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StartseiteUmwelt und VerbraucherUnterwegs mit Handicap19.02.2014

BarrierefreiheitUnterwegs mit Handicap

Kein Aufzug und hohe Stufen an der Zug- oder Bustür – wer mit Rollstuhl oder Rollator in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, stößt immer noch oft auf Hürden. Der Umbau der Infrastruktur bei den Verkehrsunternehmen ist ein langwieriger Prozess.

Von Susanne Kuhlmann

Die Busse sind so ausgelegt, dass man auch mit Rollstuhl und Rollator bequem einsteigen kann. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
Nicht alle Busse sind so ausgelegt, dass man auch mit Rollstuhl und Rollator bequem einsteigen kann. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
Weiterführende Information

Realität und Utopie - Chancen und Grenzen der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt (Deutschlandfunk, Hintergrund, 03.12.2013)

"Die Regionalbahnen sind günstiger. Der IC, da muss ich drei Stufen hoch, durch eine schmalere Tür und muss sehen, dass ich mit einer Hand mich festhalte. Und in der anderen Hand habe ich meinen Rollator und dass ich in diese Tür reinkomme, weil das alles so schmal ist. Aber in den Regionalzüge, da ist alles breiter. Da kommt man besser rein und raus."

Gisela Bäunker zog vor drei Jahren nach Hannover in ein Seniorenheim. Dort fährt sie mit der Straßenbahn zum Bummel in die Stadt und für Ausflüge in die alte Heimat auch zum Bahnhof. Mit ihrem zusammenklappbaren Rollator kommt sie meistens gut zurecht. Wer körperlich eingeschränkter ist, hat im öffentlichen Nah- und Fernverkehr allerdings immer noch mit vielen Widerständen zu kämpfen.

"Es fehlen Rampen, es fehlen ebenerdige Einstiege. In alten Bahnen gibt es noch Trennungsstangen beim Eingang, sodass man die weder mit dem Kinderwagen noch mit dem Rollator oder dem Rollstuhl gut nutzen kann. Es fehlen aber auch viele optische und akustische Signale für Menschen, die nicht hören oder nicht sehen können, sodass Sie zum Beispiel, wenn Sie keine Ansage haben, als blinder Mensch ganz schnell mal die Haltestelle verpassen können."

Michaela Gehms ist Sprecherin beim Sozialverband Deutschland in Nordrhein-Westfalen. Bahn und Verkehrsunternehmen haben zwar schon eine Menge getan, meint sei, aber das reicht noch nicht aus. Ähnlich sieht das Beatrix Kaschel von der Schlichtungsstelle Nahverkehr in Düsseldorf.

"Die Definition von barrierefrei ist, auch ohne fremde Hilfe ein- und aussteigen zu können, Verkehrsmittel nutzen zu können. Wenn Sie auf dem Bahnsteig beispielsweise angemeldet sind, damit Sie eine Einstiegshilfe in den Zug bekommen und der Fahrstuhl defekt ist, kommen Sie auf dem Bahnsteig nicht wie verabredet an, und die Reisekette ist schon unterbrochen."

Servicekräfte der Bahn helfen Menschen mit Einschränkungen beim Ein- und Aussteigen an einer Reihe von Bahnhöfen. Häufig ist das Angebot aber zeitlich begrenzt und gilt etwa nur bis 18 oder 20 Uhr. Kommt der vorherige Zug zu spät, klappt das Umsteigen also nicht.

Mobilität ist Menschenrecht

Mobilität ist ein Menschenrecht - so steht es in der Behindertenkonvention der Vereinten Nationen. Der Umbau der Infrastruktur bei Bahn und Verkehrsunternehmen ist aber ein langwieriger Prozess mit entsprechenden Problemen für Fahrgäste.

"Manchmal sind die Bahnen sehr gut rollstuhlgerecht. Sie sind auch ausgestattet mit akustischen und optischen Signalen. Aber die Bahnsteighöhen passen nicht dazu, sodass Sie zwar im Zug sich prima bewegen können. Aber sobald Sie aus- oder einsteigen wollen, müssen Sie Weitsprung können, weil einfach ein zu großer Spalt dazwischen ist, zwischen Zug und Steig."

Wer Hilfe beim Zugfahren braucht, muss das mindestens einen Tag vor der Reise anmelden. Dasselbe gilt auch bei manchen Verkehrsunternehmen, die dann einen Bus mit niedrigem Einstieg auf die Strecke schicken. Wer, wie viele junge Leute, auch gern spontan aufbricht, sollte stets auf aktuelle Informationen achten, rät Beatrix Kaschel.

"Also schon an dem Tag, an dem ich losfahre noch mal schnell gucken: Gibt es neue Informationen? Mir Apps auf das Handy runterladen, mir die Seiten von den Verkehrsunternehmen oder von den Verkehrsverbünden runterladen, alle die, die barrierefreie Fahrten thematisieren, um möglichst immer auf dem neuesten Stand zu sein."

Manchmal hindert ältere Menschen noch ein ganz anderes Problem daran, mit der Bahn zu fahren, sagt Michaela Gehms vom Sozialverband Deutschland. Sie befürchten, verschmutzte Zugtoiletten vorzufinden.

"Das ist sicher etwas, was man schnell in den Griff kriegen könnte. Ich muss nur öfter mal eine Putzkolonne da durchschicken. Das muss einfach möglich sein."

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