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StartseiteTag für TagDas Geheimnis der Zahl 66616.03.2020

Biblisches RätselDas Geheimnis der Zahl 666

Apple verkaufte seinen ersten Computer für 666 US-Dollar. Der Preis dürfte kein Zufall gewesen sein. Die Zahl ist ein Mysterium. Sie stammt aus der Bibel und wird oft als Symbol für den Teufel interpretiert. Forscher vermuten, mit der Zahl sei ein römischer Kaiser gemeint. Aber welcher?

Von Tim Baumann

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Die Zahl 666, Funken schlagend vor schwarzem Hintergrund (imago images / Panthermedia / eskymaks)
Wer oder was ist gemeint mit der Zahl 666? (imago images / Panthermedia / eskymaks)
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"Six six six - the number of the beast /
Hell and fire was spawned to be released"

Die britischen Heavy Metal-Legenden Iron Maiden mit ihrem Album "The Number Of The Beast" - "Die Zahl des Teufels". Die Platte gilt bis heute als eines der besten und einflussreichsten Alben des Metal.

Und sie hat dafür gesorgt, dass die angebliche "Zahl des Teufels", die 666, einen festen Platz hat in der Metal-Kultur – so tragen Fans die Zahl auf T-Shirts oder wählen sie als Autokennzeichen.

Bassist Make (GER/Dryrot) während eines Konzertes in München (imago/Stefan M Prager)Die Zahl 666 ist fester Bestandteil der Metal-Kultur (imago/Stefan M Prager)

Zahlenrätsel in der Johannes-Offenbarung

Und auch außerhalb der Metal-Szene ist für viele klar: Die dreifache Sechs ist die Zahl des Teufels. Mit dem biblischen Ursprung der Zahl kann allerdings kaum jemand etwas anfangen – verständlich, denn die Zahl ist schon in der Bibel selbst als Rätsel angelegt. Sie stammt aus dem letzten Buch des Neuen Testaments, der Offenbarung des Johannes:

"Hier braucht man Kenntnis. Wer Verstand hat, berechne den Zahlenwert des Tieres. Denn es ist die Zahl eines Menschennamens; seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig." (Off. 13,17)

Und nicht nur die Bibelstelle an sich ist ein Rätsel – hinzu kommt eine Sprachbarriere. Denn die sogenannten gematrischen oder isopsephischen Zahlenrätsel sind nicht lösbar, wenn man so wie wir das lateinische Alphabet verwendet.

Zahlenspiele und Kritzeleien

Im Griechischen und Hebräischen werden hingegen dieselben Symbole für Zahlen und Buchstaben benutzt – Alpha ist eins, Beta zwei und so weiter. So ist es in diesen Sprachen möglich, Botschaften mittels Zahlen zu kodieren, erklärt der evangelische Theologe Thomas Witulski von der Universität Bielefeld: "Indem Sie die Buchstaben eben nicht als Buchstaben, sondern als Zahlzeichen lesen. Und wenn Sie das dann zusammenaddieren, kommen Sie auf einen Wert, einen Zahlwert. Und die 666 ist so ein Zahlwert."

Zahlenrätsel wie dieses erfreuten sich im antiken Kleinasien einiger Beliebtheit – so wurde bei Ausgrabungen in der Westtürkei an einer antiken Hauswand folgende Kritzelei entdeckt:

"Ich liebe die, deren Zahl 865 ist."

So einfach es allerdings sein mag, Namen zu einer Zahl zu codieren – sie wieder zu entschlüsseln ist ungleich komplizierter, weil es beinahe unbegrenzt viele mögliche Lösungen gibt. Wer also ist in der Offenbarung des Johannes mit der 666 gemeint?

Teufel, Tier und Thron

Das größte Problem bei der Lösung dieses Zahlenrätsels: Man weiß nicht genau, wann die Offenbarung verfasst wurde. Wohl irgendwann um das Jahr 100. Würde die Forschung den genauen Zeitpunkt kennen, könnte sie den Kreis der 666-Kandidaten eingrenzen.

Zum Glück gibt uns die Offenbarung des Johannes aber ein paar Hinweise, um das Rätsel zu lösen. So ist dort von "zwei Tieren" die Rede, erklärt Thomas Witulski:  

"Für mich sind diese beiden Tiere zwei konkrete Gestalten der Zeitgeschichte, in der die Johannes-Offenbarung geschrieben worden ist."

Ist einer dieser beiden Menschen also derjenige, dessen Name den Zahlenwert 666 ergibt? Die meisten Forscher glauben, dass mit der Zahl ein römischer Kaiser gemeint ist, denn die Offenbarung schildert dieses "Tier" so:

"Ein Tier stieg aus dem Meer, mit zehn Hörnern und sieben Köpfen. (…) Und der Drache hatte ihm seine Gewalt übergeben, seinen Thron und seine ganze Macht." (Off. 13,1)

Holzschnitt von Albrecht Dürer zur Vorrede der Offenbarung des Johannes (1522) (imago images / Photo12 / Ann Ronan Picture Library)Die 666 ist die Zahl des Tieres - in der Offenbarung ein Wesen "mit zehn Hörnern und sieben Köpfen" (imago images / Photo12 / Ann Ronan Picture Library)

Thron und Macht, das klingt nach einem Herrscher. Seine Macht hat er vom "Drachen" – gemeint ist: von Satan persönlich. Aus christlicher Perspektive passt das auf die damaligen römischen Kaiser, denn die standen der jungen christlichen Gemeinde nicht gerade freundschaftlich gegenüber.

Da liegt es nahe, dass die Offenbarung des Johannes einen dieser Kaiser als Stellvertreter Satans auf Erden beschreibt. Bloß welcher Kaiser lässt sich der 666 zuordnen?

Lange galt Nero in der Forschung als Favorit. Dabei war der schon im Jahr 68 ermordet worden – also vermutlich viele Jahre, bevor die Offenbarung geschrieben wurde. Doch um den Christenverfolger Nero rankten sich damals Verschwörungsmythen. Einer davon: Nero stirbt im Jahr 68 gar nicht, sondern versteckt sich im Exil und wartet auf eine Möglichkeit zurückzukehren.

"Und kommt dann irgendwann wieder, wenn die Zeit reif ist, um seine Herrschaft wieder zu übernehmen", so der Theologe Witulski. "Irgendwann ging das nicht mehr, weil einfach die Zeit zu weit vorangeschritten ist."

Der untote Nero

Also änderte sich die Nero-Erzählung. Der Verfasser der Offenbarung des Johannes "redet von Nero als von einer Person, die bereits verstorben ist – und die dann aus dem Tod wiedererstehen wird und dann als wiederauferstandener Nero, als Nero Redivivus, dann zurückkehren wird und die Herrschaft im Römischen Reich übernehmen wird."

Ein Medienvertreter fotografiert am 12.05.2016 im Rheinischen Landesmuseum in Trier eine Nero-Büste in der Ausstellung "Nero - Kaiser, Künstler und Tyrann". Die Ausstellung mit rund 700 Exponaten in drei Tierer Museen ist vom 14.05.2016 bis 16.10.2016 zu sehen. (Harald Tittel / dpa)War Kaiser Nero mit der 666 gemeint? (Harald Tittel / dpa)

Soviel zum untoten Nero. Doch in der Forschung gibt es noch einige andere Kandidaten dafür, wer mit der 666 gemeint sein könnte. 2016 vermeldeten Wiener Forscher, es handle sich zweifelsfrei um Kaiser Trajan. Und der Bielefelder Theologe Thomas Witulski bringt noch einen anderen Kaiser ins Spiel: Hadrian. Und Witulski hat auch eine Idee, wer dann mit dem "zweiten Tier" gemeint sein könnte:

"Das zweite Tier ist sozusagen eine Art Vertrauter, Intimus, Philosoph, Sophist – der hört auf den Namen Antonius Polemon."

Ein Höfling Hadrians also, auf den die Bibelbeschreibung des zweiten Tieres passen könnte:

"Ein anderes Tier stieg aus der Erde herauf. Es hatte zwei Hörner wie ein Lamm, aber es redete wie ein Drache."

Der Reiz des Rätselhaften

Doch diese Deutung bleibt in der Forschung umstritten – wie alle Deutungen. Es ist unwahrscheinlich, dass das Rätsel um die Zahl 666 jemals abschließend gelöst wird.

Der Theologe Thomas Witulski: "Also der Punkt ist, dass die Johannes-Offenbarung geschrieben worden ist zu einer Zeit, in der die Menschen mit diesen beiden Figuren, mit diesen beiden Tieren in ihrer konkreten Zeit etwas anfangen konnten, und diese beiden Tiere auf konkrete Personen ihrer Zeitgeschichte deuten konnten."

In der Bibel heißt es:

"Wer Verstand hat, berechne den Zahlenwert des Tieres." (Off. 13,18)

"Nur, über die Dauer der Zeit wurde dieser konkrete Hintergrund vergessen. Und dann hat man angefangen, die Apokalypse endgeschichtlich zu deuten und hat gesagt: Das, was da drin steht, sind Ereignisse, die in der Zukunft noch auf uns zukommen werden. Und hat dann diese Figuren, die auch sehr mythisch beschrieben werden, hat die dann sozusagen auf zukünftige Ereignisse gedeutet und hat in ihnen irgendwelche wie auch immer gearteten Gestalten gesehen, die finstere und böse Mächte repräsentieren. Man hat also die Konkretion schlicht und ergreifend vergessen."

Wenn wir das nicht vergessen hätten, sondern heute noch genau wüssten, wer mit der 666 gemeint ist, dann wäre diese Zahl vermutlich nicht so berühmt geworden. Denn ihr Reiz liegt ja gerade im Rätselhaften. Jeder kann mitspekulieren, was es mit der 666 auf sich hat – vom Theologen bis zur Metal-Band.

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