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StartseiteHintergrundBedrohung statt Geborgenheit10.07.2013

Bedrohung statt Geborgenheit

Zahl der Wohnungseinbrüche nimmt dramatisch zu

Nur jeder siebte Wohnungseinbruch wird bundesweit aufgeklärt, und ständig werden es mehr. In Berlin hat sich die Einbruchszahl seit 2005 verdoppelt. Zunehmend schlagen hoch professionelle Banden aus Südosteuropa zu. Zurzeit fehlen nicht nur Polizisten auf der Straße, sondern auch Kriminaltechniker für die Spurenauswertung.

Von Barbara Schmidt-Mattern und Claudia van Laak

Mit Schlössern an Fenstergriffen können sich Einwohner besser vor Einbrüchen schützen, doch diese zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen sind teuer.   (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman)
Mit Schlössern an Fenstergriffen können sich Einwohner besser vor Einbrüchen schützen, doch diese zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen sind teuer. (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman)
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Himmelblaues Kurzarmhemd, Brille, graue Haare – Manfred Guth, 59 Jahre alt, öffnet die Haustür erst nach ein paar gefühlten Minuten – Hündin Sina muss beruhigt werden…

"Die bewacht ihr Reich. Das ist ein gutes Hilfsmittel, was man empfehlen kann, um ein Heim zu sichern. Kommse rein!"

Es geht durch den kleinen Flur nach drinnen Richtung Wintergarten. Manfred Guth wohnt mit seiner Frau in einer Doppelhaushälfte aus rotem Backstein. Eine gutbürgerliche, aber doch bescheidene Wohngegend in Wuppertal-Barmen. Hier wurde bei den Guths vor ein paar Jahren eingebrochen.

"Bleibst Du da?! Auf die Decke! Siiiina, zurück!"

Mit dem Hund – ein gut vierzig Kilogramm schwerer Labrador-Mischling – fühlt sich das Rentnerehepaar heute wesentlich sicherer. Sina wurde erst nach dem Einbruch neues Familienmitglied.

Die Täter, die niemals geschnappt wurden, stiegen durch das Fenster zum Arbeitszimmer ein. Manfred Guth nimmt den Schlüssel, geht nach draußen und balanciert über das Blumenbeet im Vorgarten, direkt vor dem Fenster:

"Also von hier vorne ist ganz offensichtlich mit einem dicken Stein die Scheibe eingeschlagen worden, denn der Stein lag noch auf dem Fußboden."

Die Guths können sich noch gut an den Schreck beim nach Hause kommen erinnern:

"Ja, Herzklopfen. Erst mal das Gefühl, mein Gott, was ist passiert? Wir kannten das ja nicht. Und der erste Schritt war, dass wir durchs Haus gelaufen sind, um zu gucken, wie groß der Schaden ist."

Bargeld, eine Taschenuhr – ein wertvolles Erbstück – und Schmuck ließen die Täter mitgehen. Für die Guths ein Verlust von mehreren Tausend Euro. Dazu die Angst, dass die Einbrecher wiederkommen könnten, denn der zweite Haustürschlüssel war auch weg.

"Ich hab mich selber ertappt, dass ich abends, wenn es dunkel wurde, mich hinterm Vorhang versteckt hab, und hab draußen die Straße beobachtet. Ob da jemand vielleicht das Haus beobachtet oder nachts einsteigen will. Das heißt, wir haben zumindest die ersten Wochen sehr unruhig geschlafen."

"Wir dürfen die Opfer von Straftaten nicht allein lassen. Die Opfer sind auch mehr als einfach nur ein Beweismittel, ein Zeuge im Prozess. Sondern sie stehen mit ganz besonderen Bedürfnissen in einem Verfahren da."

Sagt Thomas Kutschaty, Justizminister in Nordrhein-Westfalen. In einer Kooperationsvereinbarung mit dem Hilfsverein Weißer Ring hat der SPD-Politiker gerade mehr Unterstützung für die Opfer von Straftaten vor Gericht beschlossen, sowie verbesserte Informationen zum Täter-Opfer-Ausgleich. Die Initiative der Landesregierung scheint begründet: NRW steht an der Spitze der aktuellen polizeilichen Kriminalstatistiken, die Bund und Länder alljährlich erheben.

In NRW stieg 2012 die Zahl der Wohnungseinbrüche im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent, bundesweit um 8,7 Prozent. Wolfgang Gatzke, Direktor des Landeskriminalamts in Düsseldorf, hat eine plausible Erklärung für die hohe Quote. NRW sei eben das bevölkerungsreichste Bundesland mit vielen Ballungsgebieten. Und die EU-Erweiterung macht sich bemerkbar, beobachtet der LKA-Direktor Gatzke: Nicht nur Arbeitnehmer, Studenten und Armutsmigranten würden die offenen Grenzen jetzt nutzen, sondern eben auch kriminelle Banden:

"Richtig ist, dass natürlich mit den Personen, die aus den neu in die EU aufgenommenen Ländern hier auch nach Deutschland gekommen sind, auch Straftäter mit dabei sind."

Die Ermittler sprechen von so genannten mobilen Tätergruppen: Meist junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren, die professionell vorgehen, ihre "Einsatzorte" oft wechseln und bevorzugt Wohngebiete in Autobahnnähe auswählen, um schnell flüchten zu können. Das gilt nach Angaben der Behörden genauso auch für deutschstämmige Täter:

"Wir haben in der überwiegenden Anzahl nach wie vor natürlich mit deutschen Tatverdächtigen zu tun. Das besondere Problem sind in der Tat auch in der Ermittlung und Aufklärung von Straftaten die überregional Tätigen, die heute hier und morgen woanders und dann im nächsten Monat beispielsweise schon im nächsten Nachbarland tätig sind."

In NRW wurde im vergangenen Jahr nur jeder siebte Einbruch aufgeklärt. Polizei und Kommunen versuchen deshalb gegenzusteuern. Es gibt Aktionen in der Fußgängerzone mit Tipps für Fensterschlösser oder Querriegel für die Wohnungstür, dazu Kampagnen und Broschüren. Nordrhein-Westfalens Polizei hat allein sechzig Ermittlungskommissionen eingerichtet, die sich ausschließlich um Einbrüche kümmern.

Ein Problem sind die Dunkelziffern – die gelten bei den Wohnungseinbrüchen ebenso wie bei anderen Delikten. Walter Krämer ist Professor für Statistik an der Universität Dortmund. Er kritisiert, dass nicht gemeldete Straftaten in den Auflistungen von Bund und Ländern fehlen. Vor allem aber stellt der Fachmann die Schlussfolgerungen aus der Kriminalstatistik grundsätzlich infrage: Dass Frankfurt, Düsseldorf und Köln die gefährlichsten Städte in Deutschland sein sollen, hält der Zahlenexperte für Unsinn. Gerade in Großstädten müsse man doch die hohe Zahl von Pendlern, Geschäftsreisenden und Touristen mitberechnen:

"Jeder Mensch, der in Düsseldorf sein Auto auf dem Flughafen abstellt, und da wird eingebrochen… dann ist das eine Straftat, die der Stadt Düsseldorf zugerechnet wird. Und das ist aus meiner Sicht eigentlich nur als Humbug zu bezeichnen. In München zum Beispiel gehört der Flughafen nicht zu München, sondern zu Erding, und dann kommt München erheblich besser weg."

Die in einigen Medien verbreitete Schlagzeile, dass Frankfurt am Main die "deutsche Hauptstadt des Verbrechens" sei, hat Walter Krämer kürzlich sogar zur "Unstatistik des Monats" erklärt.

Für die Opferschutz-Organisation Weißer Ring, die sich aus Spenden finanziert, sind solche Berechnungen nicht entscheidend. Manfred Guth, der selbst Opfer eines Einbruches wurde, berät und unterstützt in Wuppertal inzwischen andere, denen Ähnliches widerfahren ist. Guth und seine Organisation wünschen sich mehr Unterstützung – auch von der Landesregierung. Zum Beispiel einen stärkeren finanziellen Ausgleich für die Opfer jeglicher Form von Kriminalität, wenn es zu Gerichtsprozessen kommt. Doch NRW-Justizminister Kutschaty hat Bedenken:

"Es ist ganz wichtig, dass bei den Bußgeldern, den Geldauflagen, die verhängt werden, die Richter entscheiden können, gemeinsam mit den weiteren Verfahrensbeteiligten, wie denn die Gelder zu zahlen sind, an wen zu zahlen sind. Da ist es auch immer ganz wichtig, einen Bezug zwischen Tat und Sühne herzustellen zu können. Das ist aber etwas, was ausschließlich im Bereich der Gerichte liegt, und wo wir keinen Einfluss nehmen wollen und können."

"Hallo, guten Tag, von Strünk ist mein Name vom Landeskriminalamt. Ich grüße Sie ganz herzlich. Wir haben den Termin vereinbart."

Ortswechsel: Berlin Schöneberg. In der Hauptstadt ist die Polizei auch regelmäßig auf Hausbesuch. Der Kriminalhauptkommissar Georg von Strünck berät hier kostenfrei Mieter und Eigentümer in puncto Einbruchsschutz. Seine Dienste sind derzeit gefragt: Während in NRW die Zahl der Wohnungseinbrüche von 2011 auf 2012 um 7,5 Prozent stieg, ist sie in der Hauptstadt um fast 12 Prozent angewachsen.

"Also das ist eine klassische Parterrewohnung, von daher wäre ich mal neugierig, was Sie als Sicherheitsexperte sagen. Okay, das machen wir so, wir gehen rum, wir gucken uns die einzelnen Türen an und Fenster, und ich geb' Ihnen dann Hinweise, wo die Sicherheitsprobleme auch sind."

Der Wohnungseigentümer, der lieber anonym bleiben will, hat den Präventionsberater vom Landeskriminalamt um einen Besuch gebeten, weil erst vor wenigen Wochen in der benachbarten Kneipe eingebrochen wurde. Die Täter hatten leichtes Spiel, stiegen einfach über den Keller ein.

"Man sagt, so drei bis fünf Minuten versuchen Einbrecher reinzukommen, wenn sie es dann nicht schaffen, geben sie eher auf."

Kriminalhauptkommissar von Strünk hat mit einem Blick die größte Gefahr in der Altbauwohnung erkannt. Er geht zur Balkontür, öffnet sie, beugt sich über die Brüstung nach unten.

"Da ist ja sogar noch ein Gitter da drunter, wo man sich schön aufs Gitter als Aufstiegshilfe, zwei Schritte, dann bin ich an der Balkonbrüstung, dann bin ich auch sehr schnell hier drüber, von daher komme ich dann gut auf den Balkon rauf, kann mich hinter die Brüstung ducken, bin nicht mehr zu sehen als Täter, und kann dann in Ruhe hier an dieser Balkontür arbeiten."

Mit einem Schraubenzieher oder einer kleinen Brechstange können die Einbrecher dann die schöne, aber altersschwache Balkontür aufhebeln, in kürzester Zeit sind sie unerkannt in der Wohnung, erläutert der Sicherheitsexperte.

"Unter einer Minute auf jeden Fall, ohne allzu viel Lärm zu machen."

Kriminalhauptkommissar von Strünck wiegt bedenklich den Kopf.

"Die schlagen hier ein Loch rein in Höhe des Fenstergriffs, gehen durch und legen dann den Fenstergriff um, deshalb muss der Fenstergriff auf jeden Fall abschließbar sein."

Der Sicherheitsexperte empfiehlt für die Balkontür und das raumhohe Fenster zum Hof eine längs angebrachte Stahlstange mit Schlössern. Die Eingangstür sollte mit einem Metallblatt stabilisiert, ein neues Schloss und ein Spion eingebaut werden. Die historischen Fenstergriffe brauchen Schlösser. All diese Sicherheitsmaßnahmen dürften mehrere 1000 Euro kosten – diese Ausgabe will und kann sich nicht jeder leisten.

Damit Mieter und Eigentümer mehr Geld in den Einbruchsschutz investieren, schlägt die Gewerkschaft der Polizei GdP vor, diese Ausgaben künftig von der Steuer absetzen zu können. Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der GdP:

"Das ist ja auch das Tragische, das ich als Vertreter einer Polizeiorganisation sagen muss, ihr Bürger müsst euch auch intensiver schützen. Damit sage ich ja auch, wir als Polizei können es nicht so, wie man es vielleicht erwartet."

Gewerkschaftschef Oliver Malchow wundert sich nicht darüber, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen, die Aufklärungsquote deutschlandweit aber leicht gesunken ist. Derzeit wird hierzulande etwa jede zweite Straftat aufgeklärt, allerdings nur jeder siebte Wohnungseinbruch.

"Wir müssen in der Nachbarschaft Zeugen befragen, gibt es irgendwelche Hinweise, wir müssen die bestehenden Taten mit anderen Taten aus früheren Zeiten abgleichen, das ist sehr arbeitsintensiv, da brauchen sie Zeit für, und die müsste den Kolleginnen und Kollegen einfach gegeben werden, sie haben die aber gar nicht."

Die Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruch variiert stark von Bundesland zu Bundesland. Während in Thüringen und Sachsen-Anhalt fast 50 Prozent der Wohnungseinbrüche aufgeklärt werden, sind es in NRW nur rund 14 Prozent. In Berlin und Hamburg ist die Aufklärungsrate sogar noch geringer, nämlich unter 10 Prozent.

Ein Grund dafür sind die veränderten Täterstrukturen: In ländlichen Gegenden sind es meist Ortsansässige, die in fremde Wohnungen eindringen, um Wertgegenstände zu stehlen. In Ballungsräumen wie in NRW, aber auch in anderen Großstädten wie Berlin, agieren zunehmend professionelle Banden aus Südosteuropa. Sie tauchen in der Anonymität unter und hinterlassen kaum Spuren, weiß Michael Giehl, der Leiter der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Berlin-Brandenburg.

"Es gibt eigens für die Begehung der Taten Personen, die aus den entsprechenden Ländern einreisen, hier von sogenannten Residenten entgegengenommen werden, beziehungsweise betreut werden. Ihnen werden in der Regel Fahrzeuge besorgt, Handys zur Verfügung gestellt, Aufenthaltsanschriften werden zur Verfügung gestellt. Der Absatz der Beute wird meistens durch andere Personen übernommen, sodass wir hier von einer gewissen Arbeitsteiligkeit ausgehen können."

Um diese anderen Personen kümmert sich das sogenannte Hehlereikommissariat.

"Wir sind im Bereich der Fahndung nach gestohlenen Gegenständen eigentlich stadtweit in Berlin unterwegs und versuchen halt verdeckt, gestohlene oder betrügerisch erlangte Sachen aufzufinden, sicherzustellen und quasi über den Verkäufer, Käufer des Diebesgutes, an die Täter zu kommen, die den Einbruch begangen haben."

erklärt der Kripobeamter Thorsten F. Neben seinem Schreibtisch hängen die Telefonnummern von Ansprechpartnern bei E-Bay, Microsoft, dem Navigationsgerätehersteller TomTom, Bosch, Sony. Die Beamten im Hehlereikommissariat suchen nicht nur gestohlen gemeldete Gegenstände, sie recherchieren selber im Internet. Schöpfen sie Verdacht, zum Beispiel weil ein elektronisches Gerät weit unter dem normalen Preis angeboten wird, geben sich die Polizisten als mögliche Käufer aus, fahren zum Verkäufer.

"Ja, also pass auf, das Gerät ist gelistet auf die Firma Clean up in Berlin. Ich gehe mal davon aus, das ist nicht seins, es sei denn, sein Bruder arbeitet bei Clean up."

Gerade eben hat sich ein Kollege gemeldet, der einen vermutlich gestohlenen Laubsauger entdeckt hat. Thorsten F. hat inzwischen beim Hersteller recherchiert, wer dessen rechtmäßiger Eigentümer ist.

"Ich würde das Gerät sicherstellen und mal klären, worum es geht. Das Gerät ist gelistet auf eine Firma, die so etwas nicht verkauft, sodass der Verdacht auf Hehlerei besteht."

Thorsten F. vom Hehlereikommissariat geht davon aus, dass ein Großteil der in Berlin gestohlenen Gegenstände schon Stunden nach dem Wohnungseinbruch auf den Schwarzmarkt gelangt. Es sei denn, es handelt sich um Schmuck – der eingeschmolzen wird – oder um Bargeld.

Ziele der hoch professionell und arbeitsteilig agierenden Banden in Berlin sind wohlhabende Altbauquartiere, aber auch nach der Wende neu entstandene Einfamilienhaussiedlungen im Speckgürtel. Gerne - wie auch in Nordrhein-Westfalen - mit eigener Autobahnausfahrt, weiß Michael Giehl, der Leiter der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Berlin-Brandenburg

"Für die Täter ist ja wichtig, dass die auch schnell zu den Tatorten kommen, die nutzen ja die Infrastruktur, die Anbindung an die Orte, sie nutzen den öffentlichen Nahverkehr und die Anbindung der Orte durch die Autobahn, um schnell zu den Tatorten zu kommen und sich schnell von den Tatorten im Falle einer Entdeckung zu entfernen."

Im Speckgürtel und in Berlin ist die Zahl der Einbrüche in Einfamilienhäuser rasant angestiegen, in der Hauptstadt innerhalb eines Jahres um 32 Prozent. Nur 6 von 100 Einbrüchen in Wohnungen und Häuser werden aufgeklärt. Das ist bundesweit die niedrigste Quote. Eine Aufforderung an Einbrecher sei das, in Berlin ihre Taten zu begehen, sagen Kritiker.

Die Zahlen können dem CDU-Innensenator Frank Henkel nicht gefallen. Als christdemokratischer Oppositionsführer kritisierte er jahrelang die Sparpolitik des damals noch rot-roten Senats im Bereich der Polizei. Seit zwei Jahren steht er selber in der Verantwortung und wirkt leicht resigniert.

"Es ist kein Geheimnis, dass ich in der Vergangenheit immer wieder betont habe, dass das, was in den letzten 10 bis 15 Jahren hier in Berlin passiert ist, etwas ist, was nicht ohne Folgen bleiben kann, und die Folgen kann man ablesen an der polizeilichen Kriminalstatistik. Auch ich bin ja nicht in der Lage, den vor mir beschriebenen Ressourcenschwund, den es gab, von heute auf morgen zu verbessern."

Es fehlen nicht nur Polizeibeamte auf der Straße, es fehlen auch Kriminaltechniker zur Spurenauswertung. Mehrere Tausend unbearbeitete DNA-Proben liegen derzeit beim Berliner Landeskriminalamt. Wegen des fehlenden Fachpersonals muss das Labor Prioritäten setzen – DNA-Spuren im Zusammenhang mit Kapitalverbrechen werden als Erste bearbeitet, die nach Wohnungseinbrüchen genommenen DNA-Proben bleiben monatelang unbearbeitet. Dies dürfte ein Grund für die bundesweit niedrigste Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen sein.

"Das ist ein richtig beschriebenes Problem. Die Auswertung von DNA-Spuren ist in einem Zustand, wo es auch dazu kommt, dass die Liegezeit, wie es im Amtsdeutsch heißt, sich durchaus verlängert."

Doch CDU-Innensenator Frank Henkel kann auch auf politische Erfolge verweisen. 250 neue Polizeibeamte wird es in den nächsten Jahren in Berlin geben, sie werden derzeit ausgebildet. Bei den aktuellen Haushaltsverhandlungen hat der CDU-Ressortchef weitere 110 neue Stellen durchgesetzt.

Innensenator Henkel will mehr Polizisten auf die Straße schicken, um das Sicherheitsgefühl von Berlinern und Touristen zu erhöhen und mögliche Einbrecher abzuschrecken. Wir brauchen auch mehr Ermittler, sagt Markus Henninger, zentraler Ansprechpartner für das Thema Wohnungseinbruch bei der Berliner Polizei.

"Es ist schon so, dass die Ermittler voll ausgelastet sind, die arbeiten definitiv am Limit, und deswegen ist Personal auf jeden Fall eine Hilfe, wie man besser mit diesem Phänomen zurechtkommen kann."

Die bundesweit schlechteste Aufklärungsquote von 6,5 Prozent bei den Wohnungseinbrüchen wurmt Henninger. Aber:

"Die Aufklärungsquote ist die eine Sache, die Verurteilungsquote ist eine andere Sache. Das heißt, man sollte diese Aufklärungsquote mit Vorsicht betrachten, weil entscheidend ist, was kommt am Ende raus, und da ist es auf den ersten Blick so schlecht nicht in Berlin."

Die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft sei in den letzten Jahren verbessert worden, erläutert Markus Henninger, und habe zu einer gestiegenen Zahl von Haftbefehlen geführt.

"Wir gehen davon aus, dass, wenn die Täter merken, insbesondere reisende Täter, die speziell für Einbrüche hierherkommen, dass ihre Mittäter einen Haftbefehl bekommen, hier in Haft sitzen, dass sie dann einen Bogen um Berlin machen."

Das muss sich bei den Tätern allerdings noch herumsprechen. Seit 2005 hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche in Berlin verdoppelt. Aber die aktuellen Zahlen der Landeskriminalämter zeigen auch: Die Aufklärungsarbeit der Polizei zeigt Erfolge.

Etwa in NRW: Dort ist immerhin auch der Anteil der gescheiterten Einbrüche im vergangenen Jahr gestiegen – von 35 auf 40 Prozent. Auch bei Manfred Guth in Wuppertal versuchten die Einbrecher noch einmal ihr Glück. Diesmal aber vergeblich:

"Wir haben die Polizei um Beratung gebeten. Und die hatten uns empfohlen, einmal einen abschließbaren Fenstergriff, so wie er jetzt ist. Und auf der anderen Seite muss ein Entriegelungsschutz installiert werden. Sonst könnte man mit einem Brecheisen von hinten die Scheibe öffnen. Da würde also der abschließbare Fenstergriff überhaupt nichts nutzen."

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