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StartseiteVerbrauchertippPremium-Kreditkarten sind ihr Geld oft nicht wert21.08.2018

Bezahlen im AuslandPremium-Kreditkarten sind ihr Geld oft nicht wert

Premium-Kreditkarten beinhalten oft Zusatzleistungen wie Reiseschutzversicherungen oder Tankrabatte. Daher kosten sie weit mehr als die Standard-Karten - und sind damit viel zu teuer, so die Stiftung Warentest. Zudem würden die Versicherungsleistungen oft Mängel aufweisen.

Von Dieter Nürnberger

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Eine goldene Visa-Kreditkarte liegt auf einem Tisch. (dpa/Jörg Carstensen)
Premium-Kreditkarten seien oft überteuert, so die Stiftung Warentest (dpa/Jörg Carstensen)
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Premium-Kreditkarten sollen einen Hauch von Exklusivität vermitteln. Ein perfekter Begleiter für Auslandsreisen, so die Werbung vieler Banken. Der Unterschied zu Standard-Kreditkarten liegt vor allem in den Zusatzleistungen, die sie bieten, sagt Warentesterin Marieke Eindbrodt.

"Zum Beispiel werben die Banken häufig damit, dass die Premium-Kreditkarten eine Auslandsreise-Krankenversicherung oder eine Reise-Rücktrittsversicherung beinhalten. Auch noch andere Spezialitäten wie etwa Tankrabatte oder Ermäßigungen bei bestimmten Reisebuchungsportalen."

Zusatz-Extras kosten viel Geld

Diese Extras lassen sich die Banken allerdings vergleichsweise teuer bezahlen. Eine Standard-Kreditkarte schlägt durchschnittlich mit knapp 20 Euro Jahresgebühr zu Buche. Die meisten Premiumkarten kosten hingegen zwischen 80 und 100 Euro pro Jahr. Nur in Einzelfällen werden sie auch kostenlos angeboten, dann aber oft verbunden mit einer Jahresgebühr für das Konto oder mit vorgeschriebenen Mindestumsätzen.

Die gebotenen Zusatzleistungen sind allerdings meist das Geld nicht wert: So sind die Konditionen bei den enthaltenen Reiseschutzversicherungen in der Regel "wenig" oder "nicht geeignet", urteilt die Stiftung Warentest. Inhaber von Premiumkarten sollten sich auf den versprochenen Reiseschutz deshalb eher nicht verlassen.

"Das Problem bei den Premiumkreditkarten ist, dass die Versicherungen, die dort beinhaltet sind, manchmal nur dann greifen, wenn die Reise tatsächlich mit der Kreditkarte auch bezahlt wurde. Oder auch bei einem bestimmten Reiseanbieter gebucht wurde. Manchmal gilt der Reiseschutz auch nur für den Karteninhaber, Mitreisende sind somit nicht mitversichert. Oder die Karte enthält auch nur eine dieser wichtigen Reiseversicherungen. Das erkennt man auf den ersten Blick aber nicht, man rechnet eventuell auch nicht damit. Und in manchen Fällen ist auch gar nicht der Reisepreis versichert, weil die Versicherungssumme nicht die Reise abdeckt, die man antreten möchte."

Der Blick aufs Kleingedruckte lohnt sich

In der Untersuchung bot lediglich die "Mastercard Gold" der "Hypovereinsbank" überhaupt einen "geeigneten" Schutz. Allerdings müssen Versicherte in einem Schadensfall hier mit einer relativ hohen Selbstbeteiligung rechnen.

Und auch bei weiteren beworbenen Zusatzleistungen der Premiumkarten lohnt der Blick ins Kleingedruckte: Ein weltweiter Tankrabatt von 5 Prozent klingt erst einmal gut, ist er jedoch auf maximal 75 Euro pro Jahr gedeckelt, relativiert sich der Nutzen.

Anhand von Modellkunden mit einem bestimmten Karten-Nutzungsverhalten wurden zudem die wahren Kosten auf Reisen berechnet. Denn bei Bargeldabhebungen oder beim Bezahlen können auch bei den Premiumkarten Gebühren anfallen, zusätzlich zum Grundpreis. Warentesterin Marieke Einbrodt zieht deshalb ein eher nüchternes Fazit der Untersuchung:

"Es sind entweder hohe Gebühren, die da anfallen oder die Versicherungsleistungen weisen Mängel auf. Wer sich doch für eine Premium-Kreditkarte interessiert, sollte auf jeden Fall Kosten und Nutzen abwägen und sich überlegen, ob man die Zusatzleistungen wirklich nutzt, ob sie für einen persönlich wertvoll sind. Besser beraten ist man aber, wenn man Einzelverträge abschließt."

Eine gut bewertete Auslandsreise-Krankenversicherung und ebenso der Schutz beim Rücktritt oder Abbruch der Reise seien bei Einzelverträgen für rund 80 Euro Jahrespreis zu haben.

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