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StartseiteCampus & KarriereBerufsqualifizierung für die brotlosen Künste06.06.2003

Berufsqualifizierung für die brotlosen Künste

Ein Workshop will die Einstiegschancen für Kunsthistoriker verbessern

<strong> Eine Karriere im Kunstmarkt streben viele Kunsthistoriker an - doch die Stellen sind dünn gesät. Auch ist das Studium allein häufig nicht ausreichend, um sich genügend Fachkenntnisse anzueignen. Um den Studierenden eine möglichst frühe Orientierungshilfe bei dem Einstieg in den Beruf zu ermöglichen, gibt es seit einigen Jahren die ''Sommerakademie Kunstmarktberufe'', die pro Jahr mehrere Workshops veranstaltet, um die Kunsthistoriker fit für den Berufseinstieg zu machen. Von Mittwoch bis heute Nachmittag sollen Studierende und junge Berufsanfänger in Frankfurt lernen, wie man beispielsweise Möbel und Porzellan-Objekte beschreibt, datiert und einen Preis festlegt. </strong>

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Die Beschreibung der Tasse: Es ist eine Meißen-Tasse, und zwar ein glatter Fuß, konische Wandung, mit Streublumen und ein Porträtmedaillon vorne drauf, Goldrand, und auch das Porträt ist goldgefasst. Dann ein Ohrenhenkel in Form eines Schwanenhalses. Wobei der Schwanenschnabel in die Tasse beißt.

Etwa 20 Studierende aus dem Fach Kunstgeschichte, aber auch Berufstätige sitzen im von der Sonne aufgeheizten Ausstellungsraum des Frankfurter Auktionshauses Arnold. Um sie herum stehen Biedermeierschränke, barockisierende Tischchen, Porzellanfigürchen und kleine Plastiken. Drei Tage lang sollen sie den Alltag innerhalb eines Auktionshauses kennen lernen. Dafür dürfen sie viele der Gegenstände anfassen, herumdrehen und begutachten.

Das ist eine Figurengruppe, es sind Herkules und Ophalie mit einem Rokaillesockel, sehr detailliert, sehr fein gemalt, allerdings mit leichten Abbrüchen. Die sind vergoldet und polychrom, und wir haben das auf 1750 datiert mit einem Schätzwert von 1500 Euro.

Der Workshop bietet den Studierenden die Möglichkeit, praxisbezogene Fähigkeiten zu erlernen, die viele Kunsthistoriker sich normalerweise erst im Job aneignen können. Denn das Studium vernachlässigt die Arbeit an konkreten Kunst-Gegenständen nahezu vollkommen. Deshalb sind viele Absolventen einfach viel zu schlecht auf ihren Berufseinstieg vorbereitet, weiß Benno Lehmann, der einen Lehrauftrag in Kunstgeschichte an der Uni Heidelberg hat und den Workshop fachlich begleitet.

Man hat sich bisher allein darauf konzentriert, dass das ganze Studium nur auf Forschung und Lehre ausgerichtet wird und nicht auf die praktischen Begebenheiten, wie es heute eigentlich notwendig wäre. Und ein wesentlicher Teil wird an den Hochschulen vernachlässigt: das ist die sogenannte angewandte Kunst, also das Kunsthandwerk, während die bildende Kunst nach wie vor favorisiert wird. Damit wird eine große Zahl an jungen Menschen produziert, mit Wissen in Ressourcen, die nicht einsetzbar sind und eben durch zusätzliche Kurse ihr Wissen erweitern müssen, um es dann praxisorientierter zum Einsatz zu bringen.

Um sich auf dem engen Kunstmarkt in Deutschland behaupten zu können, soll die Teilnahme an dem Workshop die Studierenden zu jungen Experten machen, die nicht nur als Praktikanten einsetzbar sind, sondern in einem Kunstbetrieb früh eigene Aufgaben übernehmen können. Darüber hinaus bieten Fachleute den Studierenden auf den Workshops konkrete Hilfe bei ihrem Einstieg in den Beruf an, erläutert Verena Voigt, Leiterin und Gründerin der Veranstaltungsreihe.

Wir schaffen Arbeitsplätze. Wir zeigen, wie man Jobs suchen kann und vermitteln die Leute auch in die Stellen hinein. Das kann ich natürlich nur durch mein Netzwerk und dadurch, dass ich mit Verbänden zusammenarbeite und natürlich auch Druck ausübe und sage: ihr könnt jetzt nicht nur auf meinen Foren irgendwelche schlauen Dinge sagen, sondern ihr müsst mir auch einen Arbeitsplatz oder einen Praktikumsplatz oder Volontariate zur Verfügung stellen, ihr dürft nicht so cool zum Nachwuchs sein.

Einziges Problem: der Überhang an gut ausgebildeten Kunsthistorikern wird von Jahr zu Jahr größer und die Stellen immer dünn gesäter. Ein Einstieg in den öffentlichen Dienst, zum Beispiel ins Museum, ist derzeit nahezu unmöglich, weil Stellen aufgrund knapper Kassen auslaufen und nicht neu besetzt werden. Auch in privat geführten Unternehmen ist der Bedarf an Personal nur sehr begrenzt; die Stellen sind außerdem häufig schlecht dotiert. Deshalb rät der Workshop auch dazu, rechtzeitig berufliche Alternativen zu überdenken; dazu gehört zum Beispiel die Schnittstelle zwischen Kunst und Wirtschaft. Die Teilnehmer des Workshops hoffen dennoch, ihre Leidenschaft für die Kunst doch noch zum Beruf machen zu können, so auch Christiane von Gilser, die im 9. Semester Kunstgeschichte studiert.

Alles andere wäre für mich jetzt einfach zu schwierig. Ich möchte einfach gerne optimistisch sein. Ich weiß, dass es schwer ist, aber ich habe auch das Gefühl durch diesen Workshop bekommen, dass es unheimlich viele vielfältige Möglichkeiten gibt, die einem vielleicht gar nicht so bewusst sind , und durch die Gespräche mit den Leitern und Teilnehmern des Workshops kriegt man das auch mit, dass man was machen kann.

Autorin: Antje Allroggen

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Praxisforum Berufsorientierung Verena Voigt Ludgerusweg 25 48720 Rosendahl

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