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StartseiteForschung aktuellEmulgatoren stören die Darmflora26.02.2015

Bedenkliche LebensmittelzusätzeEmulgatoren stören die Darmflora

Damit Speiseeis nicht sofort schmilzt, werden bei der Herstellung Emulgatoren zugesetzt. Sie finden sich aber auch in Schokolade, Margarine oder Brot. US-Forscher haben nun Mäusen ein besonderes Futter zu fressen gegeben, das zwei Emulgatoren enthielt, um zu untersuchen, wie sich ihre Darmflora dadurch verändert - mit überraschenden Ergebnissen.

Von Jochen Steiner

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Wer die Zutatenliste seiner Lieblingsschokolade einmal genau studiert, der wird vermutlich auf das Wort Sojalecithin stoßen. Das ist ein Emulgator, der dafür sorgt, dass die Schokolade ihre gewünschte Konsistenz erhält. Die Lebensmittelindustrie setzt Emulgatoren immer dann ein, wenn Zutaten fein miteinander vermengt und die Produkte haltbar gemacht werden sollen.

"Emulgatoren sind Hilfsstoffe, die den meisten verarbeiteten Lebensmitteln zugesetzt sind. In Saucen, Salatdressings und vielen Backwaren sind sie enthalten. Eigentlich in allen Produkten, die im Supermarkt lange haltbar sind, wenn man sie selbst herstellt aber nur ein oder zwei Tage frisch bleiben. Vor allem tiefgekühlte Desserts wie Eiscreme oder Sorbets enthalten besonders viel Emulgatoren."

Andrew Gewirtz ist Immunologe an der Georgia State University in Atlanta. Er erforscht die Ursachen für chronisch entzündliche Darmerkrankungen und für das metabolische Syndrom, das durch Fettleibigkeit und Bluthochdruck gekennzeichnet ist und neben dem Rauchen entscheidend dazu beitragen kann, dass sich Blutgefäße verengen oder verschließen. Manche Menschen sind aufgrund ihrer Gene für eine solche Erkrankung anfälliger, aber das könne nicht den starken Anstieg dieser Krankheiten in den letzten Jahren erklären, so Andrew Gewirtz. Er suchte fortan nach Ursachen, die nichts mit dem Erbgut zu tun haben. Bekannt ist, dass die Darmflora bei diesen Krankheiten gestört ist.

Der Immunologe und seine Kollegen stellten sich die Frage, ob dabei nicht die Lebensmittel, die die Menschen tagtäglich essen, eine Rolle spielen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie legt den Schluss nahe, dass Emulgatoren die Darmflora stören und zur Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen beitragen können.

"Diese Hypothese wollten wir am Maus-Modell überprüfen. Aber nicht nur für chronisch entzündliche Darmerkrankungen, sondern auch für das metabolische Syndrom."

Die Forscher fütterten Labormäuse bis zu 12 Wochen mit spezieller Nahrung. Sie enthielt zwei in der Lebensmittelindustrie häufig verwendete Emulgatoren: Carboxymethylcellulose und Polysorbat 80. Diese Verbindungen machten maximal ein Prozent der Futtermasse aus. Unter den Versuchstieren waren einerseits normale Mäuse und andererseits solche, die eine Veranlagung für eine chronische Dickdarmentzündung hatten. Während der Studie notierten die Wissenschaftler regelmäßig die Menge des gefressenen Futters, die Glucosekonzentration im Blut und das Körpergewicht. Zum Ende der Versuche bestimmten sie, wie viel Fettmasse die Mäuse zugelegt hatten und wie es um die Entzündungsfaktoren bestellt war.

"Was wir herausgefunden haben ist, dass diese Emulgatoren Darmentzündungen begünstigen.

Bei den normalen Mäusen führte das dazu, dass sie etwas mehr gefressen haben, sie legten an Gewicht zu in Form von Fettgewebe. Die Darmflora veränderte sich, Entzündungen wurden dadurch wahrscheinlicher."

Auch die Glucosekonzentration im Blut war erhöht. Anzeichen, die für ein metabolisches Syndrom sprechen, so Gewirtz. Bei den Mäusen, die eine Veranlagung für eine chronische Dickdarmentzündung hatten, erkrankten nach den Versuchen 60 Prozent daran. Wurden sie mit normaler Nahrung gefüttert, waren es nur 10 Prozent.

Bei Lebensmitteln für den Menschen ist für das Verdickungsmittel Carboxymethylcellulose in der EU kein Grenzwert festgelegt. Für Polysorbat 80 gilt ein Grenzwert von fünf Gramm pro Kilogramm Produkt.

Bei Mäusen scheinen Emulgatoren die Entstehung von Darmentzündungen und folglich von Übergewicht zu begünstigen. Mit verallgemeinernden Aussagen ist Andrew Gewirtz jedoch noch vorsichtig: Er will erst weitere Emulgatoren testen, irgendwann auch am Menschen. Der Immunologe geht von ähnlichen Ergebnissen aus wie bei den Mausversuchen. Doch er betont:

"Der Anstieg der Fettleibigkeit ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Menschen zu viel essen. Das stellen wir nicht infrage. Was wir sagen ist: Es könnte biochemische Gründe geben, warum sie zu viel essen. In unserem Körper gibt es Botenstoffe, die dafür sorgen, dass wir zu essen aufhören, wenn wir satt sind. Die Emulgatoren könnten diese Botenstoffe blockieren und eine Fettleibigkeit entsteht."

Die bisherigen Zulassungsverfahren für Zusatzstoffe hätten Krankheiten wie chronische Darmentzündungen und das metabolische Syndrom nicht auf dem Schirm, so Andrew Gewirtz. Gut möglich, dass noch weitere Zusatzstoffe in Lebensmitteln diese Krankheiten begünstigen könnten. Er ist jedenfalls vorsichtiger geworden.

"Meine Frau erledigt die ganzen Einkäufe. Und sie hat sich nie im Detail für meine Forschung interessiert. Bis zu dieser Studie. Sie hat jetzt ihr Einkaufsverhalten geändert. Wir haben lange gesucht bis wir eine Eiscreme-Marke gefunden haben, die keine Emulgatoren enthält. Wir kaufen jetzt viel weniger Fertigprodukte und versuchen so gut es geht, Emulgatoren und andere Zusatzstoffe, die bislang unzureichend getestet sind, zu vermeiden."

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