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StartseiteKommentare und Themen der WocheFast zu schön, um wahr zu werden09.10.2018

Bessere ZuganschlüsseFast zu schön, um wahr zu werden

Für Bahnreisende soll ein neues System, der sogenannte Deutschlandtakt, mit besser abgestimmten Umsteigeverbindungen aufgebaut werden. Soll diese Herkulesaufgabe gelingen, braucht es den Rückhalt der Politik, kommentiert Brigitte Scholtes.

Von Brigitte Scholtes

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Ein ICE fährt 2002 wenige Tage vor der Öffnung der ICE Strecke Frankfurt - Köln eine Testfahrt entlang der A3 bei Dierdorf.  (dpa / Ulrich Baumgarten)
Bis eine schöne neue Bahnwelt entsteht, werden wahrscheinlich noch Jahrzehnte vergehen, glaubt Brigitte Scholtes (dpa / Ulrich Baumgarten)
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Das passt: An dem Tag, an dem auch in Berlin Diesel-Fahrverbote verhängt werden, präsentiert das Bundesverkehrsministerium einen Grundsatzentwurf, um mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Was auf den ersten Blick wirken mag wie ein taktisch gut platzierter Schnellschuss, ist aber lange vorbereitet worden, denn die Initiative Deutschlandtakt arbeitet schon seit zehn Jahren an einem neuen System. Ihr Vorbild, den integralen Taktfahrplan in der Schweiz, gibt es schon seit 1982.

Fahrgäste können besser planen

Tatsächlich hat die deutsche Verkehrspolitik einen systematischen Ansatz dringend nötig. Zunächst einen Zielfahrplan zu erstellen und dann zu schauen, was dafür nötig ist, das ist sinnvoll. Bisher lief es umgekehrt. Man darf zwar auch bisher vermuten, dass die Bahn ein System für ihren Fahrplan in Deutschland hat. Doch der hat sich – auch aus historischen Gegebenheiten oder landespolitischen Erwägungen – nicht unbedingt daran ausgerichtet, was für die Fahrgäste am besten ist. Wenn die aber künftig zuverlässig wissen, dass sie kurze Umstiegszeiten haben, dann können sie besser planen. Und wenn sie noch dazu sicher sein können, dass es einen Taktverkehr an den Fernbahnhöfen alle 60 oder vielleicht sogar 30 Minuten gibt, Abfahrtszeiten, die man sich einfach merken kann, dann dürfte auch das mehr Fahrgäste anlocken.

Das Netz muss neu eingeteilt werden

Doch bis eine schöne neue Bahnwelt entsteht, werden wahrscheinlich noch Jahrzehnte vergehen. Denn dazu müssen sich nicht nur der Regional- und auch der Nahverkehr auf dieses System einstellen, dazu muss vor allem erst einmal die Bahn die Voraussetzungen schaffen. Das Netz muss neu eingeteilt werden, damit dieses System funktionieren kann. Zwischen den Knotenpunkten müssen die Fahrzeiten immer gleich sein, denn sonst ist die Zuverlässigkeit nicht gegeben. Dazu muss in die Infrastruktur investiert werden, und an manchen Streckenabschnitten kann das sehr teuer werden. Es müssen genügend Ersatzfahrzeuge und das nötige Personal. Vorgehalten werden, um pünktlich zu sein. Unpünktlichkeit würde zum Zusammenbruch dieses Systems führen. Es ist also viel Disziplin nötig.

Viele Probleme würden gelöst

Aus heutiger Perspektive kann man sich kaum vorstellen, dass die Deutsche Bahn das schaffen kann. Sie darf aber nicht allein dafür verantwortlich sein. Vielmehr muss die Politik hinter diesem System stehen, und dafür braucht es nicht zuletzt genügend finanzielle Mittel, damit ein solcher Umbau des Netzes zum Erfolg führen kann. Dazu ist die Politik angeblich bereit. An den Fahrgästen jedenfalls wird es nicht liegen.

Es würde viele Probleme der heutigen Verkehrsinfrastruktur lösen – und nicht nur der. Endlich würde die Bahn als Verkehrsträger aufgewertet - nicht zuletzt dient dies dem Klimaschutz.  Ein solcher Umbau würde lohnen. Es klingt fast zu schön, um wahr zu werden.

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