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StartseiteInformationen am MorgenWie die Deutschen leben wollen26.10.2016

Bericht der BundesregierungWie die Deutschen leben wollen

Was ist für die Menschen in Deutschland ein "gutes Leben"? Dazu hat die Bundesregierung die Bürger befragt - nun wurden die Ergebnisse vorgestellt. Wichtig sind demnach Sicherheit, Freiheit und Gesundheit - aber auch Konkretes wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Von Azadê Peşmen

Figuren von Menschen in verschiedenem Alter sind auf dem Gebäude des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Freitag (09.03.2012) in Berlin in der Glinkastraße aufgeklebt. ((c) dpa/Jens Kalaene)
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist laut des Berichts ein wichtiges Kriterium für ein gutes Leben. ((c) dpa/Jens Kalaene)
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Mit den Bürgern in den Dialog treten. Das hat sich die Bundesregierung vorgenommen, um herauszufinden, was den Menschen im Leben wichtig ist. Diese Frage konnten Bundesbürger im Internet, auf Postkarten oder auch in den Bürgerdialogen persönlich beantworten. Der wohl bekannteste Bürgerdialog hat sich in einer Rostocker Schule zugetragen. Das palästinensische Mädchen Reem Sahwil fragte die Bundeskanzlerin, warum sie nicht die gleichen Möglichkeiten habe, wie ihre Mitschüler:

"Also es ist wirklich sehr unangenehm, zuzusehen, wie andere das  Leben genießen können und man selber das nicht mitgenießen kann."
Merkel: "Ich verstehe das und dennoch muss ich jetzt auch, das ist manchmal auch hart, Politik und wenn wir jetzt sagen, ihr könnt alle kommen und ihr könnt auch aus Afrika kommen, das können wir auch nicht schaffen."

"Sicher und frei leben" ist eine der Dimensionen, die laut dem Bericht "Gut Leben in Deutschland" als eine relevante Kategorie genannt wird. Das palästinensische Mädchen Reem Sahwil kann das mittlerweile tun, sie hat einen gesicherten Aufenthaltsstatus. Jedoch zeigt sich die Bundesregierung besorgt über diejenigen, die gegenüber Geflüchteten wie ihr Taten folgen lassen, im Netz und auf der Straße. Die im Bericht genannten Zahlen, dass rassistische Straftaten, also die sogenannte "Hasskriminalität" um 116 Prozent auf 8.529 Fälle zulegten, sind allerdings nicht neu.

Innovative Lösungen für Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Dem Bericht "Gut Leben" zufolge verbessert auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie die Lebensqualität der Deutschen. Auch wenn die Anzahl der betreuten Kinder insgesamt gestiegen ist, bleiben regionale Unterschiede bestehen. Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern ist die Ganztagsquote höher als in Westdeutschland. Angela Merkel ist aber optimistisch, dass sich in den Unternehmen einiges ändert. Es gebe durchaus innovative Lösungen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern:

"Wichtig ist - und das glaube ich hilft bei der Findung solcher innovativer Lösungen -, dass nicht nur die Mütter im Zentrum stehen, sondern das auch inzwischen durch die Elternzeit zum Beispiel, die auch von Vätern genommen werden kann, bekannt ist, dass auch Väter Familienpflichten haben. Und da glaube ich gehen die Beitriebe heute sehr viel offener heran und nach dem Motto wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, finden viele Unternehmen Lösungen."

Daten sollen jährlich erhoben werden

Die Ergebnisse der Bürgerdialoge und Onlinediskussionen ergaben zwölf unterschiedliche Dimensionen, die für eine bessere Lebensqualität stehen: Gesund durchs Leben, Bildungschancen für alle oder ein sicheres Einkommen. Die einzelnen Kategorien werden jedoch weder hierarchisiert noch gewichtet. Die Zahlen des Abschlussberichtes sind auch nicht wissenschaftlich repräsentativ. Trotzdem sind die Bürgerdialoge für die Bundesregierung eine Möglichkeit, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen und mit ihnen darüber zu sprechen, was ihnen wichtig ist im Leben. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel:

"Die Debatte darüber, wie wir miteinander leben wollen, auch wenn wir sie gemeinschaftlich führen, wird nicht zu so einer Konsenssoße führen, da bin ich sicher. Es wird genug übrig bleiben, wo wir abwägen müssen, nicht so sehr im ideologischen Streit, sondern über die Frage, was uns an Prioritäten schnell und manchmal eben auch als langfristig oder gar nicht umsetzbar erscheint."

Heute wird der Bericht dem Bundeskabinett vorgelegt. Die Daten über die Verbesserung der Lebensqualität sollen von nun an jährlich erhoben werden.

 

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