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StartseiteVerbrauchertippWidersprechen und nicht zahlen08.05.2020

Betrug beim InkassoWidersprechen und nicht zahlen

Ein Inkasso-Unternehmen mahnt in harschem Tonfall eine angeblich versäumte Zahlung an und verlangt dabei auch noch horrende Gebühren. Nicht selten sind solche Forderungen frei erfunden. Betroffene sollten dennoch schnell reagieren – und widersprechen.

Von Thomas Wagner

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Symbolbild zum Thema Inkasso: Alte Bleilettern bilden das Wort Inkasso. (imago / Imagbroker)
Betrügerisches Inkasso hat zugenommen, beobachtet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (imago / Imagbroker)
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"Inkasso-Geschäfte sind das tägliche Geschäft des Anwaltes. Manchmal sind es erfundene Forderungen: Es sind Telefonanbieter. Es sind angeblich abgeschlossene Abonnements."

So Eberhard Börner, Rechtsanwalt im Landkreis Konstanz. Sein Ratschlag:

"Entscheidend bleibt doch immer, dass der angebliche Schuldner unverzüglich widerspricht."

Ein solcher Widerspruch ist seiner Ansicht nach geboten, wenn auch nur der leiseste Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Forderung besteht. Denn legt der Betroffene Widerspruch ein, darf das Inkasso-Büro zunächst keinen Schufa-Eintrag veranlassen - bis wirklich geklärt ist, ob die Forderung berechtigt ist.

"Und in der Mehrheit aller Fälle, die wir haben, trifft das einfach nicht zu. Oft ist die Hauptforderung nicht gerechtfertigt.

Und zwar dann, so Wirtschaftsjurist Erich Nolte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, wenn gar kein rechtskräftiger Vertrag zustande gekommen ist. Also: Ein Verbraucher bestellt ein Buch – und das Buch wird tatsächlich geliefert. Dann ist der vereinbarte Preis fällig. Nur: Bei vielen Inkasso-Bescheiden, das zeige die Praxis, sind die Forderungen frei erfunden.

Forderungen und Gebühren kritisch prüfen

"Das sind wirklich Forderungen, die nicht existieren, aus dem Reich der Mythen und Legenden."

Ein Beispiel:

"Dann gibt es beispielsweise die Forderung, man hätte irgendetwas bestellt im Internet, irgendeinen Film runtergeladen."

Ohne dass das Inkassobüro belegen kann, dass dabei tatsächlich ein kostenpflichtiges Geschäft zustande gekommen ist. Dabei sollten die Verbraucher nicht nur die Hauptforderung des Inkasso-Bescheides kritisch überprüfen, sondern auch die anfallenden Gebühren. Erich Nolte:

"Es gab auch schon Inkassobüros, die haben wegen 50 Cent Hauptforderung Gebühren in Höhe von 70 Euro und 20 Cent verlangt. Dass das nicht korrekt ist, darüber müssen wir uns nicht wirklich unterhalten."

Aber was ist korrekt? Dazu Rechtsanwalt Eberhard Börner:

"Nach entsprechendem Gesetz sind die Gebühren, die berechtigt sind, nicht höher als die Gebühren eines Anwaltes."

Hilfe bei Verbraucherzentralen

Die Verbraucherzentralen bieten mittlerweile verunsicherten Empfängern von Inkasso-Bescheiden eine Hilfe im Internet an: Unter www.inkasso-check.de findet sich im Internet eine Check-Liste der Verbraucherzentrale mit Erklärvideo. Dort können Verbraucher die Daten ihres Bescheids eingeben und sich gleich das passende Widerspruchsschreiben ausdrucken lassen.

Daneben bietet aber auch der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. eine Beschwerdemöglichkeit an.

"Es geht sehr einfach, über die Website www.inkasso.de Da gibt es ein Formular, das man ausfüllen kann. Und dann ist die Beschwerde beim BDIU."

So die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries; sie ist beim Inkasso-Verband zur Ombudsfrau für besonders strittige Fälle berufen worden. Während Erich Nolte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf die nach seiner Beobachtung hohe Zahl an unberechtigten Forderungen hinweist - "Häufig ist es betrügerisches Inkasso. Das hat in der Tat zugenommen." - möchte Brigitte Zypries diese Aussage so nicht stehen lassen:

"In der Bearbeitung sind jedes Jahr ungefähr 42 Millionen Forderungen. Und an Beschwerden hatte der Verband letztes Jahr 1.071 Stück. Das ist nicht so sonderlich hoch, wie ich finde."

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