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StartseiteVerbrauchertippWann lohnt sich der bürokratische Aufwand?20.03.2019

Beantragen von WohngeldWann lohnt sich der bürokratische Aufwand?

Mietvertrag, Kontoauszüge, Einkommensnachweise - Um Wohngeld zu bekommen, müssen Antragstellende viele Unterlagen einreichen. Die komplizierten Formulierungen und die monatelangen Bearbeitungszeiten schrecken viele dabei ab. Am Ende hängt die Höhe des Zuschusses aber nicht nur vom eigenen Antrag ab.

Von Panajotis Gavrilis

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Geldscheine, Münzen und ein kugelschreiber liegen auf einem Antrag auf Wohngeld (imago / imageBROKER / Christian Ohde)
2017 lag der durchschnittliche Wohngeldanspruch bei knapp 150 Euro im Monat (imago / imageBROKER / Christian Ohde)
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Anspruch auf Wohngeld haben Mieterinnen und Mieter, aber auch Eigentümer, die in ihren eigenen vier Wänden wohnen. Dabei gilt: Ohne Antrag, kein Wohngeld, sagt Stefan Hupe. Er leitet die Wohngeldstelle des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.

"Zu beachten ist auf alle Fälle, dass der Antrag vollständig ausgefüllt wird. Das heißt: Es müssen Angaben gemacht werden zur Wohnung, zur Höhe der Miete, zu den Personen, die gemeinsam mit dem Antragssteller diese Wohnung bewohnen und mit ihm auch eine Haushaltsgemeinschaft bilden."

Wohngemeinschaften gelten hierbei nicht als gemeinsamer Haushalt. Wer zudem eine Sozialleistung, z.B. Arbeitslosengeld II bezieht, bekommt kein Wohngeld, da Wohnkosten bereits darüber abgedeckt sind. Das gilt auch für Studierende, die bereits BAföG beziehen oder geförderte Auszubildende. Sie haben bis auf wenige Ausnahmen keinen Anspruch.

Wichtig ist: Beim Wohngeldantrag selbst muss man die Brutto-Kaltmiete angeben. Also die Grundmiete plus Betriebskosten, die z.B. für die Müllabfuhr fällig werden. Das heißt: Heizkosten, Warmwasser und die anfallenden Stromkosten werden nicht berücksichtigt.

Antrag muss nach einem Jahr erneuert werden

Um Wohngeld überhaupt zu bekommen, müssen die Antragstellenden viele Unterlagen bei ihrer Wohngeldstelle einreichen: Einkommensnachweise aller Haushaltsmitglieder, Rentenbescheide, Gewinn- und Verlustrechnung bei Selbständigen und, fügt Rita Kampe, Sozialarbeiterin bei der Berliner Caritas, hinzu:

"Den Personalausweis und wenn man keinen Personalausweis hat, dann einen Pass mit der Meldebescheinigung. Und zwar, eine Meldebescheinigung, wo alle Bewohner dieses Haushalts draufstehen. Dann braucht man den Mietvertrag, einen Nachweis, dass man die Miete in den letzten drei Monaten bezahlt hat - macht man am besten mit Kontoauszügen."

Auch Mieterhöhungen, zum Beispiel nach einer Modernisierung, müssen belegt werden. Einmal bewilligt, wird Wohngeld in der Regel über ein ganzes Jahr gezahlt. Danach muss der Antrag allerdings erneuert werden - mit aktuellen Einkommensnachweisen.

Durchschnittlich knapp 150 Euro im Monat

Die monatelangen Bearbeitungszeiten, die komplizierten Formulierungen - einfach der bürokratische Antragsmarathon schrecken viele ab, sagt Sozialberaterin Kampe.

"Es stellt die Menschen schon vor Herausforderungen. Und man weiß ja auch nie: Lohnt es sich dann wirklich, der Aufwand? Also ich mach den Menschen, die zu mir kommen, immer Mut und sage: Selbst wenn es nur zehn Euro im Monat sind, es sind zehn Euro und sie stehen Ihnen zu."

Grundsätzlich gilt: Je mehr Personen zum Haushalt gehören, desto mehr Geld gibt es. Heißt: Eine vierköpfige Familie bekommt mehr als ein Zwei-Personen-Haushalt.

2017 lag der durchschnittliche Wohngeldanspruch bei knapp 150 Euro im Monat. Wie viel am Ende auf dem Konto landet, hängt aber auch davon ab, wo jemand wohnt, sagt Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins.

"Es soll Mieter befähigen, auch Mietsteigerungen tatsächlich abzufangen durch eine Unterstützung des Staates. Es ist tatsächlich nur ein Zuschuss, der gewährt wird und es ist auch abhängig von der Gemeinde, in der ich wohne. Denn die Form und die Höhe der Zuschüsse sind abhängig auch davon, wie das durchschnittliche Mietniveau in einer Gemeinde ist."

"Wohngeldrechner" im Internet

Ein Beispiel: München, Single-Haushalt, Gesamteinkommen 800 Euro, Mietkosten 500 Euro. Am Ende gäbe es fast 150 Euro Miet-Zuschuss. In Berlin wären das bei vergleichbarer Situation knapp 40 Euro weniger.

Wer bereits jetzt vorab wissen möchte, ob er oder sie überhaupt anspruchsberechtigt ist, kann das in wenigen Minuten mit einem sogenannten "Wohngeldrechner" im Internet machen – z.B. auf den Seiten der zuständigen kommunalen Behörde oder auf der Website des Bundesbauministeriums.

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