Sonntag, 01.11.2020
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
StartseiteThemaFriedensnobelpreis geht an UN-Welternährungsprogramm09.10.2020

Bekanntgabe in OsloFriedensnobelpreis geht an UN-Welternährungsprogramm

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) wird für seinen Einsatz im Kampf gegen den Hunger mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der Preis sei eine Anerkennung für die Mitarbeiter und vielen freiwilligen Helfer in aller Welt, so das WPF nach der Bekanntgabe durch das Komitee in Oslo.

Ein Logo des Welternährungsprogramms World Food Programme und ein belgisches Militärflugzeug auf einem Rollfeld im irakischen Erbil, August 2014 (imago / Belga / Eric Lalmand)
Das Welternährungsprogramm erhält den Friedensnobelpreis, der am 10. Dezember in Oslo verliehen wird (imago / Belga / Eric Lalmand)
Mehr zum Thema

Historiker zu Friedensnobelpreis "Es wär besser, ihn retrospektiv zu verleihen"

Nobelpreisvergabe Männliche Machtstrukturen bremsen Frauen aus

Friedensnobelpreis 2019 "Abiy Ahmed ist eine gute Wahl"

Südsudan Der schwierige Weg zum Frieden

Nothilfe in Guatemala Mehr Angst vor Hunger als vor dem Virus

Krieg im Jemen Wollen die Kriegsparteien wirklich Frieden?

Krieg im Jemen UN-Welternährungsprogramm kann nicht mehr helfen

In der Begründung des Nobelpreiskomitees hieß es, das Welternährungsprogramm (WFP) werde auch für die Verbesserung der Bedingungen für Frieden in Konfliktregionen ausgezeichnet. Die Verbindung zwischen Hunger und bewaffneten Konflikten sei ein Teufelskreis, sagte die Vorsitzende des Preiskomitees, Berit Reiss-Andersen. "Wir werden das Ziel von Null Hunger nie erreichen, solange wir nicht auch Krieg und bewaffnete Konflikte beenden".

Eine besondere Rolle habe die UNO-Organisation während der Coronapandemie gespielt, die die Situation für Millionen Menschen gerade in Konfliktgebieten zusätzlich verschlimmert habe. Derzeit gebe es noch keinen Impfstoff gegen COVID19. "Ernährung ist die beste Impfung gegen Chaos", so Reiss-Andersen.

23. Juni 2019: Ein Sack mit Hilfsgütern des Welternährungsprogramms in Sanaa, Jemen, und ein Mann (imago / Xinhua / Mohammed Mohammed) (imago / Xinhua / Mohammed Mohammed)Wie die Corona-Pandemie den Hunger in der Welt verschärft
Die Zahl der hungernden Menschen weltweit ist während der Coronapandemie gestiegen. Das Welternährungsprogramm bräuchte zusätzliche Milliarden, um die Not zu lindern.

Das seit 1961 bestehende Welternährungsprogramm ist das führende Hilfswerk im Kampf gegen Hunger, versorgt Menschen in Krisenregionen und betreibt Entwicklungsprojekte. Im vergangenen Jahr etwa unterstützte die Organisation nach eigenen Angaben etwa 97 Millionen Menschen in 88 Ländern. Sie finanziert sich aus freiwilligen Zuwendungen der UN-Mitgliedsländer, der EU und einigen privaten Gebern. 

WFP: "Anerkennung für Mitarbeiter und freiwillige Helfer"

"Dies ist ein stolzer Moment", sagte der Sprecher des Welternährungsprogramms in Genf, Thomson Phiri, nach der Zuerkennung des Friedensnobelpreises an das WFP. Der Preis sei eine Anerkennung sowohl für die Mitarbeiter als auch für die vielen freiwilligen Helfer und Helferinnen in aller Welt. 

Drei Kinder haben 2017 im Jemen Hilfsgüter des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen erhalten. (imago images / Xinhua)Hilfsgüter der Welternährungsorganisation in Sanaa, Jemen (imago images / Xinhua)

Das WFP habe während der Coronapandemie trotz der weltweiten Reisebeschränkungen Hungrige versorgt, so Phiri weiter: "Wir waren zu einem bestimmten Zeitpunkt die größte Fluggesellschaft der Welt". Das WFP hatte Flugzeuge gechartert, nachdem kommerzielle Flüge, die sonst viel Material für das WFP befördern, nicht mehr geflogen waren.

Phiri war in einer Pressekonferenz gerade dabei, über die Arbeit des WFP im Sudan zu berichten, als der Preisgewinn bekannt wurde.

Polizisten der SSNPS (South Sudan National Police Service) auf Pickup-Trucks bei einer Patrouille in den Straßen von Juba in Südsudan (AFP / Alex McBride ) (AFP / Alex McBride )Südsudan - Der schwierige Weg zum Frieden
Im Südsudan fehlt es auch nach dem Ende des jahrelangen Bürgerkrieges an Infrastruktur, Perspektiven und Stabilität. Der Weg zum Frieden führt auch über die Suche nach einer gemeinsamen Identität.

Außenminister Maas: WFP ist "Vorkämpfer der Menschlichkeit"

WFP-Chef David Beasley zeigte sich überrascht: "Ich glaube, es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich keine Worte habe", sagte er, als ihn die Nachrichtenagentur AP in Niger über die Neuigkeit informierte.

David Beasley, Chef des UNO-Welternährungsprogramms (WFP) 2018 bei einer Pressekonferenz in Seoul (dpa / picture alliance/ Kyodo Foto / MAXPP)Der Chef des UNO-Welternährungsprogramms, der US-Amerikaner David Beasley, erfuhr bei seiner Afrikareise von der Nobelpreisauszeichnung (dpa / picture alliance/ Kyodo Foto / MAXPP)

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nannte den Preis für das WFP hochverdient. Dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien an den gefährlichsten Orten der Welt Vorkämpfer der Menschlichkeit. Der unermüdliche Einsatz des WFP rette jeden Tag Millionen Menschen vor Hunger und Mangelernährung, sagte Maas am Freitag. Deutschland sei weltweit der zweitgrößter Geberpartner des WFP.

Gegen 317 nominierte Organisationen und Personen durchgesetzt

211 Personen und 107 Organisationen waren für den Preis nominiert - die vierthöchste Zahl seit der ersten Preisverleihung 1901. Wie in jedem Jahr hatte es im Vorfeld der Bekanntgabe des Friedensnobelpreises auch 2020 viele Spekulationen gegeben, wer die Auszeichnung erhalten könnte. 

Besonders gute Chancen waren unter anderem der Weltgesundheitsorganisation WHO und der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg eingeräumt worden. Auch die Nichtregierungsorganisation zum Schutz von Journalisten, Reporter ohne Grenzen, der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny, die Demokratiebewegung in Hongkong, der Whistleblower Edward Snowden, Wikileaks-Gründer Julian Assange und US-Präsident Donald Trump waren im Gespräch für die diesjährige Auszeichnung gewesen.

2019 wurde Abiy Ahmed ausgezeichnet

Der Friedensnobelpreis ehrt dem Willen des Stifters Alfred Nobel zufolge Verdienste um Völkerverständigung, Abrüstung und Frieden. 2019 ging der Friedensnobelpreis an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed für seine Friedensbemühungen im Grenzkonflikt zwischen Äthiopien und dem benachbarten Eritrea. 

Abiy Ahmed bei seiner Preisträger-Rede im Osloer Rathaus (AFP / Stian Lysberg Solum ) (AFP / Stian Lysberg Solum )Friedensnobelpreis 2019 für Äthiopiens Hoffnungsträger
2019 wurde der äthiopische Ministerpräsidenten Abiy Ahmed mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet - unter anderem für seinen Einsatz für Bürgerrechte und eine Friedensinitiative.

Besonders berühmte Träger des Friedensnobelpreises waren Albert Schweitzer (1952), Willy Brandt (1971), Mutter Teresa (1979), der Dalai Lama (1989), Nelson Mandela (1993) und Barack Obama (2009). Immer wieder war die Auszeichnung auch umstritten, beispielsweise im Falle der 2012 geehrten Europäischen Union.

Der Friedensnobelpreis ist in diesem Jahr mit zehn Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund 950.000 Euro. Die offizielle Verleihung wird wie immer am Todestag des Stifters, am 10. Dezember, in Oslo stattfinden, aufgrund der Coronapandemie in diesem Jahr aber in kleinerem Rahmen als gewohnt.

Weitere Nobelpreise 2020

Der Friedensnobelpreis ist die fünfte in der Nobelpreiswoche vergebene Auszeichnung des Nobelkomitees in Oslo. Traditionell den Anfang machte am Montag der Preis für Medizin, am Dienstag und Mittwoch folgten Physik und Chemie und am Donnerstag der Literaturnobelpreis.

Die Nobelpreise 2020 im Überblick:
Medizin-Nobelpreis geht an Entdecker von Hepatitis-C-Virus
Physik-Nobelpreis für Forschung an Schwarzen Löchern
Chemie-Nobelpreis geht an zwei Gen-Forscherinnen
Literatur-Nobelpreis geht an  amerikanische Lyrikerin Louise Glück

Ein weiterer Preis, der zwar nicht von Alfred Nobel gestiftete ist, inzwischen aber praktisch im Rang eines solchen gehandelt wird ist der "Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften". Der sogenannte "Wirtschaftsnobelpreis" wurde erst 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk