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StartseiteUmwelt und VerbraucherWeißes Gold mit schwarzen Sozialstandards20.03.2014

BaumwollanbauWeißes Gold mit schwarzen Sozialstandards

Die Schlagzeilen über verheerende Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie haben dazu beigetragen, dass immer mehr Konsumenten wissen wollen, wie ein Produkt hergestellt wurde. Das bekommt auch die Textilbranche zu spüren. Sie muss versuchen, auf einem Markt mit vielen Akteuren saubere Wege zu beschreiten.

Von Franziska Rattei

Baumwolle (dpa / pa / Harms)
Die Wege von der Baumwolle bis zum fertigen Kleidungsstück sind lang. (dpa / pa / Harms)
Weiterführende Information

Kambodscha - Protest gegen Niedriglöhne (Deutschlandfunk, Kommentar, 03.01.2014)

Auf der Bremer Baumwolltagung knüpfen Menschen, die mit Baumwolle zu tun haben, Kontakte. Marken- und Maschinenhersteller, Händler, Erzeuger und Verarbeiter. Einer der Teilnehmer ist Roland Stelzer. Die Philosophie seiner Firma zwischen Stuttgart und Tübingen: Transparente Herstellung vom Anbau bis zum Produkt. "So billig wie möglich" war mal, sagt Stelzer.

"Die Menschen wollen wissen: Was ist denn passiert? Die Baumwollindustrie ist eine weltweit vernetzte. Da wird die Faser angebaut in Indien, die wird versponnen in Bangladesh, die wird verwebt in China, die wird ausgerüstet, ich weiß nicht wo, und dann wird sie wieder genäht in Kambodscha. Und dann wird’s verkauft von großen Marken. Und es ist noch nicht einmal sicher, dass die Marke selber weiß, wo das hergestellt ist."

Ernst Grimmelt leitet in seiner Münsterländer Firma als Geschäftsführer auch den Garnvertrieb. Der Konsument wünsche sich Nachvollziehbarkeit, sagt der Vizepräsident der Bremer Baumwollbörse.

"Wenn er in das Geschäft geht und sich ein Produkt kauft, dann möchte er informiert werden und sich dann für das Produkt entscheiden, wo er auch feststellt: Das ist alles auf einem sauberen Weg gelaufen. Eigentlich ist Nachvollziehbarkeit das Stichwort. Das hat sich geändert."

Nachverfolgbarkeit der Produktionskette erstellen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesem Kundenwunsch nachzukommen, sagt Axel Drieling, Leiter des Bereichs Prüfmethoden am Bremer Faserinstitut. Die DNA-Markierung hält er für eine vielversprechende.

"Im Prinzip kann man es sich wie eine Farbe vorstellen; nur es ist keine Farbe, kein Buchstabe, sondern es sind DNA-Buchstaben, die auf die Baumwolle aufgetragen werden können."

Hersteller können ihre Ware so vom Beginn bis zum Ende der Produktionskette eindeutig nachverfolgen. Nur eine Entwicklung, die die Baumwollwelt verändert. Beim Anbau beeinflussen gentechnisch veränderte Pflanzen die Produktion. Sie kommen mit wenig Wasser aus und sind widerstandsfähig gegen bestimmte Insekten. Fortschritt für die, die es sich leisten können, Ruin für arme Baumwollfarmer, kritisiert Gertraud Gauer-Süß. Um sie geht es nicht bei der Bremer Konferenz, bemängelt die Geschäftsführerin des Bremer Informationszentrums für Menschenrechte und Entwicklung. Anstatt den Bauern teures gentechnisch verändertes Saatgut zu verkaufen, sollte man Aufklärungskampagnen starten, meint sie.

"Wenn ich unterschiedliche Sorten mit unterschiedlichen Potentialen anbaue, kann es sein, dass ich dann einmal ne Sorte hab, die nicht so viel Feuchtigkeit benötigt, und ich hab vielleicht noch ne Sorte, die nicht so anfällig ist gegen bestimmte Insekten. Das heißt, ich kann dann so was wie ne Risikominimierung machen."

Baumwollproduktion in Usbekistan

Teilnehmen kann Gertraud Gauer-Süß an der Tagung übrigens nicht. Mehrere hundert Euro Anmeldegebühr können NGO’s kaum aufbringen, sagt sie. Deshalb wird sie die Baumwoll-Insider nur am Rande der Konferenz auf das Thema Usbekistan ansprechen können. Dort werden Menschen von der Regierung zur Arbeit auf Baumwollfeldern gezwungen, auch Kinder.

"Man enthält ihnen sozusagen Bildung vor und sie sind gezwungen zu ernten und bekommen noch nicht mal eine entsprechende Entschädigung, einen Lohn dafür. Das ist natürlich ein Skandal."

Axel Drieling vom Faserinstitut Bremen widerspricht nicht. Er kennt die Berichte. Allerdings sei das Land in einer Umbruchsituation, sagt er.

"Dass die Ernte, die in Usbekistan bisher größtenteils noch eine Handernte war, mit großem Einsatz von Personen, vollständig umgestellt wird oder zumindest in den nächsten zwei Jahren 80 Prozent umgestellt wird auf Maschinenernte. "

In der Zwischenzeit könne man den Kontakt zu Usbekistan auch nicht einfach abbrechen. Schließlich liefere das Land direkt nach China – als weltweit größer Importeur und Produzent der „global player“ auf dem Weltmarkt. Das müsse man stets im Hinterkopf behalten.

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