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StartseiteMusikjournal"Beethoven in die heutige Zeit übersetzen"16.12.2019

Beethoven-Jubiläumsjahr"Beethoven in die heutige Zeit übersetzen"

Das Jubiläumsjahr wolle Beethoven in einen neuen Kontext stellen, erklärte Malte Boecker vom Verein Beethoven-Haus Bonn im Dlf. Der Komponist führe uns mit seiner Musik zu Kernfragen unserer Gesellschaft: Freiheit des Einzelnen, Brüderlichkeit aller Menschen und zum Verhältnis von Mensch und Natur.

Malte Boecker im Gespräch mit Marie König

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Bronzebüste des Komponisten umringt von Grün im Garten des Beethoven-Hauses in Bonn. (Beethovenfest Bonn / Sonja Werner)
Wer Beethoven feiert, feiert klassische Musik an sich, meint Malte Boecker vom Verein Beethoven-Haus Bonn (Beethovenfest Bonn / Sonja Werner)
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Zu Beginn der Planung des Beethoven-Jubiläumsjahres habe die Frage gestanden: Braucht es überhaupt ein Jubiläum, sagte Malte Boecker, Künstlerischer Geschäftsführer der Jubiläumsgesellschaft "BTHVN 2020" und Direktor des Vereins Beethoven-Haus Bonn, im Deutschlandfunk.

"Wir haben für uns die Entscheidung gefällt: Wir wollen es feiern, aber nicht indem wir noch mehr Sinfonien, Klaviersonaten und Quartette aufführen, sondern indem wir Beethoven in einen ganz neuen Kontext stellen wollen."

Beethoven "in heutige Zeit übersetzen"

Denn abseits des Kanons an Werken, die immer wieder in Konzertsälen aufgeführt werden, gebe es viel auch bei Beethoven selber zu entdecken.

"Wir wollen Beethoven in die heutige Zeit übersetzen, und fragen: Das wofür er stand, die Freiheitswerte, die Brüderlichkeit aller Menschen, wie verträgt sich das mit jüngeren Entwicklungen von Nationalismen und der 'Festung Europa'?"

Das Gemälde zeigt den jüngeren Ludwig von Beethoven. Er sitzt, gekleidet in eine schwarze Jacke mit weißem Hemd und hat die rechte Hand wie zum Gruß mit ausgestreckten Fingern leicht erhoben. Im Hintergrund eine dunkle Kulisse mit grauer Regenwolke und einem abgebrochenen Baum. (Wien Museum / Birgit und Peter Kainz)Ein junger Musiker, der nach den Sternen greift: Beethoven (Wien Museum / Birgit und Peter Kainz)

Dabei solle kein bestimmtes Beethoven-Bild vorgegeben werden. In 300 Projekten mit tausenden von Veranstaltungen deutschlandweit sollten vielmehr unterschiedliche Perspektiven auf Beethoven eröffnet werden. Darin enthalten sei die Einladung: Lasst Euch neu auf Beethoven ein, versucht, ihn neu zu entdecken.

Deswegen gebe es darunter auch viele Projekte, die das Konzerthaus und den roten Teppich verließen und an Orte gingen, in denen Beethovens Musik keine Rolle spiele und zu Menschen, die seiner Musik noch nie begegnet seien.

Ein junger Künstler, der die Welt verändern will

Dadurch solle auch die Bedeutung klassischer Musik gefördert werden: "Wer Beethoven feiert, feiert klassische Musik an sich."

Beethoven transportiere ein positiv besetztes Wertesystem und eigne sich dazu, die "guten Absichten der europäischen, demokratischen, freiheitlichen Entwicklung" auf ihn zu projizieren. Das Times Magazine habe Beethoven einmal zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte ernannt und so sehe auch er, Malte Boecker, den Stellenwert des Komponisten.

In seinem ersten Lebensdrittel sei Beethoven nicht der alte, taube, grimmige Misanthrop gewesen, als der er häufig dargestellt werde. "Da ist ein junger Künstler, der will die Welt verändern, der entdeckt, dass Musik ein Mittel ist, um mit Menschen in großer Zahl kommunizieren zu können. Er griff damals nach den Sternen."

Mit Beethoven zu den "Kernfragen unserer Gesellschaft"

Das sei der Künstler, den er besonders interessant finde, sagte Malte Boecker: Ein Künstler, der erkenne, dass sich die Gesellschaft verändert.

Malte Boecker, Geschäftsführender Vorstand des Beethoven-Hauses, steht am 20. Februar 2019 vor dem Haus in Bonn. (picture alliance / Henning Kaiser)Malte Boecker, Geschäftsführender Vorstand des Beethoven-Hauses (picture alliance / Henning Kaiser)

Beethoven brauche das Jubiläumsjahr nicht – er sei der am meisten gespielte Komponist. Das Jubiläumsjahr diene aber dazu, uns zu vergewissern, welche Bedeutung die bürgerliche Revolution von 1789 hatte, auf die Beethoven reagiert habe und deren Werte er in seiner Musik hervorhebe: die Freiheit des Einzelnen, Brüderlichkeit aller Menschen, die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Natur.

"Wir werden über Beethoven zu Kernfragen unserer Gesellschaft geführt."

Von dem Jubiläumsjahr erhofft sich Malte Boecker, "dass sich im öffentlichen Bewusstsein durchsetzt, dass es tatsächlich eine Beethoven-Stadt Bonn gibt. Ich glaube, dass die Vielen nicht geläufig war." Vor allem aber:

"Ich hoffe, wir werden ganz viele Menschen neugierig machen, sich mit Beethoven neu zu befassen. Den alten Titanen über Bord werfen und sich auf den Menschen und das Werk einlassen - das ist sehr, sehr spannend."

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