oder für das Bezahlen anfallen."

Ein möglicher jährlicher Grundpreis für Kunden ist am einfachsten zu erkennen. Schwieriger wird es dann bei den Kosten oder Gebühren für das Abheben am Automaten - jeweils abhängig davon, ob die Karte im Inland oder inner- oder außerhalb Europas eingesetzt wird. Einige Kartenanbieter berechnen beispielsweise für die Nutzung von Geldautomaten in Nicht-Euro-Ländern Gebühren in Höhe von bis zu 3,85 Prozent des Abhebebeitrags. Je mehr eine Kreditkarte im Ausland genutzt wird, desto teurer wird es meist.

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Auf welche Kostenfallen sollte man achten?

Vor allem bei Kreditkarten mit Teilzahlungsoption lauern Kostenfallen:      

Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest: "Weil dort dann immer nur ein Teilbetrag des monatlichen Umsatzes abgezogen wird. Unter dem Aspekt "Flexibilität" - ich kann also zurückzahlen, wann ich will. Aber: Der Rest, der stehen bleibt, auf den fallen dann nämlich Zinsen an. Und die können bis zu 20 Prozent sein. Und dann ist es ja so: Wenn ich die Karte weiter einsetze, dann erhöht jede weitere Ausgabe diesen Kreditbetrag und damit auch die Zinszahlungen, die ich leisten muss."

Die Stiftung Warentest empfiehlt deshalb, die voreingestellte Teilzahlungsoption auszuschalten, was aber nicht bei jeder Karte möglich ist. Ansonsten bliebe nur, die Rechnungen sofort auszugleichen, um dem teuren Zahlungsaufschub zu entgehen.

Was ist bei Prepaid-Karten zu beachten?

Sozusagen Kaufen auf Pump ist mit Prepaid-Karten hingegen nicht möglich. Hier gilt: Erst aufladen, dann zahlen. Übersteigt der Kaufbetrag das vorhandene Guthaben, wird die Zahlung abgebrochen. Solche Karten gibt es mitunter auch für Jugendliche ab 14 Jahren. Sie sind zudem auch ohne Anbindung an ein Girokonto erhältlich. Allerdings kann die weltweite Akzeptanz der Prepaid-Karten eingeschränkt sein. Und günstig sind sie nicht, sagt Warentesterin Kerstin Backofen:

"Auch beim Geldabheben und beim Bezahlen fallen Gebühren an. Was wir festgestellt haben ist, dass auch der Grundpreis im Jahr bei diesen Prepaid-Kreditkarten höher ist als bei den normalen. Also: Grundsätzlich sind das teurere Karten und nur, wer wirklich keine andere bekommt, sollte zu einer Prepaid-Kreditkarte greifen."

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Welche Kreditkarten schnitten am besten ab?

Drei Kreditkarten lagen am Ende vorn.

Warentesterin Kerstin Backofen: "Die "DKB Visa-Card" - dazu ist das Girokonto bei der DKB nötig, und man muss auch 700 Euro Geldeingang im Monat haben. Ohne Girokonto wäre es dann die "Genialcard" der Hanseatic Bank oder die "Deutschland-Kreditkarte Classic". Weil bei denen - sobald ich die Teilzahlung ausgestellt habe - auch keine Gebühren anfallen und das somit empfehlenswerte Karten sind."

Fazit: Kostenlose oder günstige Kreditkarten gibt es, jedoch sollten Kunden die genauen Konditionen kennen und sie - wie im Falle der Karten mit Teilzahlungsoption - auch unbedingt einhalten. Also - wenn möglich - diese Funktion ausschalten oder die Kartenumsätze sofort ausgleichen. Sonst wird es teurer als gedacht.

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