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StartseiteVerbrauchertippWann Botschaften und Konsulate helfen03.08.2018

Bei Notfällen im AuslandWann Botschaften und Konsulate helfen

Der Traumurlaub im Ausland kann von einem Augenblick zum anderen zum Albtraum werden. Etwa wenn ein Unfall passiert oder Reisepass, Geld und Kreditkarten weg sind. In solchen Fällen finden Betroffene Unterstützung bei den rund 200 deutschen Botschaften und Konsulaten vor Ort - aber nicht zum Nulltarif.

Von Klaus Deuse

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Hilfe durch Konsularbeamte: kein Reisebüro- und kein Bankersatz (JR)
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Dass sie sich vor Taschen- und Trickdieben besonders an beliebten Touristenorten in Acht nehmen sollten, das war Christel und Peter Behrendt schon bewusst. Doch als sie sich nach einer Besichtigung in ihren Mietwagen in Tunesien setzen wollten, ging alles ganz schnell, da entrissen ihnen zwei junge Männer die Tasche.

"Dumm wie wir waren, hatten wir in dieser Tasche natürlich alles drin. Das heißt: es waren unsere Personalausweise, unsere Führerscheine, meine Scheckkarten und Bargeld."

Erinnert sich Peter Behrendt. Damit stand das Ehepaar quasi mittellos dar. Man muss bei Reisen ins Ausland natürlich nicht von vornherein mit dem Schlimmsten rechnen, sagt der Völkerrechtler Knut Ipsen. Allerdings kann man auch ohne großen Aufwand gewisse Vorsichtsmaßnahmen treffen. Der Tipp von Knut Ipsen lautet:

"Man erleichtert übrigens seine Situation sehr, wenn man Kopien seiner Reisepapiere, insbesondere seiner Personalpapiere an einer anderen Stelle lagert."

Gültige Ersatzpapiere

Zum Beispiel im Safe des Hotels. Im Fall der Fälle kann man dann gegenüber den Behörden seine Identität nachweisen. Übrigens auch gegenüber der deutschen Botschaft, die bei notwendigen Formalitäten Hilfe leistet. Häufig erst einmal mit der Ausstellung von gültigen Ersatzpapieren.

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, der sollte sich außerdem auch mit der Reiseleitung vor Ort in Verbindung setzen. Wer auf eigene Faust unterwegs ist, wendet sich besser gleich an die Botschaft. Aber auch wenn Geld und Kreditkarten gestohlen wurden, kann man nicht davon ausgehen, dass die Botschaft automatisch mit Geld aushilft. Es wird erwartet, dass sich der Betroffene zuerst mit seinem Kreditinstitut oder mit Verwandten in Deutschland in Verbindung setzt, damit ihm diese Geld an den Urlaubsort schicken, beschreibt Knut Ipsen das Verfahren. Denn:

"Diese Hilfe durch Konsularbeamte ist nicht eine Art Reisebüroersatz, ist auch kein Bankersatz, sondern greift nur dann ein, wenn es notwendig ist."

Im Konsulargesetz heißt es dazu wörtlich: "Wenn die Notlage auf eine andere Weise nicht behoben werden kann." In finanziellen Angelegenheiten unterstützen Botschaften Bundesbürger zunächst einmal in der Weise:

"Dass eine Versorgung des Betreffenden mit Geldmitteln aus der Heimat ermöglicht wird. Man soll nicht glauben, dass eine Botschaft oder ein Konsulat verpflichtet ist, nun gleich mit Bargeld einzutreten. Das ist nicht der Fall."

Gebührenpflichtige Hilfeleistung, gesetzlich vorgeschrieben

Am schnellsten erhält man Geld durch eine Eilüberweisung der Hausbank an das Hotel am Urlaubsort. Erst dann, wenn in Deutschland kein Verwandter erreicht werden kann oder wenn der Geldtransfer durch eine Bank zu lange dauert, strecken die Botschaften eine Überbrückungshilfe von etwa 30 Euro pro Tag vor. Aber auch nicht zum Nulltarif, wie Knut Ipsen betont.

"Vielleicht sollte man an dieser Stelle sagen, dass grundsätzlich die Hilfeleistungen einer Botschaft oder eines Konsulates gebührenpflichtig sind. Und das, was an Auslagen getätigt worden ist, auch ersetzt werden muss. Das ist gesetzlich vorgeschrieben."

Spätestens nach der Rückkehr sind Auslagen und Gebühren zu bezahlen. Dennoch ist die Hilfe von Botschaften in vielen Fällen nicht mit Geld aufzuwiegen. Etwa wenn es nach Gewaltdelikten oder Unfällen im Urlaubsland zu Problemen mit der Polizei kommt. Dann vermitteln Botschaften vertrauenswürdige Anwälte und Dolmetscher. Und sollte sich in dem einen oder anderen Land keine deutsche Botschaft befinden, wird man die Vorteile der Mitgliedschaft in der Europäischen Union zu schätzen lernen. Dann nämlich kann man sich an jede andere Botschaft eines EU-Landes wenden, die die Interessen eines deutschen Urlaubers wahrnimmt.

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