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StartseiteKommentare und Themen der WocheMit Nowitzki geht ein Vollblutvorbild10.04.2019

BasketballMit Nowitzki geht ein Vollblutvorbild

Nach 21 Jahren in der NBA zieht sich Dirk Nowitzki aus dem Profi-Basketball zurück. Die US-Liga habe er in dieser Zeit geprägt, meint Marina Schweizer in ihrem Kommentar – und den Basketball insgesamt. Sportlich und menschlich.

Von Marina Schweizer

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Dirk Nowitzki - letztes Heimspiel seiner Karriere für die Dallas Mavericks  (picture alliance / AP Images / Tony Gutierrez)
Dirk Nowitzki - letztes Heimspiel seiner Karriere für die Dallas Mavericks (picture alliance / AP Images / Tony Gutierrez)
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Es fallen Worte, wie Jahrhundertsportler. Gigant. Legende. Doch sie wirken klein, weil sie gerade im Sport so inflationär gebraucht werden. Das fällt besonders dann auf, wenn sie einen tatsächlich herausragenden Athleten beschreiben sollen.

Nur ganz wenige Sportler aus Deutschland können von sich behaupten, zu den besten ihres Fachs in der Geschichte zu zählen. Dies ist die Geschichte von Dirk Nowitzki, die sich nur mit mehreren Attributen zu einem vollständigen Bild zusammenfügen lässt.

Revolutionär

Zum Beispiel das des sportlichen Revolutionärs.

Ein Basketballspieler, der mit 20 Jahren aus Franken in die besten Liga der Welt auszog, um einer der besten dieser Welt zu werden. Sportlich auch deshalb für viele immer noch Leitfigur, weil er mit seiner Spielweise geschafft hat, die Sportart umzukrempeln und zu einem besseren Spiel zu machen.

Für seine Größe von 2 Meter 13 extrem vielseitig, er trifft auch aus im Basketball wertvoller Entfernung. Ein Spieler, der durch die Varianten seiner Würfe oft extrem schwer zu verteidigen ist. Sein Markenzeichen: Ein Sprungwurf in Rückwärtsbewegung mit angewinkeltem Knie – der Flamingo.

Rekordmann

Dann wäre da der Rekordmann Nowitzki: 21 Saisons bei den Dallas Mavericks - so lange wie kein anderer Spieler jemals bei einem NBA-Club. Mit der Anzahl seiner gemachten Punkte hinter Michael Jordan auf Platz 6 der ewigen Bestenliste der Liga. Die Zahlen sprechen Bände - über seine lange Zeit beachtliche sportliche Konstanz, seinen Teamgeist und seine Loyalität gegenüber seinem Verein.

Hier kommt Dirk Nowitzki, der Bescheidene, ins Spiel. Er verabschiedet sich zwar wahrlich als reicher Mann aus der NBA. Doch es kommt heute nicht allzu häufig vor, dass es ein Topstar bei Vertragsverhandlungen nicht bis zum Äußersten treibt. Mehrfach verzichtet er auf ein höheres Gehalt, damit sich die Dallas Mavericks auch andere Top-Spieler leisten können.

Tiefstapler

Noch dazu ist Dirk Nowitzki ein unverbesserlicher Tiefstapler, alles andere als ein Mittelpunktmensch. Fällt die Rede auf seine Leistung, lenkt er die Aufmerksamkeit auf andere. Bei seinem sozialen Engagement, etwa der eigenen Stiftung für Kinder, wirbt er authentisch für die Sache und nicht sich selbst.

All das, kombiniert mit der Tatsache, dass Nowitzki unprätentiös ohne öffentlich bekannte Verfehlungen durch seine lange sportliche Karriere gekommen ist, macht ihn zu einem der wenigen wirklich herausragenden Akteure im heutigen Sportgeschäft. Denn: Ein guter Athlet ist nicht immer gleich auch ein menschlicher Überflieger. Viele werden vorschnell und vollmundig zu Vorbildern und Botschaftern hochgejazzt. Nicht wenige Athleten scheitern sportlich oder charakterlich im Laufe der Karriere an solch hochtrabenden Vorgaben einiger Vermarkter, auch Politiker.

Mit Dirk Nowitzki geht eines der wenigen berühmten Vollblutvorbilder, die der deutsche, wenn nicht sogar der globale Sport hat.

Ein Mann, der ein Superlativ für sich ist.


Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer (privat)Marina Schweizer
 studierte Kommunikationswissenschaft und Geschichte in München, längere Auslandsaufenthalte in Alaska/USA. Während und nach dem Studium arbeitete sie als freie Reporterin u. a. für den SWR-Hörfunk, bevor sie ein crossmediales Volontariat bei Deutschlandradio absolvierte. Nach einem Jahr als Junior-Redakteurin in den Redaktionen Sport und Zeitfunk arbeitet sie heute beim Deutschlandfunk als Redakteurin und Moderatorin in der Sportredaktion und als Moderatorin im "Zeitfunk".

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