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StartseiteComputer und KommunikationBei Vermittlung Einbruch06.08.2011

Bei Vermittlung Einbruch

Listige Langfinger nutzen die Dienste der Online-Mitwohnagentur AirBnb

IT-Wirtschaft. - Die Mitwohnzentrale "AirBnb" ist das Lieblings-Start-Up der kalifornischen Internetbranche. Der Dienst vermittelt weltweit private Unterkünfte für Reisende. Nach dem Bekanntwerden zweier Kriminalfälle steht das Unternehmen allerdings in der Kritik, berichtet Wissenschaftsjournalist Marcus Schuler im Interview mit Manfred Kloiber.

Von Marcus Schuler

Über AirBnb können weltweit private Unterkünfte ver- und gemietet werden (AP)
Über AirBnb können weltweit private Unterkünfte ver- und gemietet werden (AP)

Manfred Kloiber: Es ist das Lieblings-Start-Up der kalifornischen Internetbranche: AirBnb – eine Art Mitwohnzentrale. Doch die bislang vom Erfolg verwöhnte Online-Plattform musste diese Woche in San Francisco einen Kotau machen. Der Dienst vermittelt weltweit private Zimmer und Wohnungen für Reisende. Und das hat bislang ziemlich gut funktioniert. Nur jetzt sorgen zwei Kriminalfälle für Empörung und Ärger. Im Zentrum steht das Management von AirBnb. Marcus Schuler, was genau ist passiert?

Marcus Schuler: Es sind zwei Fälle bekannt geworden, wo Unbekannte über die Online-Plattform von AirBnb von Privatpersonen Zimmer oder Wohnung gebucht haben. Jeweils für wenige Tage. In dem einen Fall bei einer Frau in San Francisco, also auch noch am Ort, an dem AirBnb seinen Sitz hat. Die Frau war selbst auf Geschäftsreise und hat deshalb für die Zeit ihrer Abwesenheit Ihre Wohnung zur Verfügung über AirBnb vermietet Als sie zurückkam, war ihr Apartment nicht nur verwüstet, sondern man hat sie auch bestohlen, Schmuck und Wertgegenstände waren von der Täterin, die die Polizei wenig später festnehmen konnte, entwendet worden. Und es gibt noch einen zweiten Fall. Hier wurde auch die Wohnung zertrümmert, zurück blieb Drogenbesteck, so genannte Chrystal Meth Pfeifen.

Kloiber:AirBnb setzt sich ja mit seiner Firmenphilosophie von kommerziellen Ferienwohungs-Vermittlungen ab, man will Reisende miteinander verbinden, will sozusagen die junge, "coole” Alternative zum herkömmlichen Reisen sein. Wie hat denn das Unternehmen auf die beiden Vorfälle reagiert?

Schuler: Um in ihrem Bild zu bleiben: Ziemlich uncool. Bei der Frau, deren Apartment in San Francisco zerlegt wurde, hat sich zwar das Unternehmen entschuldigt und ihr erst einmal allgemein Hilfe angeboten, ohne wohl konkrete Leistungen, wie eine finanzielle Entschädigung, zu nennen. Als EJ, so nennt sich die Frau, dann ihre Geschichte in einem Blog-Eintrag öffentlich dokumentiert hat, ist man bei AirBnb wohl unruhig geworden und hat angeblich sie dazu gedrängt, ihre Geschichte doch wieder aus dem Netz zu nehmen....Genau das hat dann dafür gesorgt, dass die Geschichte schlagartig publik wurde. Erst als bekannte Blogger wie Techcrunch-Chef Michael Arrington oder Robert Scoble die Firma öffentlich kritisierten, reagierte mit großer zeitlicher Verzögerung das Management.

Kloiber:Sicherlich kam die ganze Geschichte sehr ungelegen für das Unternehmen, schließlich hat es erst kürzlich wieder mehr als 110 Millionen Dollar Investoren-Kapital erhalten...

Schuler: Genauso ist es. Das Geschäftsmodell von AirBnb, das sich als anti-kommerzielle Reisealternative, man muss hier das Stichwort "Couchsurfing" nennen, am Markt positionieren will, diese Geschäftsmodell funktioniert nämlich sehr sehr gut. Das Unternehmen wir derzeit mit einer Milliarde Dollar bewertet. Das Geschäftsmodell ist denkbar einfach. Die Firma kassiert 15 Prozent Vermittlungsgebühr und schreibt wohl schwarze Zahlen. AirBnb war so etwas wie das Lieblingskind des Silicon Valley. Alles ist den Managern um CEO Brian Chesky in den vergangnen Monaten gelungen. Sogar Hollywood-Schauspieler und Web-Investor Ashton Kutcher gehört zu den prominenten Unterstützern.

Kloiber:Wie konnte es überhaupt zu den Betrugsfällen kommen. Wohnungs- oder Zimmeranbieter wie der Vermieter müssen sich ja bei Zustandekommen der Vermittlung gegenseitig identifizieren?

Schuler: Ganz genau bekannt ist das nicht, wie das Sicherheitssystem überlistet werden konnte. Denn beide, Anbieter und Vermieter, müssen ihre Telefonnummer verifizieren lassen. Außerdem muss ein Facebook-Profil hinterlegt sein. Mieter und Vermieter können sich gegenseitig bewerten, man kann Kommentare hinterlassen, als Anhaltszeichen dann für weitere Mietsinteressenten. Anmelden darf man sich nur mit Klarnamen und eigenem Foto.Das sind natürlich alles Dinge, die man mit ein wenig krimineller Energie faken kann. Und das scheint wohl auch passiert zu sein.

Kloiber:Deshalb offerieren die zahlreich entstandenen Konkurrenten von AirBnb alle Versicherungen...

Schuler: Nur AirBnb hatte solch eine pauschale Versicherung bislang nicht. Das hat sich in dieser Woche dann geändert. Nun hat in dieser Woche CEO Brian Chesky eingestanden, wir haben einen großen Fehler gemacht. Wir sind mit den geschilderten Fällen falsch umgegegangen. "We screwed up", teilte er in einem Blog Post mit. Ab Mitte August sind persönliche Wertgegenstände bis 50.000 Dollar dann bei AirBnb automatisch versichert. Außerdem habe man den Kundenservice verdoppelt, auf jetzt 88 Mitarbeiter weltweit.

Kloiber: Marcus Schuler über Ärger bei der Mitwohnzentrale AirBnB. Vielen Dank.

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