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StartseiteCampus & KarriereFördern und motivieren01.07.2015

BerufseinstiegsbegleiterFördern und motivieren

Die Anforderungen an Schulabgänger steigen - viele Hauptschüler haben kaum Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Deswegen gibt es jetzt an einigen Schulen sogenannte Berufseinstiegsbegleiter. Sie sollen die Schüler fördern und sie auf ihrem Weg in den Beruf unterstützen.

Von Axel Schröder

Arno Horns ist gelernter Kaufmann. Vor fünf Jahren schulte er um und arbeitete für die Deutsche Angestellten-Akademie. Eingesetzt wurde Horns vor allem in Jugend-Projekten. Seit einem Jahr ist er nun für das Bundesinstitut für Berufsbildung als Berufseinstiegbegleiter an der norddeutschen Küste unterwegs. Sein Job: die Förderung von Schülerinnen und Schülern, die einen Hauptschulabschluss in der Tasche haben, aber damit noch längst keine Aussichten auf einen Ausbildungsplatz:

"Selbst ein Maurer muss heute noch Mittlere Reife haben, weil er rechnen muss in der Berufsschule. Und Kfz-Mechaniker gibt es nicht mehr, nur noch Mechatroniker. Mechatroniker - Mittlere Reife! Sonst haben die keine Chance. Die Jungs, die früher als Kfz-Mechaniker angefangen haben, haben heute keine Chance mehr."

Auf dem Basisseminar für Berufseinstiegsbegleiter in Hamburg berichtete Arno Horns den Teilnehmern über die Praxis seines Berufs, über die Fähigkeiten, die ein Begleiter mitbringen muss. Zuallererst ist das die Fähigkeit, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen, offen zu sein für deren Fragen und Zweifel. Und oft genug, so Arno Horns, müsse man auch den Eltern der Jugendlichen Rede und Antwort stehen. Erklären, warum ihr Kind eine besondere Förderung bekommen soll:

"Da gibt es Traditionen und Argumente: Mein Kind kriegt diesen Stempel nicht aufgedrückt! Mein Kind braucht keine Förderung, mein Kind braucht keine Nachhilfe! Das schafft mein Kind alleine."

Und dann, so Horns, kann er oft aber durch seine Erfolgsquote beeindrucken. 70 Prozent der Jugendlichen, die er betreut, schaffen die Mittlere Reife und bekommen einen Ausbildungsplatz. Gefördert wird das Projekt der Berufseinstiegsbegleitung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Arbeitsministerium. Das Ziel: An 2.500 Schulen sollen rund 115.000 junge Leute von Menschen wie Arno Horns beim Weg in den Beruf unterstützt werden. Ihre Büros haben die Berufseinstiegsbegleiter direkt vor Ort in den Schulen. Und sind zuständig für maximal 20 Schüler, die eine Förderung nötig haben.

Netzwerke mit Betrieben aufbauen

Beim Hamburger Seminar für angehenden Berufseinstiegsbegleiter lernten die Teilnehmer, wie sie die Jugendlichen am besten erreichen können, so Michael Schulte vom Bildungsinstitut für Berufsbildung:

"Das ist vor allem der Paradigmenwechsel! Das man sagt: "Wir gucken auf die Stärken der Jugendlichen!" Früher hat man erst mal immer nur die Schwächen der Jugendlichen analysiert, um dann zu gucken, wie man das ausbügeln kann. Heute guckt sich eher die Stärken an und fragt sich: " Wie können wir die Stärken entwickeln? Was können wir da rausholen, welche Potenziale können wir in den Jugendlichen wecken?" Damit der auch Lust bekommt auf dieses Thema!"

Und natürlich ging es auf dem Hamburger Workshop auch darum, welche Förderinstrumente es für die Schüler gibt oder wie Netzwerke mit Ausbildungsbetrieben aufgebaut werden können, mit Handels- und Handwerkskammern. Welche Betriebe gibt es in der zukünftigen Einsatzregion, wer bietet Praktikumsstellen? Dieses Wissen müssen sich die Berufseinstiegsbegleiter selbst aufbauen und in den Betrieben für ihre Arbeit werben. Zwei Jahre lang stehen die Begleiter ihren Schützlingen zur Seite. Ein Jahr vor dem Schulabschluss und ein Jahr nach Beginn der Ausbildung:

"Der Berufseinstiegsbegleiter versucht immer, den Jugendlichen auch zu ermutigen, dass er am Ball bleibt, dass er die Ausbildung durchhält. Vor allem das erste Ausbildungsjahr gilt ja immer als etwas kritisch. Und da ist der "Bereb", der Berufseinstiegsbegleiter eine ganz wichtige Stütze für diese Jugendlichen. Aber auch für den Betrieb. Weil der Betrieb mit dem Berufseinstiegsbegleiter immer einen Ansprechpartner hat."

Die Arbeit wird den Berufseinstiegsbegleitern, den "Berebs" auf jeden Fall nicht ausgehen. Immerhin steigen die Anforderungen an die Schulabgänger. Und Ausbildungsplätze, das versichert auch Arno Horns, gibt es genug.

 

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