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StartseiteUmwelt und VerbraucherWarum Wasser im Weinbau zum Konfliktthema wird12.08.2020

Bewässerung von RebenWarum Wasser im Weinbau zum Konfliktthema wird

Immer mehr Weinreben müssen wegen zunehmender Trockenheit bewässert werden – so auch in der Pfalz. Die Bewässerung im Weinbau ist seit dem Jahr 2003 erlaubt, erhöht im größten deutschen Gemüseanbaugebiet jedoch die Konkurrenz um das ohnehin knappe Grundwasser. Auch die Umwelt leidet.

Von Anke Petermann

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Bewässerungssystem für bodennahe Betropfung von Weinreben. 45 Winzer aus der Region Volkach haben sich zusammengeschlossen und gemeinsam mit der Fernwasserversorgung Franken ein Wassermanagementsystem umgesetzt, das sowohl die Umwelt schont als auch die autarke Bewässerung der Weinberge in trockenen Sommern sicherstellt (dpa / Matthias Merz)
Pilotprojekte im Kampf ums Wasser im Weinbau im bayrischen Volkach, Juli 2018 (dpa / Matthias Merz)
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Der Pfälzer Winzer Michael Schwindt deutet auf den riesigen Wassertank weiter oben im Weinberg von Weisenheim am Sand. Schon der Ortsname kündet von trockenen, durchlässigen Böden, die Wasser kaum speichern.

"Die Pumpe ist oben an. Wir müssen einen Moment warten, das ist ja schon eine Strecke bis hier runter."

Winzer richten sich auf Bewässerung ein

Aus den dünnen schwarzen Schläuchen, die an den Rebzeilen befestigt sind, tropft es. Drei Reihen bewässert Schwindt hier. Und weitere in einer Lage direkt an seinem Weingut. 15 Prozent seiner Rebfläche kommen nicht mehr ohne die sporadische Wasserzufuhr aus dem Tank aus, darunter die Jungpflanzen, die noch nicht so tief wurzeln.

"Es geht ja hauptsächlich um die Sandböden, man sieht, dass die Blätter teilweise schon gelb werden. Aber die trockenen Blätter kriegt man nicht mehr weg, die haben jetzt einen leichten Vorschaden. Ich guck‘, dass ich die so gut wie möglich mit Wasser versorge."

Rund zehn Prozent der pfälzischen Winzer, so schätzt Reinhold Hörner für das zweitgrößte deutsche Weinbaugebiet, haben sich auf Bewässerung eingerichtet, hauptsächlich für ihre Junganlagen. Wasser wird das Zukunfts- und Konfliktthema in Landwirtschaft und Weinbau, glaubt der Präsident des Weinbauverbands Pfalz.

Auch in der Tiefe nichts mehr zu holen

Weisenheim am Sand gehört zum größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiet Deutschlands, das Millionen Kubikmeter Wasser jährlich für die Beregnung verbraucht. Wer sich dem Ort nähert, sieht auf den Gemüsefeldern hohe Fontänen aus den Wasserspritzen. Dagegen kommt die Tröpfchen-Bewässerung im Weinbau sparsam daher, bekräftigt der Präsident des Weinbauverbands.

Geräte zu einem Versuch zur Tröpfchenbewässerung bei Reben stehen in einem Weinberg. (picture alliance / Agrarpress)Die Tröpfchenbewässerung von Reben ist immerhin wassersparend (picture alliance / Agrarpress)

"Das sind vielleicht zehn Prozent dessen, was in der allgemeinen Landwirtschaft verbraucht wird. Das geht nicht so ins Gewicht, als ob das ein Gemüseacker wäre."

Erlaubt ist die Bewässerung von Reben seit dem Trockenjahr 2003. Aber, so Ernst Büscher vom Deutschen Wein-Institut:

"Die Rebe ist auch faul, die bildet dann nur oberflächlich Wurzeln und geht nicht so sehr in die Tiefe. Andere Winzer sagen, ich will meine Rebe sozusagen in die Tiefe zwingen, schneiden diese Wurzeln zum Teil sogar oberflächlich ab, um mehr Mineralität in den Wein zu bekommen. Denn die Rebe wurzelt zehn, 15 Meter tief in den Boden und nimmt alle Mineralien, die im Boden unterwegs sind, mit auf. Und das Terroir, der Einfluss des Bodens, kommt dann viel besser im Wein zum Ausdruck. Da gibt es verschiedene Philosophien. Nur - wenn absolut kein Wasser da ist, dann kann man manchmal auch in der Tiefe nichts mehr holen."

Und die Mittelhaardt, also der nördliche Teil des Pfälzer Weinbaugebiets, musste in diesen Sommerwochen tatsächlich komplett ohne Regen auskommen. An der Südlichen Weinstraße gab es dagegen Niederschlag. Winzer Frank Meyer aus Gleiszellen sieht Bewässerung daher eher kritisch.

Erosion der trockenen Böden bei Regenfällen

"Wenn wir jetzt so ein Jahr kriegen, wo wir zwei oder drei Mal so ein starkes Gewitter haben wie jetzt, und ich habe vorher bewässert, dann habe ich einfach zu viel drin. Also, es ist nur interessant für ganz karge Böden. Aber grundsätzlich: wir bewässern nur Junganlagen, die neu gepflanzt sind, und danach verzichten wir auf Bewässerung. Schneiden die ersten zwei, drei Jahre, wenn es trocken ist, die Trauben ab, damit sich die Rebe erholt: Traube weg, dann wächst der Stock wieder.

Und dann: statt zu bewässern, den Boden speicherfähig machen.

"Das heißt, über den Sommer werden die Einsaaten gepflegt, die jährlich gewechselt werden: Das ist Malve, Rettich, Ölsaaten, Weidelgras drin. Hinter uns haben wir hier den Kompost liegen, das ist Grünschnitt, und das Ganze speichert mehr Wasser. Das heißt, das Wasser verdunstet nicht so schnell. Und wenn es regnet, haben wir keine Erosion, sondern es wird gleich aufgenommen."

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Im Nachbarort dagegen hat Meyer beobachtet, wie Regen Erde weggeschwemmt hat, da, wo keine Grünunterlage den Boden festhielt.

"Da haben wir in Nachbaranlagen starke Erosion. Das heißt, der Regen, der als Starkregen kam, wurde gar nicht aufgenommen, sondern ist einfach abgeflossen."

Und hat mit dem Boden auch die Nährstoffe mitgenommen, ein unerwünschter Effekt vor allem mit Blick aufs Nitrat. Umweltschützer der Region fordern längst, Böden im Gemüse- und Weinbau besser zu schützen und den Wasserverbrauch für die Landwirtschaft zu reduzieren. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Südpfalz zum Beispiel führt die Trockenschäden angrenzender Wälder auch auf die zu starke Entnahme von Grundwasser zur Bewässerung zurück.

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