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Startseite@mediasres"Jeder kennt Cybermobbing"05.02.2019

Beratungsangebot"Jeder kennt Cybermobbing"

Mobbing unter Kinder und Jugendlichen findet längst nicht mehr nur in der Schule statt: Oft laufen die Beleidigungen inzwischen über das Internet ab, ohne dass Lehrkräfte und Eltern etwas davon mitbekommen. Damit das Thema nicht totgeschwiegen wird, hat ein Verein aus Hannover ein besonderes Projekt im Angebot.

Von Kristin Häfemeier

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In einer gestellten Szene zeigen Schüler am 11.09.2017 in Berlin im Madame Tussauds beim "1. Symposium gegen Cybermobbing und für einen sicheren Umgang mit sozialen Medien" mit dem Finger auf eine andere Schülerin. (dpa / Britta Pedersen)
Cybermobbing ist für viele Jugendliche ein großes Thema (dpa / Britta Pedersen)
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Die Scouts von der Beratungsplattform "Juuuport" versuchen, bei allen Fragen und Probleme rund ums Netz zu helfen: kostenlos, anonym und vor allem von Jugendlichen für Jugendliche.

Mitarbeiterin Saskia Eilers weiß, wie wichtig diese Beratung auf Augenhöhe ist. "Um eben eine gewisse Hemmschwelle wegzunehmen, die vielleicht bei Eltern oder Lehrkräften bestehen würde, wenn man das Gefühl hat, ach, die verstehen doch überhaupt nicht richtig, womit ich mich hier rumschlagen muss. Was Cybermobbing wirklich ist in meiner Generation. Das können andere Jugendliche natürlich viel besser nachvollziehen." 

Jugendliche beraten Jugendliche

Fabian Pforte arbeitet als einer der jugendlichen Scouts. Ihm war es wichtig, anderen Jugendlichen zu helfen. Denn das Mobbing im Internet hört zu Hause nicht auf. Und oft merken Freunde, Familie oder auch der Täter gar nicht, wie sehr jemand unter Kommentaren im Internet leidet.   
 
"Man weiß ja nicht, was die andere Person dann denkt. Ob sie das tiefgründig verletzt, weil es noch irgendwelche Hintergründe gibt oder ob sie halt einfach sagt: Na gut, dann ich halt nicht der Klügste. Aber das merkt man halt nicht im Internet. Während beim richtigen Mobbing in der Schule zum Beispiel sieht man halt mal, wenn einer weint. Da sieht dann, wenn es einem nicht so gut geht. Das merkt man halt nicht, wenn man vorm Bildschirm ist", meint Fabian Pforte.  

Seminare für zukünftige Mitarbeiter

Bevor er das erste Mal selbst beraten durfte, hat er ein Seminar mitgemacht. Dort werden die zukünftigen Scouts auf ihre Aufgabe vorbereitet, erklärt Saskia Eilers. "Jeder kennt natürlich Cybermobbing. Jeder hat mal von Hass im Netz gehört oder es vielleicht auch mal mitbekommen so am Rande. Aber die eigentlichen Gründe und Merkmale und Folgen sind doch oft eher unklar. Und bei uns lernen sie die Hintergründe und Folgen von Hatespeech und Cybermobbing kennen." 

Auf dem Seminar hat Fabian auch gelernt, wie man mit den Anfragen am besten umgeht. Manchmal geht es nur um die Frage, wie man seinen Facebook-Account löscht. Andere Anfragen sind da schon schwieriger.

"Ein sehr großes, häufiges Thema, was wir in letzter Zeit hatten, war die Verbreitung von pornographischen Bildern. Kinderpronographie oder auch andere anstößige Inhalte. Und da muss man halt sehr darauf achten, dass man sehr viel Verständnis zeigt. Und man muss der Person klar machen, dass es nicht ihre Schuld ist, dass diese Bilder da sind. Und der Person halt beistehen", sagt Fabian Pforte.

Kreative Aktionen gegen Hass im Netz

Die Beratung ist anonym. Deshalb kann Fabian selbst nicht die Polizei einschalten, sondern nur zu einer Anzeige raten. Fabian machen diese schweren Themen nichts aus. Aber nicht jeder Scout muss auch jedes Thema beantworten.

Aus Jugendschutzgründen filtern die erwachsenen Mitarbeiter die Anfragen vorher. Wer nicht direkt beraten möchte, kann sich im Projekt "Werte leben online" engagieren, sagt Saskia Eilers. 

"Da setzen die Scouts ihre kreativen Ideen ganz eigenständig um. Da entstehen kleine Gifs, Fotoaktionen oder auch mal Videoclips zum Thema Hass oder für mehr Respekt im Netz, wo wir anderen Jugendlichen Tipps geben wollen für das eigene Online-Handeln und sie über Instagram und Co. direkt erreichen wollen." 

"Sowas könnte man auch einfach sein lassen"

Die Jugendlichen tragen ihre Ideen für mehr Respekt im Netz aber auch immer wieder ins reale Leben. Heute veranstalten die Scouts in Hannover auf dem Platz der Weltausstellung einen Poetry-Slam für mehr Respekt im Netz. Fabian hofft, damit Passanten zum Nachdenken zu bringen. 

"Dass die mal in sich gehen und überlegen, was sie selber so machen im Internet und sich selber mal mit ihrem Verhalten reflektieren. Weil ich glaube jeder von uns kennt es sicherlich, dass wir im Netz mal etwas macht oder schreibt, was etwas grenzwertig ist, aber sowas könnte man auch einfach sein lassen und dann wäre das Internet auch schon ein ganz besserer Ort."

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