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StartseiteUmwelt und VerbraucherBedenken gegen die EU-Zuckermarktordnung08.09.2005

Bedenken gegen die EU-Zuckermarktordnung

Unternehmertagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft

Die Weltagrarmärkte sind im Umbruch und deshalb müssen sich die landwirtschaftlichen Betriebe anpassen, um weiter erfolgreich zu sein. Unter diesem Motto finden in Magdeburg derzeit die Unternehmertage der DLG statt, der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Frage dabei: Können die Zuckerrübenanbauer in Deutschland auch nach einer Reform erfolgreich arbeiten oder müssen sie dieses Feld den so genannten Zuckerbaronen in Brasilien überlassen?

Von Verena Kemna

Zuckerrübenernte (AP)
Zuckerrübenernte (AP)
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Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft

Noch ist der Zuckerpreis in der EU etwa dreimal so hoch wie der Preis auf dem Weltmarkt. Nach den Vorschlägen der EU-Kommission soll die Zuckermarktordnung, die noch bis zum 1. Juli 2006 gilt, reformiert werden. Schon im November könnten die neuen Vorschläge auf dem Tisch liegen. Die Zuckerrübenbauern müssen sich auf radikale Preissenkungen einstellen. Mit welchen Strategien erfolgreich sein ? Eine der großen Fragen, die bei den DLG-Unternehmertagen in Magdeburg diskutiert werden. Wolfgang Beer ist Landwirt im Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt. Seine Antwort auf die anstehende Reform der Zuckermarktordnung ist Kooperation.

"Es wird Rübenanbauer geben, die nicht mehr produzieren können und es wird Rübenanbauer geben, die von anderen Betrieben dazupachten werden, um größere Strukturen, um größere wirtschaftliche Maschinen beim Rübenanbau zu realisieren. Das sind die Fragen, die dann jeder im Betrieb für sich zu analysieren hat. "

Er ist Vorstandsvorsitzender der Gerbstedter Agrargenossenschaft, die den Rübenanbau gemeinsam mit zwei Nachbarbetrieben ausbauen will. In Kooperation wollen die Landwirte in eine neue Maschine zum roden der Zuckerrüben investieren. Wolfgang Beer weiß, dass die einheimischen Rübenanbauer nur bestehen können, wenn sie ihre Betriebsstrukturen noch effizienter gestalten, wenn die Rübenernte noch höhere Erträge bringt.

"Das sind Flächenstrukturen beim Rübenanbau genauestens zu analysieren, das sind Verbesserungen beim Rübentransport. Das sind auch Fragen der gesamten Rübentechnologie, die man bei der Fruchtfolge bestens einordnen sollte."

Andreas Windt ist bei der Nordzucker AG in Niedersachsen für das Management der braunen Rüben verantwortlich. Auch in Sachsen-Anhalt steht eine hochmoderne Zuckerfabrik. Die Landwirte müssen sich auf Preissenkungen von etwa 43 Prozent einstellen. In der Zuckerindustrie werden die Preise um etwa 40 Prozent sinken.

"Einer der größten Kostenblöcke ist die vergleichsweise kurze Arbeitszeit. Wir haben bei einer diesjährigen Kampagneplanung von 100 Tagen immer noch 250 Tage Stillstand. Wenn wir es schaffen würden, die Kampagne deutlich zu verlängern, würde dies zu einer Senkung der Festkosten führen."

Die Zucht einer schoßfesten Winterrübe ist eine Herausforderung an die Pflanzenzüchter. Eine Rübe, die auch mal einen Frost aushält, die im Herbst gesät werden kann. Eine solche Rübe mit einer längeren Vegetationsperiode würde die Dauer der so genannten Kampagne deutlich verlängern. Die Rübe, die den heimischen Anbau wettbewerbsfähig machen soll, muss vor allem lagerstabil sein, sagt Rübenmanager Andreas Windt.

"Wir wissen von unseren Nachbarn in Großbritannien, dass sie die Kampagne bis weit in den Februar hinein fahren mit Kampagnelängen von über 120 Tagen. Wir wissen, dass sie von der Kostenstruktur her deutlich günstiger sind, eben wegen der Kampagnenlänge. "

In Brasilien wird Zuckerrohr in gigantischen Betrieben, auf höchstem produktionstechnischen Niveau gleich zweimal pro Jahr geerntet. Im Jahr 2015 soll die neue Zuckermarktordnung auslaufen.

"Wir hätten dann keinerlei Außenschutz mehr und wir hier in Sachsen-Anhalt in Niedersachsen und in Deutschland müssten dann zu Weltmarktbedingungen produzieren und müssen uns mit der Konkurrenz aus Brasilien messen lassen. Spätestens dann brauchen wir so leistungsstarke Sorten mit denen wir auf dem Weltmarkt bestehen können. Das ist eine große Herausforderung , der wir uns stellen werden. "

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