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StartseiteCampus & KarriereEin Exzellenz-Programm für die breite Masse 05.04.2016

Bayerische Hochschulen Ein Exzellenz-Programm für die breite Masse

Viele Hochschulen buhlen um den Status der Elite-Universität. Doch gefördert werden müsse vor allem die Exzellenz jenseits der Exzellenz-Initiative, so die Ansicht des Vereins "Hochschule Bayern". Das soll nun mithilfe des Programms "Innovative Hochschule" geschehen.

Von Michael Watzke

Blick in einen Hörsaal (dpa / picture alliance / Thomas Frey)
Grundlagenforschung ist wichtig und gut. Doch in Deutschland hapert es häufig an der Umsetzung der Forschungs-Ergebnisse in Produkte des Alltags. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)

Dieses Geräusch hier ist ein Airbag mit Körperschall-Technologie. Die Technische Hochschule Ingolstadt hat den innovativen Luftsack mitentwickelt. Inzwischen wird dieser mitdenkende Airbag in Serie gefertigt. Für Hochschulpräsident Prof. Walter Schober ein Beispiel für Transfer-Kompetenz.

"Es geht doch darum, dass wir Erkenntnisse, die wir in der Grundlagen-Forschung haben, in Produkte reinbringen, die innovativ sind und letztendlich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken."

Die Grundlagenforschung – also etwa über Körperschall – wird meist an Universitäten betrieben, für die das Bundesforschungsministerium die Exzellenz-Initiative geschaffen hat. Doch in Deutschland hapert es häufig an der Umsetzung der Forschungs-Ergebnisse in Produkte des Alltags. Hier seien die Hochschulen für angewandte Wissenschaften besonders vorbildlich, findet Prof. Schober. Er fordert deshalb ...

" ... dass die Exzellenz-Initiative, die natürlich sinnvoll ist, durch eine andere Exzellenz-Förderung begleitet und ergänzt wird. Da geht's dann mehr um das Thema "Transfer-Kompetenz", um das Thema "Innovations-Impulse" aus den Hochschulen heraus."

Prof. Schober ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Hochschule Bayern". Dieser Verband schlägt vor, dass insgesamt 50 Hochschulen in Deutschland – also etwa 20 Prozent - mit je zwei Millionen Euro pro Jahr gefördert werden. Ein Exzellenz-Programm jenseits der Exzellenz-Initiative. Mit dem Fokus auf Praxisbezug und angewandte Wissenschaften statt auf Theorie und Grundlagenforschung wie an den Universitäten.

" ... weil wenn man sich die Spitzenforschung und vor allem das Schanghai-Ranking anschaut, was ja immer wieder herangezogen wird, geht es dort wesentlich um Publikationen, Zitationen bis hin zu Nobelpreisträgerschaft, also sehr stark um das Thema Grundlagenforschung."

Das Bundesforschungsministerium in Berlin, das die Gelder für die Exzellenz-Initiative bereitstellt, reagiert auf den Vorschlag der Hochschulen kühl. 'Wir kommentieren den Vorstoß aus Bayern nicht', sagt Ministeriums-Sprecherin Christina Brüning.

"Bundesforschungsministerin Wanka hat immer deutlich gemacht, dass es ihr bei der Exzellenz-Initiative um die Förderung von Spitzenforschung geht. Daran wollen wir keine Abstriche machen."

Andererseits, so Sprecherin Brüning, habe Deutschland eine reiche Hochschullandschaft mit vielen Leistungen auf anderen Gebieten. Etwa Fachhochschulen und kleinere Universitäten.

"Deswegen möchte Frau Wanka eine weitere Fördermöglichkeit für Hochschulen entwickeln. Das geht nur mit einer gemeinsamen Bund-Länder-Vereinbarung. Und dazu laufen gerade die Gespräche."

Noch, so hört man, sei keine Einigung in Sicht. Offen ist, woher das Geld kommen soll und welchen Förder-Ansatz man wählt. Die bayerische Staatsregierung etwa unterstützt den Ansatz "Innovative Hochschule". Die Bayern wollen FHs und THs nicht nach dem Gießkannen-Prinzip fördern, sondern nach Exzellenz. Natürlich auch deshalb, weil sie sich für bayerische Hochschulen gute Chancen ausrechnen. Etwa für die TH Ingolstadt und deren Präsidenten Prof. Schober.

"Also wir haben als Hochschule über 200 Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten. Allein im Forschungsbereich sind es über 80 Unternehmen."

Eine Bundesförderung nach dem Exzellenz-Prinzip wäre für Schober und die TH Ingolstadt ein weiterer Knall-Effekt nach dem mitdenkenden Airbag.

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