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StartseiteWirtschaft am MittagDelivery Hero geht an die Börse29.06.2017

Bestell-Plattform und LieferdienstDelivery Hero geht an die Börse

Der Lieferdienst Delivery Hero geht an die Börse. Eine Aktie kostet etwa das Doppelte dessen, was ein Fahrradkurier dort durchschnittlich pro Stunde verdient. Profitabel ist das Unternehmen noch nicht, die Konkurrenz ist groß - obwohl das Geschäftsmodell längst nicht für jedes Restaurant geeignet ist.

Von Jessica Sturmberg

Das Logo von "Delivery Hero" und die Werbefigur von "Lieferheld" in der Firmenzentrale der Bestell-Plattformen in Berlin (picture alliance/ dpa/ Jens Kalaene)
Das Logo von "Delivery Hero" und die Werbefigur von "Lieferheld" in der Firmenzentrale der Bestell-Plattformen in Berlin (picture alliance/ dpa/ Jens Kalaene)
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Lieferdienst-Fahrer Heiße Ware im Gepäck

Wer Essen bestellen möchte, hat bis Kurzem irgendeinen einen Flyer von einer Pizzeria genommen, da angerufen und bestellt. Doch nicht jedes Restaurant betreibt den Aufwand, um Flyer zu drucken oder konnte ihn betreiben.

Wie bringt man nun hungrige Kunden mit Restaurants zusammen, für die sich ein Lieferdienst nicht lohnt? Oder die mit ihrer Homepage nicht viele erreichen? Das hat der Schwede Niklas Östberg, ehemaliger Unternehmensberater, vor sechs Jahren als Geschäftsmodell ausgemacht und das Unternehmen Delivery Hero gegründet. Morgen ist die Erstnotiz an der Börse. 

Anna Siena und ihr Mann haben vor vier Jahren ein kleines Restaurant in Köln aufgemacht. Die "PastaBar", ein liebevoll eingerichtetes Lokal, zehn Tische, zwei Angestellte. Um etwas bekannter zu werden, hatten sie sich für die App "foodora" angemeldet.
 
"Weil wir wollten so etwas Neues probieren. Und natürlich am Anfang läuft es noch nicht super und man muss etwas machen. Und das sind gute Möglichkeiten."

30 Prozent geht an "foodora"

Anna Siena gibt im Internet ein, wann sie und ihr Mann Essen anbieten, und sobald dann eine Bestellung eingeht, kommt kurz darauf einer der in Magentafarben gekleideten Radkuriere, holt das Essen ab und bringt es zum Besteller. So das Prinzip. 30 Prozent des Preises gehen an "foodora", eine von drei Bestellapps, die Delivery Hero betreibt. 

"Am Ende des Monats ist es ein Plus, dass Du hast. Von daher – warum nicht?", fragte sich Anna Siena.

Allerdings dürfen es für die Anbieter nicht zu viele Internetbestellungen werden, sagt Handelsexperte Prof. Thomas Roeb von der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg. Sonst würde es für sie unrentabel. 
 
"Das kann man nur als Zusatzgeschäft betrachten, wenn man bestimmte Kosten, die man sowieso hat - Fixkosten - wenn man die aus der Kalkulation herausnimmt", sagt Roeb.

Mehr als 6.000 Kuriere werden beschäftigt

Die Fixkosten wie Miete und Personal müssten durch das reguläre Geschäft erwirtschaftet werden. Delivery Hero ist in rund 40 Ländern aktiv, beschäftigt mehr als 6.000 Fahrradkuriere. Viele von ihnen auf freiberuflicher Basis: "Ich kriege neun Euro die Stunde, plus Trinkgeld. Im Schnitt kommt man dann so auf zwölf, 13 Euro", erzählt dieser Fahrer.

Eine Aktie von Delivery Hero kostet etwa das Doppelte. Der Ausgabepreis liegt bei 25,50 Euro. Rund eine Milliarde Euro wird das Berliner Unternehmen insgesamt von den Anlegern einsammeln. Profitabel ist Delivery Hero bisher allerdings noch nicht, mit den vielen Fahrradkurieren, die bezahlt werden müssen und den hohen Marketingausgaben. Und ob es das je wird, ist schwer vorauszusagen, so die Einschätzung von Handelsexperte Roeb:

"Weil die eigentliche Leistung leicht kopiert werden kann, das Portal anzubieten und die entsprechende Logistik anzubieten. Entsprechend gibt es Alternativunternehmen, die in ähnliche Richtung vormarschieren. Wie wir bei Amazon erkennen können, kommt es ganz stark darauf an, dass man hier der Erste und Stärkste ist im Markt."

150.000 Restaurants im Verbund

Delivery Hero arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 150.000 Restaurants zusammen; für diejenigen, die einen eigenen Lieferservice haben, mit den Apps "lieferheld" und "pizza.de". Hier müssen die Restaurantbetreiber elf Prozent für die Vermittlung zahlen. 

Anna Siena mit der Kölner PastaBar ist dagegen wieder ausgestiegen. Es war ihr und ihrem Mann zu viel, und passte auch nicht so ganz ins Konzept. Selbstgemachte frische Pasta für 14, 16 Euro im Internet zu vertreiben, sei doch nicht das Richtige für sie, erklärt Anna Siena: 

"Die Leute müssen hierher kommen und so die Atmosphäre genießen, weil das ist nicht nur so das Essen, das sind die Gäste, die hier sitzen, die Geräusche von Tellern und Besteck. Und wir möchten, dass die Gäste erst mit den Augen essen und dann mit dem Gaumen und der Zunge."

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