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StartseiteTag für TagPizza, Party, Lobgesang30.08.2019

Bewegung in FrankreichPizza, Party, Lobgesang

Regelmäßig finden im Großraum Paris "Hopeteen"-Treffen statt. Junge Leute beten, singen, tanzen zur Musik einer Lobpreis-Band. Die Bewegung gehört zum konservativ-katholischen Spektrum, gibt sich jedoch modern. "Wir wollen zeigen: Glaube ist nicht nur etwas für Omas!", sagen die Initiatoren.

Von Suzanne Krause

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Eine Versammlung der katholischen Jugendbewegung "Hopeteen" im Sommer 2019 in Colombes bei Paris. (Deutschlandradio/Suzanne Krause)
Eine Treffen der Bewegung "Hopeteen" im Colombes bei Paris im Sommer 2019. (Deutschlandradio/Suzanne Krause)
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Über den weitläufigen Hinterhof der Kirche Sainte Marie des Vallées toben an die vierhundert Teenager bei einer Art Sommer-Olympiade. 11- bis 16-Jährige aus der Vorstadt Colombes, die gruppenweise ihre Kräfte beim Tauziehen messen oder einen Eierlauf-Parcours absolvieren. Gekleidet sind die Teenies in weiße T-Shirts mit dem Logo Hopeteen. Martin Liduena ist 18 und trägt ein dunkelblaues Hopeteen-TShirt: Das weist ihn als Betreuer aus.

"Hier erleben wir etwas anderes als normalerweise in der Kirche. Wer als Teenie das Wort Kirche hört, denkt oft an die Sonntagsmesse. Die wirkt auf die meisten Heranwachsenden etwas traurig, die Lieder sind nicht sehr fröhlich und haben mit der heutigen Zeit eher wenig zu tun. Bei Hopeteen habe ich eine andere Art zu beten entdeckt: die der Lobpreisung."

Gott und Spiele

Martin Liduena erklärt, das Hopeteen-Konzept sei von der Bibel inspiriert.

Er sagt: "In den Psalmen Davids steht geschrieben, man solle Gott mit Tänzen und Gesängen lobpreisen. Die Musik, die wir spielen, macht Lust, zu tanzen, zu singen und in die Hände zu klatschen. Ich finde, das ist eine sehr gute Art, Gott zu danken und mit vollem Herzen ein Gebet anzustimmen."

Vorerst aber vergnügen sich die Teenies bei den Spielen. Lauren Chastaigne schaut lächelnd zu. 23 Jahre alt ist die Studentin im blauen Betreuer-T-Shirt: Sie hat "Hopeteen" mit initiiert.

Sie erzählt: "Wir haben die Bewegung im Januar 2015 gestartet. Denn bei einem Pfarrtreffen war uns aufgefallen, dass die Jugendlichen wieder mehr Lust auf gemeinsame Aktivitäten haben. Seither veranstalten wir fünf, sechs Mal im Jahr ein Hopeteen-Treffen. Eine christliche Party, von nachmittags bis in die Nacht, von jungen Leuten für Jugendliche. Mit Hopeteen versammeln wir Teenager rund um Christus."

Die französische Bewegung "Hopeteen" versucht, junge Leute für den katholischen Glauben zu begeistern. Dazu gehört das entsprechende Outfit.  (Deutschlanradio/Suzanne Krause) (Deutschlanradio/Suzanne Krause)

Um Gott geht es bei einer Jubel-Zeremonie zum Auftakt jedes Treffens. Später bieten Priester die Beichte an. Um Glaubensfragen drehen sich die Gesprächskreise. Die Abendmesse gipfelt im Konzert.

Da tanzen in der Kirche alle zu den Klängen von "Hopen". Die Band setzt auf liturgische Ohrwürmer in Pop-Manier und besteht aus vier Brüdern. Schon immer haben sie zuhause musiziert und vor fünf Jahren dann beschlossen, aus ihrer Passion einen Beruf zu machen. Der Erfolg sei "umwerfend", sagt "Hopen"-Frontmann Antoine Auclair.

"Wir wollen den Kindern zeigen: der Glaube ist nicht nur etwas für Omas! Viele Teenies fühlen sich ein bisschen verlassen. Im Alltagsleben im laizistischen Frankreich hören sie nicht all zu viel von Christus. Genau das bieten wir ihnen an."

"Gemäßigte katholische Rechte"

Die Musiker haben einen Teilzeitvertrag mit der Diözese von Nanterre. Ihr Heimathafen ist die Pfarrgemeinde von Garches, eine begüterte Kleinstadt im Westen von Paris, in der viele traditionelle Katholiken leben. Hier amtiert Pfarrer Antoine Loyer.

Er meint: "Für Teenies ist es leichter, Kumpel zu einem Hopeteen-Treffen einzuladen, wo Spiele geboten werden, nette Musik, Pizza-Essen und daneben auch Gebete, als zu einem Gebetskreis oder ähnlichem – das ist eher als sehr katholisch verschrien."

Die Jugendbewegung entstamme den Kreisen traditioneller Katholiken, so Philippe Portier. Der Religionssoziologe gilt als guter Kenner des Kirchensektors.

Er sagt: "Bei den Hopeteen-Treffen wird Modernes und Traditionelles miteinander vermischt. Aber die Bewegung gehört zur katholischen Kirche, die darauf Wert legt, weder in explizite Homophobie noch in aggressiven Nationalismus zu verfallen. Sicherlich ist diese Bewegung im rechten Flügel der Kirche angesiedelt. Doch dabei handelt es sich um die gemäßigte Rechte, die sich zwar offen zu ihrem Glauben bekennt, aber nicht Andersdenkende ausgrenzt. Jedenfalls ist mir diesbezüglich noch nie etwas untergekommen."

Abstecher in die Provinz geplant

Laut Angaben der Veranstalter haben bislang rund 10.000 Jugendliche an den Hopeteen-Treffen in und um Paris herum teilgenommen. Bei der Teenie-Party kurz vor Weihnachten letzten Jahres zelebrierte der Pariser Erzbischof Michel Aupetit die Messe. Im kommenden November wird Hopeteen ein Fest in der westfranzösischen Hafenstadt Nantes ausrichten – ein premierenhafter Abstecher in die Provinz. In seiner Kirche in Colombes sei Hopeteen schon zum zweiten Mal, erzählt Pfarrer François Dedieu.

"Teenager sind hier in dieser Kirche eher wenig vertreten. Aber Hopeteen hat viele dazu gebracht, sich zu engagieren. Und dabei hat mancher festgestellt, dass die Kirche in Bewegung ist. Und das ist toll. Sie haben gesehen, dass es eine Nachfrage bei jungen Leuten gibt – und dass es gar nicht mal so viel braucht, sie anzusprechen."

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