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StartseiteUmwelt und VerbraucherFakeshops sind immer schwerer zu erkennen31.01.2019

Betrug im OnlinehandelFakeshops sind immer schwerer zu erkennen

Deutsches Impressum, deutsche Internetadresse und deutsches Bankkonto: Fakeshops sind auf den ersten Blick nur noch schwer zu erkennen. Selbst vorsichtige Internetkäufer können darauf hereinfallen. Doch es gibt noch Wege sich zu schützen.

Von Peter Hornung und Lea Busch

 Das Symbol eines Einkaufskorbs leuchtet auf einer Computertastatur (gestelltes Foto), aufgenommen am 09.01.2014 in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern).  (dpa / Jens Büttner)
Steckt hinter einem Onlineshop ein Betrüger oder ist er echt? (dpa / Jens Büttner)
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Christian Corduan wollte eine Kaffeemaschine, die alles kann: einen sogenannten Kaffeevollautomaten. Er suchte bei Google - und fand den Onlineshop Kafelía.de "Sah alles seriös aus, war nicht viel günstiger wie andere Maschinen. Dann haben sie noch ein Angebot gehabt mit 10 Prozent, dann wurden die Maschinen interessant für mich."  Der Mann aus dem niedersächsischen Peine bestellt nicht einfach so. Er weiß, worauf er bei einem Onlineshop achten muss. "Wenn oben die Domain .de ist, wenn überall eine deutsche Bank genannt ist, ein Impressum da ist. Wenn ich die Seite durchlese, keine Rechtschreibfehler da sind."

Corduan überweist rund 650 Euro auf ein Konto bei der Berliner N26-Onlinebank. Doch geliefert wurde: nichts. Corduan war wie viele andere auch auf einen betrügerischen Onlineshop neuer Machart reingefallen - alles in Hochglanz, aber leider alles falsch. In diesem Fall mit geklauten Daten einer seriösen Firma in Osnabrück. Ein groß angelegter und bis ins Detail ausgefeilter Betrug. Matthias Eichler vom Landeskriminalamt Niedersachsen sagt: "Sie sind sehr organisiert die Täter, es gibt Gruppen, die kümmern sich nur um die Seiten an sich und die anderen um den Geldfluss."

Einige Shops schon nach 24 Stunden wieder abgeschaltet

Vorsichtsmaßnahmen, auf die sich Kunden bisher verlassen können, reichen bei diesen Fake-Shops nicht aus, um sich vor einem Betrug zu schützen. Nicht nur, dass die Fassaden fast perfekt sind. Die Täter spielen auch auf Zeit. Montags taucht der Shop bei Google ganz oben auf, dann wird abkassiert - und bis erste Warnungen in Internetforen auftauchen, gibt es schon den nächsten.

"Es gibt sogar Seiten, die sind nach 24 Stunden schon wieder abgeschaltet, weil natürlich auf solche Seiten massenhaft User drauf gelockt werden, und Tätern es manchmal schon reicht, wenn sie eine gewisse Anzahl von Bestellungen bekommen haben."

Die Betrüger verwischen alle Spuren. Nach NDR-Recherchen wurde Kafelia.de, bis heute online, von einem "Kalle Kloppkeiler" am Brandenburger Tor in Berlin angemeldet - ein Phantasiename mit falscher Adresse. Das Geld landet offenbar auf Konten, die im Namen von Menschen eröffnet wurden, die gar nichts davon wissen. Kaum eingezahlt, lassen es die Betrüger wieder abheben. Oft betroffen sind wie im Fall von Christian Corduan Konten der N26-Bank. Diese betont, alle gesetzlichen Vorschriften strikt einzuhalten. Sobald man Betrug oder Identitätsdiebstahl vermute, "leiten wir sofort alle notwendigen Schritte zur Abschaltung eventuell vorhandener Webseiten ein."

Shops auf der Seite "Trusted shops" überprüfen - Vorsicht bei Vorkasse

Die Behörden ermitteln, und auch Verbraucherschutzpolitiker suchen nach Lösungen. Trotzdem geht es Woche für Woche so weiter. Doch man kann sich auch vor Fakeshops schützen, vor denen noch nirgends gewarnt wird. So lassen sich die von Fakeshops oft missbrauchten Qualitätssiegel wie das von Trusted Shops schnell überprüfen - auf den Seiten von Trusted Shops selbst. Außerdem gilt: Vorsicht bei Vorkasse - und das Wichtigste: nicht von der edlen Fassade blenden lassen. Denn die neuen Fakeshops lassen sich eben nicht mehr auf den ersten Blick erkennen.

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