Freitag, 24.09.2021
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteInterviewPolitikwissenschaftlerin: Versuch von Biden, eine Arbeitsbeziehung zu etablieren13.06.2021

Biden trifft PutinPolitikwissenschaftlerin: Versuch von Biden, eine Arbeitsbeziehung zu etablieren

Die Politikwissenschaftlerin Sarah Pagung erwartet vom Treffen der Präsidenten Wladimir Putin und Joe Biden keinen "Reset" der russisch-amerikanischen Beziehungen. Biden gehe es darum, eine neue Arbeitsbeziehung aufzubauen. "Er weiß, dass er Russland bei bestimmten internationalen Themen braucht", sagte sie im Dlf.

Sarah Pagung im Gespräch mit Manfred Götzke

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der russische Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Joe Biden (picture alliance/dpa/Sergey Guneev & picture alliance/Consolidated News Photos/Chris Kleponis - Pool via CNP)
Der russische Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Joe Biden (picture alliance/dpa/Sergey Guneev & picture alliance/Consolidated News Photos/Chris Kleponis - Pool via CNP)
Mehr zum Thema

Großkredit für Belarus Putin ist die Schlüsselfigur im Umgang mit Lukaschenko

US-Außenpolitik Biden stellt uns auf die Probe

US-Präsident Joe Biden ist auf Europa-Tour - und will nach vier Jahren Trump-Regierung die Wogen glätten, erst beim G7-Gipfel in Cornwall, dann bei Treffen mit der EU und Nato.

Am 16. Juni wird Biden beim US-Russland-Gipfel außerdem auf Wladimir Putin treffen. Das Verhältnis ist angespannt. Vor einigen Wochen hatte Biden den russischen Staatschef noch als "Mörder" bezeichnet. Putin sagte nun in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC, die bilateralen Beziehung hätten in den letzten Jahren ihren Tiefpunkt erreicht. 

US Präsident Joe Biden, 19.März 2021. (picture alliance/newscom/UPI Photo/Kevin Dietsch) (picture alliance/newscom/UPI Photo/Kevin Dietsch)US-Strategie gegen China - "Biden sucht Verbündete, aber er will die Führungsrolle einnehmen"
US-Präsident Joe Biden versucht nach Ansicht von Politikwissenschaftler Thomas Jäger, eine Allianz gegen die Dominanz Chinas zu schmieden und politische Gegenkonzepte zu entwickeln. Das solle langfristig auch der Zweck der G7 werden.

Kein "Reset" der Beziehungen zu erwarten

Die Politikwissenschaftlerin Sarah Pagung von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik hat deshalb keine hohen Erwartungen an das bilaterale Treffen. "Wir können keine großen Änderungen oder Fortschritte in den russisch-amerikanischen Beziehungen erwarten", sagte sie im Dlf. Es sei vielmehr der Versuch von Biden, eine Arbeitsbeziehung zu etablieren, um bestimmte internationale Probleme, die beide Staaten gemeinsam lösen müssten, anzusprechen. Ein "Reset" der Beziehungen werde aber nicht angestrebt.

Für Biden sei Putin "ein sehr schwieriger internationaler Akteur", sagt Pagung. Beiden sei sich darüber im klaren, dass Putin auf dem internationalen Parkett ein cleverer Verhandler sei. "Er weiß, dass er Russland bei bestimmten internationalen Themen braucht." Beispielsweise bei der Wiederherstellung des Iran-Abkommens, beim Fortschreiten einer Lösung des Syrien-Konflikts oder bei einer internationalen Politik gegenüber China.

Das russische Pipeline-Verlegeschiff "Akademik Cherskiy" wird für den Weiterbau der Ostsee-Pieline "Nordstream II" im Fährhafen Mukran auf Rügen ( Landkreis Vorpommern-Rügen) vorbereitet. Das russische Verlegeschiff soll die restlichen 160 Kilometer Pipelinerohre verlegen.  (dpa / Jens Koehler) (dpa / Jens Koehler)Nord Stream 2 - Wie abhängig ist Deutschland von russischem Erdgas?
Seit Jahren tobt ein politischer Streit um die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die Russland offshore mit Deutschland verbindet. Um was geht es der EU und den USA politisch? Und wie wichtig ist Nord Stream 2 für Deutschland – energiepolitisch und wirtschaftlich?

Ein weiteres Problem sei der Streit um die Pipeline Nord Stream 2. "Das ist ein großes Problem für die europäisch-russischen, deutsch-russischen Beziehungen. Aber auch für die transatlantischen Beziehungen". Hier sieht Pagung eine Art Doppelstandard: "Auf der einen Seite kritisiert man Russland sehr stark für seine Innen- und Außenpolitik. Auf der anderen Seite treibt man solche wirtschaftlichen Leuchtturmprojekte voran."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk