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StartseiteKalenderblattBaumeister des Barocks27.01.2012

Baumeister des Barocks

Vor 325 Jahren wurde Johann Balthasar Neumann geboren

Seit 1991 zierte das Porträt Balthasar Neumanns den 50-D-Mark-Schein. Das hat den heute vor 325 Jahren geborenen Barock-Baumeister nicht davor bewahrt, zeitweise in Vergessenheit zu geraten. Umso berühmter sind aber seine Werke: die Würzburger Residenz oder die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, Glanzstücke barocker Baukunst.

Von Jochen Stöckmann

Johann Balthasar Neumann in einer zeitgenössischen Darstellung. (picture alliance / dpa -)
Johann Balthasar Neumann in einer zeitgenössischen Darstellung. (picture alliance / dpa -)

Wer die breite Treppe im Innern der monumentalen Würzburger Residenz hinaufgeht, nein: schreitet, der erlebt die wunderbare Leichtigkeit dieser Barock-Architektur. Wie von selbst gleitet der Blick hinauf zur alles überwölbenden Kuppel mit dem weltweit größten Deckenfresko. Eine Fläche von 670 Quadratmetern hat Giovanni Battista Tiepolo um 1750 ausgemalt, als Verherrlichung der Würzburger Fürstbischöfe und - höchst ungewöhnlich - zur Erinnerung an den Architekten: auf einem Kanonenrohr reitet Balthasar Neumann durch die wogende Farbenpracht, seine blaugraue Uniform eines Obristlieutenants der Artillerie verweist auf die Karriere des Barockbaumeisters.

Geboren am 27. Januar 1687 im böhmischen Eger, ließ Neumann sich zum Büchsenmacher ausbilden und erlernte die "Ernst- und Lustfeuerwerkerei". Als der Sohn eines Tuchmachers dann 1712 in die fränkische Armee eintrat, eröffnete ihm die Gunst des Würzburger Fürstbischofs die erhoffte Laufbahn als Ingenieur:

"Der Fürst befahl, ihn alsbald in die Artillerieschule zu tun und munterte den jungen Menschen auf, sich eine Gnade von ihm zu erbitten. Er bat bloß einen besonderen Unterricht in der lateinischen, französischen und italienischen Sprache. Denn er meinte, wenn er die architektonischen Werke in den vorgenannten drei Sprachen verstehen könnte, wäre sein Glück gemacht."

Nicht nur fremde Sprachen, auch die Manier der französischen und italienischen Baumeister machte Neumann sich zu eigen. Als gelernter Festungsbaumeister verstand sich Neumann auf ebenso solide wie weitgespannte Gewölbe, mit denen er in zahlreichen Kirchen und Schlössern seine Leitidee der Rotunde und "kurvierter", mit sanften Schwüngen ineinander übergehender Räume realisieren konnte.

Diese besondere Qualität der spätbarocken Bauten wurde lange Zeit kaum goutiert. Heinrich von Kleist schrieb im Oktober 1800 aus Würzburg:

"Das bischöfliche Residenzschloß ist lang und breit. Schön kann man es nicht nennen."

Von solchen Geschmacksurteilen hin zur differenzierten Bewertung von im besten Sinne verspielten, aber auch würdevollen Bauwerken wie der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen war es ein weiter Weg. Mit Jacob Burckhardt begann die Neubewertung der als "Schnörkelei" verschrienen Kunstepoche. Der Kulturhistoriker schrieb 1875, nach einem Besuch des ebenfalls von Balthasar Neumann erbauten Schloss Bruchsal:

"Mein Respekt vor dem Barocco nimmt stündlich zu. Das für mich erstaunlichste, was ich sah, war das Schloß von Würzburg. Und das Treppenhaus von Bruchsal ist geradezu ersten Ranges und geht allen jetzt lebenden Architekten weit über den Kopf."

Burckhardt, der gestandene Kunstwissenschaftler, staunte über barocke Raumgefüge, auf die auch Fachleute selten vorbereitet sind, weil genaue Pläne oder Dokumentationen fehlen.

"Balthasar Neumann zum Beispiel war ein miserabler Zeichner, aber ein Genie der Erfindung an Ort und Stelle und die lokalen Maurermeister verfügten über ein technisches Können, ein Kunstgefühl, eine Baufantasie: es war nicht nötig, sondern wäre einer Beleidigung gleichgekommen, ihnen etwa ein Gesims in exakten Blaupausen auszuhändigen - derlei fabrizierten sie, wie es ihnen in den Fingerspitzen saß.."

So stellte sich im 20. Jahrhundert Wolf von Niebelschütz das Bauen im "Barock und Rokoko" vor. Und er traf damit den Geist dieser Epoche.

Zum einen die Gemeinschaftsarbeit von Baumeistern und Kunsthandwerkern. Zum anderen das kenntnisreiche Geschick, mit dem Architekten wie Neumann die überbordende Fülle der Details zu einem ausgewogenen Ganzen fügen konnten. Das wurde schließlich auch von Kunsthistorikern anerkannt. Theodor Hetzer etwa urteilte 1928 über die Würzburger Residenz:

"Räume, von denen jeder bis in den kleinsten Teil ein wohldurchdachtes, von Fantasie und Laune überquellendes Kunstwerk ist: Der Gebrauchscharakter der Gemächer und der Möbel tritt völlig zurück, alles dient der Anschauung, der Augenlust, dem Spiel. Jeder Stuhl ist in genau in derselben Weise Kunstwerk wie ein Gemälde oder eine Statue."

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