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Bertelsmann-StudieAltersarmut nimmt zu

Ein älterer Herr mit Gehstock trägt eine Plastiktüte und steigt eine Treppe hoch. (dpa/Christian Charisius)
Das Armutsrisiko im Alter steigt der Studie zufolge in den kommenden 20 Jahren an (dpa/Christian Charisius)

Wer heute Mitte 40 ist, hat ein hohes Risiko, im Alter arm zu werden. Eine entsprechende Studie legt die Bertelsmann-Stiftung vor. Der Ökonom Bert Rürup sagte im Deutschlandfunk, die Vermeidung von Armut sei keine Aufgabe der privaten Vorsorge, sondern des staatlichen Systems.

Das Risiko für Altersarmut in Deutschland nimmt in den nächsten Jahren weiter zu. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ist ab 2036 jeder fünfte Neu-Rentner von Armut bedroht. 2015 war es noch gut jeder Sechste. Die Untersuchung geht davon aus, dass mehr Menschen Grundsicherung beantragen müssen.

Am stärksten betroffen sind demnach alleinstehende Frauen, Menschen ohne Berufsausbildung und Langzeitarbeitslose. Das Rentensystem sei nicht ausreichend auf die steigende Zahl flexibler Arbeitsverhältnisse und geringer Einkommen vorbereitet, schreiben die Autoren. An dieser Realität gingen auch die aktuell diskutierten Vorschläge zur Verbesserung des Rentensystems vorbei, betonte Christof Schiller von der Bertelsmann-Stiftung im Deutschlandfunk-Bericht. Risikogruppen würden davon nicht profitieren. 

Rürup: Stabiles Rentenniveau nützt nichts

Auch der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup sieht die Politik in der Pflicht. Die Vermeidung von Armut sei keine Aufgabe der privaten oder betrieblichen Vorsorge, sondern des staatlichen Systems, betonte der frühere Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Deutschlandfunk-Interview. 

Ein stabiles Rentenniveau, auf das sich die politische Debatte derzeit konzentriere, nütze bei der Armutsbekämpfung überhaupt nichts, erklärte Rürup. Das Rentenniveau habe für Politiker einen hohen symbolischen Wert. Für armutsgefährdete Menschen seien aber andere Instrumente wie die Solidarrente entscheidend. Die Koordinaten des Rentensystems werden sich Rürup zufolge verschieben. Die Politik werde nicht mehr so sehr auf die Statussicherung schauen können und dafür mehr darauf, Armut zu vermeiden. 

Minus in der Rentenkasse

Nach einem Bericht der Dortmunder "Ruhr Nachrichten" hat die Rentenkasse im vergangenen Jahr ein Minus von 2,2 Milliarden Euro verzeichnet. Das Defizit liege damit um gut 600 Millionen Euro höher als im Vorjahr. Grund seien höhere Ausgaben.

Auch der Ökonom Joachim Ragnitz kritisierte unlängst im Deutschlandfunk, die Konzepte der Parteien zur Stabilisierung des Rentensystems böten keine Lösung für das Problem der Altersarmut.

(riv/jcs)

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