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StartseiteEuropa heuteBastion des blauen Dunstes31.12.2007

Bastion des blauen Dunstes

Portugals raucherfreundliches Nichtrauchergesetz

In Portugal treten zum Jahreswechsel schärfere Rauchergesetze in Kraft. An sich darf dann in Bars nicht mehr geraucht werden. Allerdings dürfen Lokale sich selbst zur Rauchergaststätten erklären - und nicht wenige Bars werden das auch tun.

Von Jochen Faget

Kaffee und Kippe gehören für viele Portugiesen untrennbar zusammen. (AP)
Kaffee und Kippe gehören für viele Portugiesen untrennbar zusammen. (AP)

Angeblich waren die elektrischen Kerzen auf den Lüstern im Café Brasileira einmal richtig weiß. Jahrzehntelange Nikotinablagerungen hätten ihnen das eher antik anmutende Gelb verliehen, heißt es. Ob das stimmt oder nicht, tut jedoch gar nichts zur Sache, in der Brasileira galten schon immer eigene Gesetze. Und die werden weiter gelten, garantiert die - natürlich brasilianische - Bedienung Noémia:

"Wem es nicht passt, dass hier drinnen geraucht wird, der kann ja außen im Straßencafé sitzen. In der Brasileira wurde immer geraucht und wird weiter geraucht. Nichtraucher, die das stört, haben die frische Luft außen. Wen es nicht stört, der kommt eben rein. Die Mehrheit der Gäste sind Raucher. Also ist das doch normal."

Noémia kann und will den ganzen Zirkus um das neue Raucher-, besser gesagt Nichtrauchergesetz nicht verstehen. Mag die Regierung das Rauchen in öffentlichen Räumen - Cafés und Restaurants eingeschlossen - ruhig verbieten! In der Brasileira wird weitergequalmt. 'Find ich gut, ich rauche ja auch', meint Noémia.

Außerhalb des Lissabonner Traditionscafés am Chiado-Platz wird das Leben für Raucher in Portugal allerdings härter: Grundsätzlich darf ab Jahresbeginn in Kneipen und Gaststätten aller Art nicht mehr geraucht werden. "Grundsätzlich", das heiß in portugiesischer Lesart: Lokale mit mehr als 100 Quadratmetern können abgetrennte Raucherzonen einrichten. Und Lokalen, die kleiner sind, lässt das neue Gesetz die Möglichkeit, sich ausdrücklich zu Rauchergaststätten zu erklären. Der Kellner Celso ist zufrieden:

"Das neue Gesetz ist ausgezeichnet. Ich bin Nichtraucher. Für uns wird alles besser. Viele meiner Kollegen beklagen sich ebenfalls, stundenlang im Zigarettenqualm arbeiten zu müssen. Wieso sollten wir auch passiv mitrauchen?"

Celso arbeitet im Toucinho, einem Spezialitätenrestaurant in der mittelportugiesischen Kleinstadt Almeirim. Sein Chef hat sich für den goldenen Mittelweg entschieden und einen Nichtraucherraum eingerichtet. Sehr zur Freude des Personals:

"Die Leute, die beim Essen nicht eingequalmt werden wollen, werden eben immer mehr. Und es kommen sogar Raucher hierher! Die gehen nach dem Essen dann zum Kaffeetrinken und Rauchen in den anderen Raum."

Radikale Raucher allerdings sehen das anders: Kaffee und Kippe gehörten in Portugal untrennbar zusammen, meint diese Frau Mitte 30 und droht mit Kneipenboykott:

"Wenn mein Stammrestaurant das Rauchen verbietet, werde ich dort nicht mehr hingehen und mir ein anderes suchen. Ich werde auch nicht zum Kaffeetrinken in ein Lokal gehen, wo ich nicht rauchen darf! Die Mehrheit der Raucher wird solche Lokale nicht mehr besuchen."

Dafür wird es im Traditionscafé Brasileira vielleicht noch etwas voller werden. Dabei ist schon jetzt an den alten Holztischen fast nie ein Platz frei, kann Kellnerin Noémia die Aschenbecher am Tresen kaum so schnell ausleeren, wie die sich mit Kippen füllen.

Die meisten Restaurants und Cafés des Landes würden zum 1. Januar das Rauchen verbieten, zitiert einer der - natürlich rauchenden - Stammgäste aus der Zeitung. Weil es zu teuer sei, die strengen Vorschriften für Raucherzonen zu erfüllen. Nikotinschwaden ziehen durch den ehrwürdigen, holzvertäfelten Raum der Brasileira. Nichts würde so heiß gegessen, wie es gekocht wird, hofft die radikale Raucherin:

"In Portugal wird dieses Gesetz niemals greifen! In Spanien wurde auch ein Nichtrauchergesetz gemacht und es kümmert sich niemand darum. Für die Wirte steht viel zu viel auf dem Spiel. Auch in Portugal gibt es sehr viele Raucher. Darum wird das neue Gesetz auch hier nicht funktionieren."

Und wenn doch? Dann wird draußen geraucht, vor der Kneipe, gleich neben dem Denkmal des Dichters Fernando Pessoa. Portugals wichtigster Autor der Moderne sitzt, in Bronze gegossen, an einem Tisch. Schließlich war die Brasileira sein Lieblingscafé. Wahrscheinlich, weil Fernando Pessoa Kettenraucher war.

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