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StartseiteUmwelt und VerbraucherKampf gegen Einwegbecher ist noch ausbaufähig04.07.2018

Berlin Kampf gegen Einwegbecher ist noch ausbaufähig

Vor einem Jahr startete in Berlin die Aktion Better World Cup, mit der Einwegbechern der Kampf angesagt werden sollte. Die Bilanz fällt eher bescheiden aus. Zwar sei die Resonanz mit mittlerweile 650 Geschäften sehr gut, doch würden Rabattaktionen für mitgebrachte Becher viel zu wenig beworben, sagen Verbraucherschützer.

Von Anja Nehls

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Einwegbecher in einem Park in Berlin Kreuzberg auf einem zu vollen Mülleimer (Wolfram Steinberg/ dpa)
Einwegbecher (Wolfram Steinberg/ dpa)
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"Hallo, ich hätte gerne einen Kaffee to go. Einen Espresso, haben Sie?" – "Kaffee to go Becher sind ausgegangen, wir hatten bestellt, aber die wurden leider nicht geliefert."

So kann man die Einwegbecherflut natürlich auch eindämmen. Normalerweise gibt es allerdings die üblichen Einwegbecher aus kunststoffbeschichteter Pappe auch bei Denns Biomarkt. Allerdings gibt es auch 30 Cent Rabatt wenn Kunden ihren eigenen Becher mitbringen und lediglich füllen lassen. Die Biomarktkette hat den Einwegverpackungen den Kampf angesagt, erklärt Jenny Rooks von Denns:

"Wir bieten an, dass alle Ware an Theken in mitgebrachte Mehrweggefäße gefüllt werden kann. Also, das heißt, der Kaffee am Backstand, aber auch das Brot in den eigenen Brotbeutel oder die belegte Stulle für die eigene Brotbox, genauso aber auch an der Käsetheke, wenn sie mit einer Tupperware kommen tun wir ihren Käse frisch geschnitten in die Tupperware und genauso auch am Fleischstand."

Pro Stunde 20.000 Einwegbecher

Allein für Coffee to go werden in Berlin pro Stunde 20.000 Einwegbecher verbraucht. Benutzt und dann weggeschmissen. Recycelbar ist das Material aufgrund der Kunststoffbeschichtung nicht. Damit diese Verschwendung endlich aufhört, hat sich genau vor einem Jahr die Aktion "Better World Cup" gegründet. Ein Zusammenschluss der Umweltverwaltung mit Umweltverbänden, der Berliner Stadtreinigung, der Industrie und Handelskammer und immer mehr Läden, die ihren Kunden Rabatte anbieten, wenn sie ihren Kaffee statt im Einwegbecher im eigenen Becher aus dem Laden tragen. Auch bei Denns prangt jetzt ein "Better World Cup"- Aufkleber an der Tür, freut sich Dorothee Winden von der Senatsverwaltung

"Wir sind vor einem Jahr mit 100 Läden gestartet, die beim Better World Cup mitmachen, jetzt sind wir bei über 650 und die Resonanz ist sehr gut. Also, wir haben bewusst den Rabatt so offen gelassen, dass jeder Ladeninhaber entscheiden kann, wie sind seine wirtschaftlichen Möglichkeiten. Es ist ja ein Unterschied, ob ich eine große Kette bin oder ob ich ein kleiner inhabergeführter Imbiss bin und vielleicht nicht so viel Rabatt geben kann und das funktioniert ganz gut."

4.000 eingesparte Pappbecher

Mit 30 Cent Rabatt auf Kaffee, Tee, Espresso oder Cappuccino liegt Denns ganz weit vorne. 4.000 Mal wurde in den über 30 Berliner Filialen seit dem letzten Sommer ein Getränk in mitgebrachte Becher der Kunden gefüllt. Das bedeutet 4.000 eingesparte Pappbecher.

Starbucks, das sich ebenfalls an der Aktion "Better World Cup" beteiligt, rechne mit einem Prozent der Kunden, die ihren Becher dabeihaben, sagt Thomas Fischer von der deutschen Umwelthilfe. Das sei viel zu wenig. Eine Ursache sei vielleicht, dass viele Läden die Rabatte gar nicht offensiv bewerben. Wie viele Einwegbecher seit dem Start der Aktion insgesamt eingespart wurden, kann niemand sagen. Aber: nur 15 bis 20 Prozent der Verbraucher seien prinzipiell bereit, einen Becher mitzubringen, mit sich herumzutragen und selber zu spülen, so Thomas Fischer. Man müsse auch die anderen 80 Prozent erreichen – und dazu habe es auch eine sinnvolle Idee gegeben.

"Weil der Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses war ja gewesen, in Berlin ein Pfandbechersystem einzuführen mit wiederbefüllbaren Bechern. Was ist passiert? Es ist nicht so viel."

Große Anbieter müssen mitmachen

Damit das dann überall und flächendeckend funktioniert und für die Kunden bequem ist, müssten allerdings auch die großen Anbieter mitmachen, wie Starbucks, McDonalds oder die Läden der Bäckerei Kamps. Niemand würde mehr das Flaschenpfandsystem infrage stellen, die Rückgabequoten lägen nahe an 90 Prozent. Wenn die großen Anbieter sich nicht an einem Pfandsystem beteiligen wollen oder selbst eins initiierten, dann sollte die Politik reagieren:

"Die Einführung einer Abgabe von mindestens 20 Cent auf jeden Einwegpappbecher wäre ein sehr sehr guter Einstieg, Einwegbecher auch ökonomisch unattraktiv zu machen. Das würde sehr dabei helfen, gerade die großen Kaffehändler dazu zu bekommen, auf Mehrweg umzusteigen und den Einwegbecher beiseite zu schieben."

Die Aktion "Better World Cup" sei deshalb ein guter und richtiger erster Schritt, so der Umweltexperte. Erfolgsversprechender sei allerdings ein Pfandsystem. Die Senatsverwaltung teilt dazu mit, dass die Einführung eines solchen Systems derzeit noch geprüft werde.

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