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StartseiteMarktplatzMit dem Elektrorad zur Haltestelle03.04.2014

BerufsverkehrMit dem Elektrorad zur Haltestelle

Die Gemeinde Mettingen in Nordrhein-Westfalen macht den Menschen auf dem Land ein besonderes Nahverkehrs-Angebot. Die Kunden bekommen vom Busunternehmen ein Elektrorad, mit dem sie die teils langen Wege bis zur Haltestelle zurücklegen können.

Von Kai Rüsberg

Ein Frau fährt München mit einem Pedelec, einem Fahrrad, das mit einem Elektromotor den Antrieb unterstützt
Die Abonnenten in Mettingen können die E-Bikes mieten oder kaufen.
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Weiterführende Information

Alternativen für Pendler zum eigenen Pkw (Deutschlandfunk, Marktplatz, 03.04.2014)

Thorsten Böschemeyer ist mit seinem Elektrofahrrad auf dem Weg nach Mettingen. Er wohnt im Norden von Nordrhein-Westfalen recht abgelegen auf dem Land und will in dem kleinen Ort in den Schnellbus umsteigen. Das Pedelec-Fahrrad hat er vom Busbetreiber zur Miete bekommen - die ersten vier Monate kostenlos. Dadurch konnte er es abends auch mit nach Hause nehmen und fährt morgens wieder zur Haltestelle.

"Ich glaube, wer das nutzt, da wird ein Großteil schnell sagen, dass möchte ich auch gerne."

Von seiner Bushaltestelle aus hat er noch drei Kilometer Strecke bis nach Hause. Selbst wenn er von der Arbeit erschöpft ist, schafft er den Weg mit der Unterstützung des Elektromotors locker.

"Wunderbar, das geht klasse. Die Unterstützung nimmt man gerne mit. Ich arbeite im Büro, da ist es gut, wenn man nicht durchgeschwitzt ankommt."

Der Familienvater muss täglich 25 Kilometer zur Arbeit fahren. Ohne das neue Angebot aus dem Pilotversuch "STmobil", bei dem die Fahrradnutzung integriert ist, hätte er den Nahverkehr nicht nutzen können.

"Wir haben hier vor Ort in einem Ortsteil ein Haus gekauft und wollten was für die Umwelt machen und Geld sparen und das zweite Auto abschaffen. Wir haben geguckt, wie wir nach Osnabrück kommen können."

Vier mal so viele Abos

Weil es nur wenige Buslinien gibt, hatten bislang nur 15 Berufspendler in Mettingen bei der Busgesellschaft RVM ein Abo. Die weiten Wege bis zur nächsten Haltestelle machten das Busfahren nicht attraktiv, bestätigt Kundenbetreuer Franz-Josef Verst.

"Sie sind in einer ländlichen Region. Hier ist das Problem, dass die Haltestellenstruktur die Wege von zu Hause weit machen. Im Wesentlichen beschränkt sich das auf Schnellbuslinien."

Nach Ablauf der Vier-Monats-Schnupperphase für Elektroräder muss eine Miete gezahlt werden. Möchte der Abonnent ein eigenes Pedelec, zahlt das Busunternehmen ein Viertel des Kaufpreises von 2.000 Euro als Zuschuss. Zusätzlich bietet das "STmobil"-Abo bietet eine Taktverdichtung für den Schnellbus sowie einen Internet- und Zeitungsservice während der Fahrt. Und zumindest am Hauptbahnhof in Osnabrück können die Abonnenten auch den Weg zum Arbeitsplatz ohne Zusatzkosten mit dem Rad fortsetzen.

"Wir haben es gemeinsam mit Stadtwerken geschafft, dass Pedelecs in der Radstation  ausgeliehen werden können und konnten so die letzte Meile bis zum Arbeitsplatz schließen."

Das Land und die Kommune fördern das Pilotprojekt in Mettingen insgesamt mit 230.000 Euro als Beispiel für die Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum - auch ohne Auto.  Nach zwei Jahren hat sich die Zahl der Abonnenten auf 60 vervierfacht. Das Programm läuft noch ein weiteres Jahr. Dann muss eine Anschluss Finanzierung gefunden werden.

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