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StartseiteUmwelt und VerbraucherRußrindenpilz - schädlich für Bäume und Menschen12.11.2019

Befall von AhornRußrindenpilz - schädlich für Bäume und Menschen

Weil der Wald durch zwei heiße Sommer stark geschwächt ist, haben es Schädlinge leichter: Derzeit befällt der sogenannte Rußrindenpilz Ahornbäume in ganz Deutschland. Betroffene Bäume sterben - und auch Menschen sollten sich vor den Pilzsporen schützen.

Von Daniela Siebert

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13.02.2019, Hessen, Offenbach/Main: Ein mit der Rußrindenkrankheit befallener Ahornbaum zeigt im Schlosspark Rumpenheim dunkle Flecken. Wegen des Pilzbefalls ist der Park derzeit für Besucher gesperrt. Rund 100 Ahornpflanzen sollen demnächst gefällt und verbrannt werden. (dpa / Arne Dedert)
So sieht es aus, wenn ein Ahornbaum mit der Rußrindenkrankheit infiziert ist. (dpa / Arne Dedert)
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Der Rußrindenpilz befällt ausschließlich Ahornbäume. Befallene Bäume erkennt man an den kahlen Baumkronen und der rissigen Rinde, begleitet von staubigem schwarzem Belag am Stamm, ein bisschen wie Asche auf schwarzem Schleim. Derk Ehlert von der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt hat schon befallene Bäume gesehen:

"Man kann das vergleichen mit dem Inhalt von schwarzen Druckerpatronen: feiner Staub, der dann aus der Rinde austritt."

Auch Menschen müssen sich schützen

Wird ein solcher Baum entdeckt und sicher gestellt, dass keine andere harmlose Krankheit mit ähnlichen Symptomen vorliegt, dann sei schnelles Handeln angesagt, so Ehlert, um die Ausbreitung der Krankheit zu vermeiden.

"Wenn man so einen Baum entdeckt, der diese Rußrindenkrankheit hat, sollte man sich unmittelbar sofort an das Grünflächenamt, an die untere Naturschutzbehörde wenden, den Fällantrag stellen und dann muss der Baum auch beseitigt werden."

Allerdings müssen sich die Gärtner oder Waldarbeiter, die zur Säge greifen, beim Fällen betroffener Bäume selbst schützen. Denn die Pilzsporen sollten nicht eingeatmet werden. Sie könnten sonst zu allergischen Reaktionen wie Reizhusten, Fieber, Atemnot und Schüttelfrost führen. In Extremfällen, bei sehr intensivem Kontakt, kann es auch zur sogenannten Farmerlunge kommen, einer Entzündung der Lungenbläschen.

Spezielle Schutzkleidung beim Fällen notwendig

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat daher im Internet eine Musterbetriebsanweisung veröffentlicht, die zusammenfasst, worauf man achten sollte. Wichtigstes Ziel ist, so wenig der Sporen wie möglich einzuatmen. Daher sollten die Baumfällungen am besten bei feuchter Witterung stattfinden. Wenn das nicht geht, dann hilft es auch, das Holz vorher mit Wasser zu besprühen. Außerdem benötigen die Arbeitenden ausreichende Schutzkleidung. Was das heißt, benennt Christian Hönig, Baumschutzreferent beim BUND Berlin:

"Atemmaske mit Partikelfilter, eine Schutzbrille, ein Ganzkörperoverall, Handschuhe und die übliche Sicherheitsausstattung, die ein Baumpfleger und auch ein Bodenmann tragen muss."

Auch eine Weiterverbreitung der Sporen über diese Schutz-Kleidung sollte vermieden werden. Hönig empfiehlt daher, sie in noch feuchtem Zustand auszuziehen. Falls es nicht ohnehin Einmal-Anzüge sind, dann sollten die Kleidungsstücke nur abgewandt vom Wind ausgeschüttelt werden. Am besten nass waschen. Wenn der Ahorn im öffentlichen Bereich steht, dann ist zudem eine weiträumige Absperrung wichtig, damit Passanten nicht in Gefahr geraten. Auch eine gründliche Reinigung der Werkzeuge ist essentiell, um die Pilzsporen nicht weiter zu verbreiten.

"Empfohlen wird, mit heißem Wasser die Scheidgarnitur zu reinigen. Manche desinfizieren dann auch noch mit Alkohol. Abflämmen ist jetzt weniger gut, weil natürlich durch die Hitzeentwicklung ich dann wieder einen Luftstrom habe und ich die Partikel wieder verteilen kann."

Gefällte Bäume sind Sondermüll

Auch beim Abtransport des gefällten Baumes sollte besondere Vorsicht walten. Beim Transport können Abdeckfolien eine Verteilung der Sporen in die Umgebung verhindern, noch besser sind geschlossene Container. Mit Rußrindenpilz befallenes Holz sollte auch völlig anders entsorgt werden als normaler Gartenabfall. Derk Ehlert:

"Nicht verbrennen, nicht kompostieren. Das ist Sondermüll. Der wird extra entsorgt. Sondermüll heißt, dass es Firmen gibt, die für die Entsorgung zuständig sind. Die bringen dann diesen Müll auf Flächen, wo er gegebenenfalls unter bestimmten Voraussetzungen verbrannt wird, aber dann in der Emission sich nicht weiter auf andere Flächen abtragen kann. Die Stellen, wo man normalerweise Gartenabfälle abgibt, kommen auf keine Fälle für die von Rindenruß betroffenen Bäume in Frage, denn das hieße ja: diese Krankheit noch ausbreiten."

Entsorgung kann mehrere hundert Euro kosten

Allerdings kann diese Entsorgung teuer und aufwändig werden. Christian Hönig hat von Preisen gehört, die bis zu 400 Euro pro Tonne Holz liegen. So viel kann ein ausgewachsener Ahorn durchaus wiegen - und mehr. Außerdem:

"Das Problem dabei ist: Es gibt nicht mehr so viele Anlagen, die das überhaupt annehmen, die dazu in der Lage sind, das auch zu verbrennen und wenn, wird das sehr teuer."

Wenige Anlagen heißt auch: Weite Anfahrtswege schlagen zusätzlich zu Buche. Da der Pilz erst jetzt so richtig auf dem Vormarsch zu sein scheint, könnte das alles noch ein großes Problem werden. Für Ahornbäume und Menschen. Gefährdet sind vor allem Personen, die häufig mit befallenem Holz hantieren. Auch die individuelle Sensibilität scheint eine Rolle zu spielen. Eventuelle körperliche Reaktionen auf den Rußrindenpilz treten meist nach sechs bis acht Stunden auf. Oft verschwinden die Beschwerden kurz darauf von alleine. Doch bei schweren allergischen Reaktionen sollte sofort der Notruf gewählt werden.

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