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StartseiteKultur heuteBusbahnhof Museumsinsel16.10.2018

Berliner Kulturinstitutionen wehren sichBusbahnhof Museumsinsel

Besucher sind auf der Berliner Museumsinsel willkommen. Doch die großen Reisebusse mit Touristen verstopfen die Straßen. Betroffene Kulturinstitutionen haben gegen Pläne des Senats protestiert, weitere Busparkplätze einzurichten. Die Interessengemeinschaft legte ein Alternativkonzept vor.

Claudia van Laak im Gespräch mit Anja Reinhardt

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Reisebusse vor dem Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel. Immer wieder gibt es Beschwerden, dass durch parkende Reisebusse der Blick auf die historischen Gebäude der Stadt verstellt wird. Reisebusse an der Berliner Museumsinsel *** Coaches in front of the Neues Museum on the Berlin Museum Island There are always complaints that the sightseeing of the historic buildings of the city is being blocked by parked coaches. Buses on the Berlin Museum Island (imago stock&people / Seeliger)
Busschlange vor dem Neuen Museum in Berlins Mitte (imago stock&people / Seeliger)
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Anja Reinhardt: Kritik von Ausstellungs- und Museumsmachern, die wird gerade in Berlin sehr laut. Nicht nur die Mitarbeiter des Humboldt Forums, das in gut einem Jahr eröffnen soll, sind verärgert. Auch aus der Hanns-Eisler-Musikhochschule ist deutliche Missbilligung zu hören. Es geht um die vielen Busse, die auf und rund um die Berliner Museumsinsel parken. Sie verpesten die Luft, sie nehmen zu viel Platz weg und überhaupt fühle man sich als Fußgänger nicht mehr sicher, so lauten die Vorwürfe. Und wenn es nach den Plänen des Berliner Senats geht, dann sollen genau vor dem Humboldt Forum noch zusätzliche Bushalteplätze entstehen. Heute nun äußerte sich die "Interessengemeinschaft Kultur und Bildung Spreeinsel" öffentlich zu den Plänen. Unsere Landeskorrespondentin Claudia van Laak hat zugehört.

"Chaotische Verkehrssituation"

"Weltkulturerbe wird Busbahnhof" lautet der griffige und plakative Vorwurf: Welches Szenario, Frau van Laak, befürchten die Kritiker?

Claudia van Laak: Im Moment ist es so, dass es gerade noch auszuhalten ist. Ich hab mir das heute mal angesehen. Direkt vor dem Dom, da stehen die Busse, parken zum Teil in zweiter Reihe, behindern sich gegenseitig. Behindern auf jeden Fall die Fußgänger und Fahrradfahrer. Der Motor läuft, damit es im Sommer schön kühl ist und im Winter kuschelig warm. So gerade noch auszuhalten, aber, Sie hatten es erwähnt, wenn Ende nächsten Jahres das Humboldt Forum eröffnet, dann rechnet man damit, dass in Spitzenzeiten etwa 28 Busse in der Stunde – nicht am Tag, sondern in der Stunde – dort Besucher abladen. Und der Senat plant da erste Park- bzw. Halteplätze auf der östlichen Seite des Humboldt Forums, direkt vor der Tür, vor der Hochschule für Musik Hanns Eisler, da ist der Rektor heute besonders sauer aufgetreten. Er sprang da wirklich im Dreieck, sagte: "Eine chaotische Verkehrssituation." Er fürchtet um die Sicherheit seiner Mitarbeiter und um die der Studierenden. Und er fürchtet, dass die ganzen Menschenmassen, die sich dann aus den Bussen ergießen, dass die alle ganz dringend auf die Toilette müssen und dann in seine Musikhochschule stürmen. Und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die sieht sogar das Weltkulturerbe gefährdet. Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums:

"Man kann einen Welterbestatus nicht damit positiv befördern, indem man wirklich zum Busparkplatz wird. Auch andere Welterbestätten weltweit lösen es durchaus so, dass die Busse da nicht unbedingt bis vor das Welterbe gelassen werden. Und das kann ich als Ägyptologin sagen, ich kenne auch die Antikenstätten in Ägypten, und auch da ist man mittlerweile soweit und sagt: Wir wollen die Busse möglichst weit weg haben."

Also, soweit Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums.

Reinhardt: 2016 wurde ja eigentlich im Koalitionsvertrag festgehalten, dass es genau dort eine verkehrsberuhigte und fußgängerfreundliche Zone geben sollte. Ist denn dieses Vorhaben ad acta gelegt?

van Laak: Es gab mal, das ist richtig, dieses Vorhaben, einen Teil des Boulevards Unter den Linden zur Fußgängerzone zu machen. Das ist im Koalitionsvertrag verankert. Ja, aber ehrlich gesagt, hat man nie wieder was davon gehört. Und meines Wissens wird dieser Plan auch gar nicht weiter verfolgt.

Konzept als Gegenvorschlag

Reinhardt: Jetzt ist es ja so, dass die Museen natürlich Besucher wollen, die ja auch zahlreich kommen. Das weiß jeder, der da mal war auf der Museumsinsel. Ist das nicht auch ein bisschen scheinheilig, sich dann über die Busse zu beschweren?

van Laak: Naja, sie beschweren sich ja nicht ganz grundsätzlich über die Busse, sondern nur über die Busse direkt vor ihrer Tür. Und das finde ich durchaus nachvollziehbar. Und diese sechs Kulturinstitutionen, die haben heute auch ein eigenes Konzept vorgestellt. Sie möchten eben, dass die Busse etwas weiter entfernt parken, in der Nähe des Alexanderplatzes. Und das Humboldt Forum, das bietet an, eigenes Personal auch dann dafür abzustellen, das mithelfen soll, dass die Busse problemlos an- und abreisen. Dann soll eine App entwickelt werden, mit deren Hilfe dann die Busfahrer bestimmte Halte- und Parkplätze zugewiesen bekommen zu einer bestimmten Zeit. Das alles kostet Zeit, die läuft der Verwaltung weg und auch den Kulturinstitutionen. Und die sehen eben das absolute Chaos ausbrechen, wenn das Humboldt Forum eröffnet wird.

Reinhardt: Gibt es denn schon Reaktionen des Senats auf diese Pressekonferenz heute?

van Laak: Ja, die gibt es. Die gab es auch schon vorher. Der Senat betont natürlich: Das ist kein Busbahnhof. Der Begriff sei falsch, sagen sie. Sie weisen den Begriff zurück und sagen: Es sind allenfalls Bushalteplätze. Das ist ein bisschen Wortgeklingel. Und die Verkehrsverwaltung gibt sich eigentlich entspannt und sagt: Wir haben die Probleme erkannt, wir befinden uns noch in einem Abstimmungsprozess. Und in der Bauverwaltung heißt es: Diese geplanten Busparkplätze vor der Musikhochschule, die seien beschlossen, und die würden wirklich gebaut. Schon im November soll es losgehen. Allerdings bin ich mir nicht ganz so sicher, ob da das letzte Wort schon gesprochen ist.

Reinhardt: Weltkulturerbe Museumsinsel in Gefahr. Unsere Landeskorrespondentin Claudia van Laak berichtete.

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