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StartseiteWirtschaftsgesprächDas schwere Erbe der Monsanto-Übernahme27.02.2019

Bayer-JahresbilanzDas schwere Erbe der Monsanto-Übernahme

Der Bayer-Konzern ist mit der Übernahme von Monsanto inzwischen zum weltgrößten Anbieter im Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäft geworden. Aber der Konzern tritt auch ein schweres Erbe an. Der Aktienkurs hat sich seit 2015 mehr als halbiert. Jetzt sind ein Konzernumbau und Stellenstreichungen geplant.

Von Günther Hetzke

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Das Bild zeigt das Bayer-Werk in Leverkusen im August 2016. Die Anlage ist beleuchtet, denn es ist Abend. (dpa-Bildfunk / Oliver Berg)
Das Bayer-Werk in Leverkusen. Der Konzern steht vor einem großen Umbau. (dpa-Bildfunk / Oliver Berg)
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Der Bayer-Konzern legt heute seine Jahresbilanz vor. Das ist derzeit mehr als ein rein wirtschaftliches Thema - warum?

Wir haben es ja hier mit einem Traditionskonzern zu tun, mit einer über 150-jährigen Geschichte, und inzwischen der weltgrößte Anbieter im Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäft. Und diese Größe hat Bayer durch den Zukauf von Monsanto erreicht. Und genau dieser Zukauf, dieses Geschäft, hat ja bisher nicht nur wirtschaftlich Ärger bereitet, sondern auch zu einem deutlichen Imageschaden geführt.

Was genau trübt denn das Ansehen von Bayer?

Bayer hat mit der Übernahme von Monsanto nicht nur die Produktpalette erworben, wie das bekannte Pflanzenschutzmittel "Roundup" mit dem nicht weniger bekannten Wirkstoff Glyphosat, sondern auch den seit Jahrzehnten schlechten Ruf des Konzerns, der bei vielen Umwelt- und Naturschützern, aber auch vielen Landwirten.

Monsanto, das sind die, die unter anderem DDT produziert haben, das sind die, die mit ihren gentechnisch verändertem Saatgut und den entsprechenden Pflanzenschutzmitteln viele Landwirte unter Druck gesetzt, sie vom Konzern abhängig gemacht haben mit nicht immer netten Methoden, wie wir auch in Europa erfahren haben. Sie haben ihre Macht und ihre wirtschaftliche Größe voll ausgespielt. Was auch immer über Monsanto berichtet wurde, Sympathie jedenfalls war da selten bis nie im Spiel. Und all das, was sich bisher gegen Monsanto gerichtet hat, richtet sich eben jetzt gegen Bayer.     

Ist das berechtigt?

Bayer tritt das Erbe an, muss für das, was Monsanto getan hat oder was dem Konzern vorgeworfen wird, jetzt gerade stehen. Ob die Vorwürfe berechtigt sind, vor allem mit Blick auf Gefährlichkeit oder Unbedenklichkeit von Glyphosat - das wird gerade vor Gericht geklärt. Da hat vorgestern erst ein sehr wichtiger Prozess begonnen in den USA. Wichtig, weil er Teil eines Massenverfahrens ist, also hier sind hunderte Klagen gebündelt. Der Ausgang dieses Verfahrens gilt als richtungsweisend für die vielen anderen Klagen. Und hier geht es zentral erst einmal um die eine wichtige Frage, ob Glyphosat überhaupt krebserregend ist oder nicht.

Wie viel Klagen sind insgesamt anhängig?

Die Zahl der Kläger ist noch einmal gestiegen, wie gerade mitgeteilt wurde auf inzwischen rund 11.200. Zuletzt war von rund 9.300 Klägern die Rede.

Dieser Imageschaden, macht sich der bei Bayer auch wirtschaftlich bemerkbar?   

Auf jeden Fall beim Aktienkurs. Vor der Ankündigung der Fusion lag er 2015 zwischenzeitlich bei rund 140 Euro, teilweise drüber, Kurs gestern 66,50 Euro. Der Kurs hat sich mehr als halbiert. Ansonsten wurde eben schon mitgeteilt, dass der Gewinn im vergangenen Jahr bei Bayer eingebrochen ist, wobei es konkret im Agrarbereich zum Jahresende zumindest durchaus gut lief. Und wir wissen ja bereits, dass ein Konzernumbau und ein umfangreicher Personalabbau geplant ist. Weltweit geht es immerhin um 12.000 Arbeitsplätze. Was wir noch nicht wissen, wie viele davon auf den Standort Deutschland entfallen.

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