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StartseiteNachrichten vertieftArme Kinder sprechen schlechter Deutsch13.03.2015

Bertelsmann-StudieArme Kinder sprechen schlechter Deutsch

Kinder, deren Familien von Hartz IV leben, hinken bereits im Vorschulalter in ihrer Entwicklung hinterher. Sie sprechen schlechter Deutsch, haben weniger soziale Kontakte und Schwierigkeiten mit der Körperkoordination. Das ergab eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung.

Kind mit Puppe (dpa / picture alliance)
Kind mit Puppe (dpa / picture alliance)
Weiterführende Informationen

Weihnachten in armen Familien - "Kinderarmut ist immer abgeleitete Armut der Erwachsenen"
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 22.12.2014)

UNICEF-Bericht - Arme Kinder in reichen Ländern
(Deutschlandfunk, Aktuell, 28.10.2014)

UNICEF-Studie - Kinderarmut in Industrieländern nimmt zu
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 28.10.2014)

Mehr als 40 Prozent der armutsgefährdeten Kinder sprechen nur mangelhaft Deutsch - im Vergleich zu 14 Prozent in finanziell besser ausgestatteten Familien. Ähnlich sieht es bei Problemen mit der Körperkoordination aus (24,5 zu 14,6 Prozent), dem Umgang mit Zahlen (28 zu 12,4 Prozent) oder deutlichem Übergewicht (8,8 zu 3,7 Prozent).

Kinder, die in ärmeren Familien aufwachsen, kaum Zugriff auf soziale und kulturelle Angebote haben - nur zwölf Prozent lernen ein Instrument, weniger als halb so viele wie in finanziell unabhängigen Familien - in Sportvereinen sind 46 Prozent beziehungsweise 77 Prozent aktiv.

Kitas kein Allheilmittel

Ebenfalls weniger Kinder besuchen vor dem dritten Geburtstag eine Kindertagesstätte - 31 Prozent in der Gruppe ärmerer Kinder, 48 Prozent in der anderen Gruppe. Doch ein Kita-Besuch ist laut Studie kein Allheilmittel. Positive Effekte habe die Kita nur, wenn die Gruppen sozial gemischt sind. Bei Kitas in sozialen Brennpunkten funktioniere das nicht. "Kitas in sozialen Brennpunkten brauchen dann mehr Geld, mehr Personal und mehr Förderangebote", sagt Brigitte Mohn vom Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

Für die Studie haben Forscher der Uni Bochum 5.000 Schuleingangsuntersuchungen an Fünf- und Sechsjährigen der Jahre 2010 bis 2013 in der Ruhrgebietsstadt Mülheim im Ruhrgebiet analysiert. Mehr als 17 Prozent der unter dreijährigen Kinder in Deutschland wachsen demnach in Familien auf, die von Hartz IV leben. Das Ergebnis lasse sich laut Studienleitern gut auf Deutschland übertragen, da die ganze Stadt mit seinen sehr unterschiedlichen Vierteln in den Blick genommen worden sei.

(vic/tzi)

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