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StartseiteKultur heuteWarum weniger Hype und mehr Realismus besser wären28.03.2018

Bauhaus-JubiläumWarum weniger Hype und mehr Realismus besser wären

Die großen Feierlichkeiten zur 100-Jahrfeier sind schon längst angelaufen - aber wo bleibt bei all dem Jubel der nüchterne Blick auf das Bauhaus? Dabei ließe sich auch aus den Fehlern der Architekten und Stadtplaner lernen.

Carsten Probst im Gespräch mit Kathrin Hondl

Die Römerstadt in Frankfurt am Main. Die Reihenhaussiedlung gilt als wegweisendes Projekt im Städtebau der 1920er Jahre (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Die Römerstadt in Frankfurt am Main. Die Reihenhaussiedlung gilt als wegweisendes Projekt im Städtebau der 1920er Jahre (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
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Man kann es nur begrüßen, wenn die Landespolitik nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern auch in Thüringen, anscheinend endlich bereit ist, mit ihren großen Werbemaßnahmen dem Erbe des Bauhauses und der Moderne generell Anerkennung zu verschaffen. Das war nicht immer der Fall. In der DDR galt das Bauhaus als bourgeois-weltbürgerliches Feindbild, auch nach der Wende interessierte man sich in Weimar erst einmal eher für Goethe und Schiller. Auch in Dessau fiel es der sachsen-anhaltinischen Landesregierung lange schwer, das historische Bauhaus aktiv auch an das heutige Publikum zu vermitteln. Insofern ist diese plötzlich erwachte Liebe der Landespolitik zur Moderne eher wohl saisonbedingt und zeugt von einer eher unreflektierten Verklärung. 

Fehlgeleitete Stadtplanung

Das Bauhaus wird heute generell eher wie ein Lifestyle-Phänomen behandelt. Da der Begriff nicht geschützt ist, kann jeder ihn irgendwie besetzen. Kreativität und Selbstoptimierung sind omnipräsent in der Werbung, das Bauhaus-Image stellt ein sehr erfolgreiches Kreativitätsversprechen dar, das zugleich angeblich interdisziplinär und demokratisch anmutet. Perfekt also für Marketingzwecke. Ausgeblendet werden dabei die Vorbehalte, die das Bauhaus immer begleitet haben, auch die Fehlentwicklungen in der Stadtplanung, wenn man an den sozialen Wohnungsbau der 1970er und 80er Jahre denkt, der völlig zu Recht kritisiert wurde. Doch davon hört man heute gar nichts mehr.

Fragiles Erbe

Eine gelungene Erinnerung an das Bauhaus würde zunächst versuchen, dieses in Deutschland erst einmal wieder bekannter zu machen. Denn das Ausland interessiert sich dafür bislang weitaus stärker als die Deutschen. Ebenso wichtig: Das Bauhaus taugt nicht für Heldengeschichten. Es war keine einheitliche Schule, schon gar keine per se demokratische Institution, sondern in sich höchst heterogen; es bildete personell das gesamte politische Spektrum der Weimarer Republik ab. Und die Moderne wie auch das Bauhaus gingen nicht aus revolutionärer Gewissheit hervor, sondern aus einer fundamentalen Kulturkritik ihrer Zeit; aus einem Bewusstsein, dass es keine kulturellen Gewissheiten mehr gibt. Das Bauhaus versuchte, teilweise sehr produktiv und innovativ, experimentell mit dieser Ungewissheit umzugehen. Die Geschichte zeigt, wie fragil dieses Erbe war und ist. Die Veranstalter des Programms Bauhaus 100 wollen dieses Jubiläum daher nutzen, um über Gegenwart und Zukunft unserer Städte zu diskutieren. Es wäre zu wünschen, dass sie damit auch durchdringen.

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