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Startseite@mediasres"Wir sind im Moment nicht in der Lage, dorthin zu reisen"11.02.2020

Berichten aus Wuhan"Wir sind im Moment nicht in der Lage, dorthin zu reisen"

Zwei chinesische Bürgerjournalisten sind verschwunden, nachdem sie aus der Krisenregion Wuhan über das Corona-Virus berichtet hatten. Trotzdem seien einige chinesische Medien erstaunlich kritisch, sagte Shanghai-Korrespondent Steffen Wurzel im Dlf. Er selbst könne nur aus zweiter Hand berichten.

Steffen Wurzel im Gespräch mit Bettina Schmieding

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Patienten in Krankenhausbetten in Wuhan (imago images / Xinhua)
Direkt aus der Krisenregion Wuhan zu berichten ist für deutsche Reporterinnen und Reporter derzeit kaum möglich (imago images / Xinhua)
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"Wir sind im Moment nicht in der Lage, dorthin zu reisen. Und selbst wenn wir es wären, wir kämen nicht ohne Weiteres zurück", stellte Steffen Wurzel, Korrespondent in Shanghai, klar. Das heißt, man könne nur abstrakt und aus zweiter Hand berichten. Er und seine Kollegen stünden aber in sehr engem Kontakt mit der Region. Erst heute habe er mit einer Betroffenen, die in Wuhan eingesperrt sei, ein Telefoninterview geführt.

"Wir bemühen uns auch, eben nicht nur über Zahlen und Statistiken und medizinische Aspekte zu berichten, sondern auch und gerade über das Gesellschaftliche", sagte der Journalist. "Das ist in den letzten Tagen und Wochen auch noch deutlich wichtiger geworden." Dazu gehörten zum Beispiel nächtliche Ausgangssperren in Teilen von Shanghai.

Das Narrativ der Führung dominiert

Einige chinesische Nachrichtenseiten würden ebenfalls sehr viel berichten, was normalerweise überhaupt nicht möglich wäre - zum Beispiel über den Arzt, der den Virusskandal mit aufgedeckt hatte und dann von der Polizei ruhiggestellt worden war. "Die haben also jetzt noch mal gezeigt, was sie drauf haben, diese Journalistinnen und Journalisten", sagte Wurzel.

Unterm Strich dominiere das Narrativ der chinesischen Führung, sie würde alles Menschenmögliche in Bewegung setzen, um die Viruskrise zu bekämpfen. Aber es werde für chinesische Verhältnisse relativ viel berichtet, dass eben doch nicht alles rund laufe - zumindest zwischen den Zeilen. "Das ist die Sache, die uns ausländische Beobachter hier durchaus sehr überrascht hat in den letzten Wochen."

Zwei kritische Videomacher verschwunden

Die zwei verschwundenen Bürgerjournalisten hätten für sehr viel Aufmerksamkeit gesorgt, weil sie mit Videos aus Wuhan berichtet hatten und sich auch selbst vor der Kamera gezeigt hätten, erklärte der Korrespondent. Außerdem hätten sie die chinesische Staats- und Parteiführung sehr stark kritisiert und zum Beispiel auch überfüllte Warteräume und Leichensäcke gezeigt, die rund um Krankenhäuser gestapelt wurden.

"Dann ist es eben so, wenn man ein gewisses Level an Aufmerksamkeit erzeugt, dass das dann der chinesischen Führung, den Behörden, den Sicherheitsbehörden zu viel wird", sagte Wurzel. Ob die Männer festgenommen worden seien, sei aber unklar - sie seien einfach von der Bildfläche verschwunden. 

Druck auch auf Korrespondentenbüro

Die chinesischen Sicherheitsbehörden verfügten über diverse Methoden, um kritische Blogger ruhigzustellen. "Das muss nicht unbedingt gleich in Haft enden." Man übe Druck auf ihre Familien auf, stelle Menschen unter Hausarrest oder lasse sie eine Art Unterlassungserklärung unterschreiben. "China ist kein Rechtsstaat. Da haben die Behörden einfach deutlich mehr Mittel, kritische Journalistinnen und Journalisten mundtot zu machen, als es bei uns der Fall wäre."

Die Ortskräfte seines Korrespondentenbüros würden teilweise aus fadenscheinigen Gründen davon abgehalten, zur Arbeit zu kommen. "Da würden wir bei uns in Deutschland ein Fass aufmachen", sagte der Journalist. "Hier in China müssen wir das einfach ein Stück weit in Kauf nehmen, weil China als Diktatur eben andere Maßstäbe anlegt an die Durchsetzung von Vorschriften."

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