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Bayerische Sonderförderung für SportstättenbauBauboom trotz Corona

Baufällige Turnhallen, kalte Umkleiden, renovierungsbedürftige Vereinsheime: Viele Sportstätten in Deutschland sind marode, der Sanierunsstau ist enorm. Bayern versucht seit einiger Zeit, etwas dagegen zu tun. 2019 startete ein Sonderprogramm für den Sportstättenbau von Vereinen. Jetzt werden die ersten Vereinsanlagen fertig.

Von Burkhard Schäfers

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Viele Vereinsheime in Deutschland sind in keinem guten Zustand. In Bayern will man mit einem Sonderprogramm gegensteuern. (dpa/picture alliance/Joaquim Ferreira)
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Der TSV Hollstadt ist ein kleiner Verein, der gerade ein großes Bauprojekt stemmt: Das neue Sportheim mit Kegelanlage und zwei Sanitärbereichen ist fast fertig – Kostenpunkt 1,2 bis 1,3 Millionen Euro. Für den Verein aus dem unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld mit seinen 500 Mitgliedern eine Zäsur: "Die alte Kegelbahn dürfte um die 30, 35 Jahre alt gewesen sein. Das Sportheim ist gebaut worden, als ich zur Welt kam, also 1962/63", erinnert sich Vereins-Geschäftsführer Dietmar Werner.

"Seitdem ist immer mal wieder ein bisschen angebaut worden – es war kein einheitliches Bauwerk. Und energetisch natürlich auch ein Fiasko."

Einsparungen durch geringeren Energieverbrauch

Lange Jahre seien fast alle Mitgliedsbeiträge in die Energiekosten geflossen. Künftig hat der TSV Hollstadt ein Vereinsheim mit KfW55-Standard. Es verbraucht also nur 55 Prozent so viel Energie wie bei einem vergleichbaren Neubau zulässig wäre. 

"Im Grunde haben wir es auf den Kopf gestellt. Waren wir früher ein Verein, der extrem hohe Energiekosten hatte und Energieaufwendungen, sind wir jetzt ein Verein, der keine fossilen Brennstoffe mehr benötigt. Wir haben das abgedeckt durch eine Photovoltaikanlage, die eine Wärmepumpe speist. Und nach den Planungen wird auch noch ein bisschen was überbleiben von der Photovoltaik. Also dass wir dann noch einen Zugewinn für den Verein haben, zumindest in den Sommermonaten."

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Dass die Fußballer, Läufer und Kegler im TSV Hollstadt in wenigen Wochen eine neue Sportstätte haben, ist nicht selbstverständlich. Denn vor drei Jahren war die Bau-Idee eigentlich schon geplatzt: Zu teuer, trotz staatlicher Förderzusage. Doch dann wurde in Bayern ein neues Sonderförderprogramm für den Bau vereinseigener Sportstätten in strukturschwachen Regionen aufgelegt.

"Als wir dann 2018 erfahren haben, es gibt was Neues für Gegenden, die finanziell ein bisschen schwächer aufgestellt sind, und dazu gehören wir, haben wir neue Hoffnung geschöpft. Und auch schnell wieder Fahrt aufgenommen, um das Projekt umzusetzen."

Sonderprogramm fördert bis zu 55 Prozent der Baukosten

Bis zu 55 Prozent der Baukosten können jetzt gefördert werden im Sonderprogramm. Offenbar ein großer Anreiz, sagt Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landessportverbandes, kurz BLSV. Gegenüber dem Jahr 2018 gab es mehr als doppelt so viele Förderanträge im Bereich Sportstättenbau.

"Das geht weit über die Nothilfe hinaus. Einer der Erfolgsfaktoren im Sportverein ist ja die Sportstätte. Wenn die Heizungen funktionieren, die Duschen funktionieren, die Umkleideräume und die Sportstätten selber in gutem Zustand sind, das animiert dann auch die Menschen deutlich, in den Sportvereinen ihre Heimat zu suchen."

Die bayerische Sonderförderung für Sportanlagen der Vereine sei bundesweit einmalig, heißt es beim Verband. Dafür stehen im bayerischen Haushalt zehn Millionen Euro jährlich bereit, und nochmal so viel im regulären Förderprogramm. Trotz der finanziellen Unwägbarkeiten durch Corona haben im Jahr 2020 mehr als 1.000 Vereine Bauanträge gestellt. Meist handelt es sich um kleinere Projekte, die zwischen 100.000 und 200.000 Euro kosten: Neue Hallendächer, neue Fenster – und besonders häufig neue Heizungen, sagt BLSV-Präsident Ammon: "Wir erleben’s ja – das Mega-Thema Klimaschutz: Jetzt zum 01.01.2021 ist ja diese CO2-Abgabe eingeführt worden mit 25 Euro pro Tonne. Das heißt, die Heizungen der Vereine sind dann auch in einer finanziellen Auswirkung. Je bessere, je effizientere Heizsysteme dort im Einsatz sind, desto kostenschonender." 

Investition für die nächste Generation

Dazu kommt die Umrüstung alter Flutlichtmasten auf LED-Leuchten. Solche energiesparenden Umbauten an Sportstätten fördert auch der Bund. Aber bei der Kombination aus Bundes- und Landesförderung hakt es, gibt Jörg Ammon zu. "Gerade am Anfang war’s mit der energetischen Sanierung nicht ganz so einfach. Das bedarf dann immer entsprechender Absprachen, um dort auch vorwärts zu kommen. Die Hürden versuchen wir zu schleifen."

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Ende 2019 hatte Innen- und Sportminister Horst Seehofer einen neuen sogenannten "Goldenen Plan" des Bundes für den Sportstättenbau angekündigt. Fachleute sagen, bislang sei dabei vieles noch unklar. Immerhin stellt der Bund nun 640 Millionen Euro für vier Jahre bereit, um den Bau kommunaler Sportanlagen zu fördern. Frage an BLSV-Präsident Ammon: Wird der "Goldene Plan" zu zögerlich umgesetzt?

"Ich glaube, wenn man mal wuchtig einsteigt, dann kann das nicht schaden. Man muss manches einfach mal ausprobieren, die Rahmenbedingungen setzen und dann die Menschen vor Ort, in dem Fall die Sportvereinsverantwortlichen, machen lassen."

Im bayerischen Sonderförderprogramm gehe es dagegen schnell, so die Erfahrung von Dietmar Werner vom unterfränkischen TSV Hollstadt. Ihr Antrag wurde nach drei Monaten genehmigt. Und nach knapp einem Jahr Bauzeit soll das neue Sportheim im Februar fertig werden – mit dem Einsatz regionaler Handwerksbetriebe und der Mithilfe vieler ehrenamtlicher Mitglieder. Dass die Idee aber Wirklichkeit wurde, lag vor allem am Sonderzuschuss, sagt der Geschäftsführer: "Wir hätten so ein Sportheim oder solche Sportanlagen nicht hinstellen können. Wir hätten wieder improvisiert und Flickschusterei betrieben. Und jetzt konnten wir sagen, wir machen mal einen Standard, wo diese und die nächste Generation wirklich gut mit leben kann." 

Anderen Vereinen rät Werner, Mut zu einer langfristigen Strategie zu haben – und die Förderung zu beantragen. Das bayerische Sonderprogramm für Sportanlagen soll trotz Corona auch in diesem Jahr – so sieht es der Haushaltsentwurf vor – im gleichen Umfang weitergehen.

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