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StartseiteKalenderblattBazillen in Reinkultur27.05.2010

Bazillen in Reinkultur

Zum 100. Todestag des Bakteriologen Robert Koch

Dass Krankheiten von Bakterien ausgelöst werden können, erscheint uns heute vollkommen selbstverständlich. Ende des 19. Jahrhunderts musste man sich an diesen Gedanken erst noch gewöhnen. Viele Ärzte konnten sich einfach nicht vorstellen, dass sogar Krankheiten wie die Tuberkulose, die damals so viele Menschenleben forderte, durch Kleinstlebewesen ausgelöst werden könnten. Robert Koch hat den Tuberkelbazillus sichtbar gemacht. Mit seiner Isolierung des "Mycobacterium tuberculosis" begründete er die moderne Lehre von den Infektionskrankheiten - einer der markantesten Einschnitte in die jüngere Geschichte der Medizin. Heute vor 100 Jahren starb Robert Koch 66-jährig in Baden-Baden.

Von Irene Meichsner

Robert-Koch-Büste in Berlin (AP Archiv)
Robert-Koch-Büste in Berlin (AP Archiv)

"Meine Herren - das Wesen der Tuberkulose zu ergründen, ist schon wiederholt versucht worden. Ich werde Ihnen beweisen, dass die Tuberkulose eine parasitische Krankheit ist. Der von mir entdeckte Erreger, den ich den Tuberkelbazillus nenne, ist die Ursache. In Zukunft wird man es also im Kampf gegen diese schreckliche Plage des Menschengeschlechts nicht mehr mit einem undefinierbaren 'Etwas' zu tun haben, sondern mit einem fassbaren Parasiten, dessen Lebensbedingungen bekannt sind."

Im März 1882 berichtete Robert Koch - hier gespielt von Emil Jannings in einem Film aus dem Jahre 1939 - der Berliner Physiologischen Gesellschaft von seinem bislang größten Erfolg. Er hatte den Auslöser der sogenannten Schwindsucht gefunden, an der im Deutschen Reich jedes Jahr rund 88.000 Menschen starben.

"Sie sehen das mikroskopische Bild eines durch Tuberkulose zerstörten Lungengewebes. Durch Färbung mit Methylenblau und braunem Vesuvium ist es mir gelungen, den Erreger sichtbar zu machen. Die deutlich erkennbaren blauen Stäbchen sind die Tuberkelbazillen: die Erreger der Krankheit."

Dass Krankheiten von Mikroorganismen ausgelöst werden können, war damals eine völlig neue Erkenntnis. Robert Koch, der 1843 in Clausthal im Oberharz als Sohn eines Bergamtsleiters geboren wurde, war ihr während seines Studiums vor allem in den Vorlesungen des Göttinger Anatomen Jakob Henle begegnet, einem der Pioniere der Bakteriologie. Als Landarzt in Wollstein bei Posen fand Koch im Blut von Tieren 1876 zunächst den Milzbrand-Erreger. Er züchtete Reinkulturen der Bazillen und impfte damit Versuchstiere, die daraufhin ebenfalls Milzbrandsymptome zeigten - für Koch der Beweis, dass es sich tatsächlich um eine "Infektionskrankheit" handelte.

"Die einfache Tatsache, dass 24 Stunden nach der Impfung mit dem kleinsten Tröpfchen Milzbrandblut der Tod eintritt und fast sämtliche Kapillaren mit einer erstaunlichen Menge derselben Bazillen gefüllt sind, ist doch so einfach, dass sie eigentlich gar keines Kommentars weiter bedarf."

1880 wurde Koch ans Kaiserliche Gesundheitsamt berufen. Nach der spektakulären Entdeckung des Tuberkelbazillus stieg er zum "Kaiserlichen Geheimen Regierungsrat" auf. 1884 gelang ihm der Nachweis des Choleraerregers, ein Jahr später wurde er Professor an der Berliner Universität, im Herbst 1890 präsentiert er schließlich das "Tuberkulin", ein Mittel, das die Tuberkulose angeblich heilen konnte. Doch hier irrte der große Mediziner. Noch während er sich mit der Reichsregierung um den Reinerlös stritt, den er auf jährlich rund 4,5 Millionen Mark schätzte und für sich persönlich einforderte, machten sich die ersten Zweifel am "Koch'schen Heilmittel" breit. Schließlich musste Koch das Geheimrezept offenbaren. Es handelte sich um einen Extrakt aus Reinkulturen des Tuberkulose-Erregers, der den Zustand mancher Kranken sogar noch verschlimmerte. Das Debakel wurde unter den Teppich gekehrt. Fast auf Knien bedankte sich Koch dafür bei Friedrich Althoff, dem zuständigen Referenten im Kultusministerium.

"Sie haben mir einen Stein vom Herzen genommen, denn andernfalls wäre mir nichts übrig geblieben, als um meinen Abschied zu bitten."

1891 bezog Koch das eigens für ihn geschaffene "Königlich Preußische Institut für Infektionskrankheiten", das später in "Robert Koch-Institut" umbenannt wurde. Auf Forschungsreisen in die Tropen untersuchte er noch Pest, Malaria, Schlafkrankheit und Rinderpest. 1905 bekam er den Medizinnobelpreis. Als Robert Koch am 27. Mai 1910 in Baden-Baden starb, sahen die Ärzte der Zukunft zuversichtlich entgegen. Nachdem sich für Krankheiten wie die Schwindsucht eine "notwendige Ursache" gefunden hatte, glaubte man, sie mit einfachen Mitteln besiegen zu können. Diese Hoffnung hat getrogen. Es tauchten immer wieder neue Erreger auf. Bekannte Erreger, wie auch der Tuberkelbazillus, wurden gegen Medikamente resistent. Auch die sozialen Begleitumstände, die eine Ansteckung befördern, wurden massiv unterschätzt. Mit der Folge, dass Infektionskrankheiten immer noch zu den häufigsten Todesursachen zählen.

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