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Startseite@mediasresÜberprüfen statt Verkünden14.04.2020

Berichten über CoronastudienÜberprüfen statt Verkünden

Gerade in der Coronakrise müssten Journalistinnen und Journalisten Studienergebnisse mit Vorsicht veröffentlichen, fordert Journalismusforscher Holger Wormer. Ihre Aufgabe sei es auch, Ergebnisse einzuordnen.

Holger Wormer im Gespräch mit Isabelle Klein

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09.04.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Hendrik Streeck (M), Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn,spricht während einer Pressekonferenz der Landesregierung, während Martin Exner (r), Direktor des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit der Uni Bonn und Gunther Hartmann, Direktor des Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie der Uni Bonn zuhören. Die Landesregierung präsentiert die ersten Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts «Covid-19 Case-Cluster-Study», das derzeit in Heinsberg durchgeführt wird. (picture alliance/Federico Gambarini/dpa)
Der Virologe Hendrik Streeck bei einer Pressekonferenz der nordrhein-westfälischen Landesregierung (picture alliance/Federico Gambarini/dpa)
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Konsens in der Wissenschaft eher die Ausnahme

Holger Wormer, Professor für Wissenschaftsjournalismus an der TU Dortmund, forderte im Dlf, wissenschaftliche Erkenntnisse vorsichtiger zu kommunizieren. "Es ist sowieso ein generelles Problem bei der Berichterstattung über Studien, dass das Ergebnis einer Studie am Schluss als Wahrheit dargestellt wird", kritisierte er. Die Aussage "So ist es" gebe es in der Wissenschaft aber nur in ganz seltenen Fällen. Dazu zähle etwa der Klimawandel, bei dem es einen weitreichenden Konsens gebe.

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"Aber bei diesen schnell gemachten Studien zu einem noch neuen und noch relativ unbekannten Virus, über dessen Verbreitung man noch nicht allzu viel weiß, da kann man nicht einfach schreiben: So ist es", monierte Wormer. Man müsse den Mediennutzerinnen und -nutzerinnen klar machen, dass man es in diesem Bereich immer nur mit Wahrscheinlichkeiten und Risikoeinschätzungen zu tun habe.

Journalismus übernimmt in der Krise neue Aufgaben

Journalistinnen und Journalisten müssten zur Zeit mehr leisten als sonst, sagte Wormer, weil die meisten Studien noch keinen wissenschaftlichen Prüfungsprozess durchlaufen hätten. Um eine Studie zu beurteilen, sei es normalerweise empfehlenswert zu prüfen, ob sie in einem begutachteten Fachjournal erschienen sei. "Da im Moment alles so schnell gehen muss, ist diese wissenschaftliche Qualitätsprüfung zum Teil ausgehebelt", sagte er. Ein Teil dieses Überprüfungsauftrags liege jetzt bei den Journalistinnen und Journalisten.

Sie müssten zum Beispiel prüfen, ob gezogene Stichproben repräsentativ seien und ob es widersprüchliche Ergebnisse gebe. Außerdem müssten sie andere Expertinnen und Experten zu Wort kommen lassen: "Alles andere wäre ein journalistischer Kunstfehler", warnte Wormer.

Zu wenige kritische Nachfragen

Aufgabe des Journalismus sei es außerdem, auch andere Fachgebiete als die Virologie zu berücksichtigen, zum Beispiel Sozialwissenschaften und Psychologie. Sein persönlicher Eindruck sei, dass das in letzter Zeit vermehrt stattfände.

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Er habe aber auch den Eindruck, dass an vielen Stellen noch Verlautbarungsjournalismus stattfinde: "Es wird das transportiert, was das Robert-Koch-Institut sagt oder was einzelne Wissenschaftler sagen." Journalistinnen und Journalisten würden zu wenig kritisch nachfragen, beispielsweise auch im NDR-Podcast mit dem Virologen Christian Drosten.

Wissenschafts-PR nicht verwerflich

Dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Kommunikation ihrer Ergebnisse auf PR-Agenturen zurückgreifen, findet Wormer nicht grundsätzlich verwerflich. Genau dafür war vor kurzem das Team um den Bonner Virologen Hendrik Streeck kritisiert worden, das bei der Publikation seiner Coronastudie im Kreis Heinsberg von einer Social-Media-Agentur unterstützt wird.

"Das Wichtige dabei ist aber, dass der Kern der Wissenschaft oder der wissenschaftlichen Aussagen und Arbeiten dabei nicht verloren geht", stellte der Journalismusforscher klar. Ob das in dem konkreten Fall gelungen sei, ließe sich jetzt noch nicht beurteilen.

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