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StartseiteKommentare und Themen der WocheMit harten Maßnahmen gegen explodierende Infektionszahlen30.07.2021

Bidens Corona-Kurs für die USAMit harten Maßnahmen gegen explodierende Infektionszahlen

Mit der Ankündigung harter Corona-Maßnahmen in den USA nimmt Präsident Joe Biden Protest und Abwehr in Kauf, kommentiert Doris Simon. Dass Biden trotzdem diese Strategie wählt, zeigt, wie dramatisch die Situation ist: In Anbetracht der Infektionszahlen bleibt kaum noch Zeit.

Ein Kommentar von Doris Simon

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US-Präsident Joe Biden zieht bei einer Pressekonferenz am 29. Juli 2021 im Weißen Haus seinen Mundnasenschutz aus.  (IMAGO / UPI Photo / Oliver Contreras)
Von Impfpflichten bis zu Geldgeschenken- US-Präsident Joe Biden will gegen die Impfmüdigkeit vorgehen (IMAGO / UPI Photo / Oliver Contreras)
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Optimismus in den USA – trotz Corona Impfen, anpacken, zusammenhalten

Impfpflicht für Millionen Bundesbeschäftigte, Covid-Impfungen künftig als Teil des Impfkanons für US-Soldaten, die Aufforderung an private Arbeitgeber, ihre Beschäftigten zu Impfschutz zu verpflichten und Lob für Lokalverwaltungen, die dies ebenfalls tun – das sind neue Töne im Kampf der US-Regierung zur Eindämmung der Pandemie. Harte Maßnahmen in einem Land, in dem vielen Menschen die persönliche Freiheit wichtiger ist als das Gemeinwohl.

Injektionsnadeln und Ampullen mit Impfstoff liegen auf einem Tisch. (picture alliance / Waldemar Thaut) (picture alliance / Waldemar Thaut)Pflicht, Aufklärung, Anreize - Wie man die Impfquote erhöhen kann
Eine Impfpflicht soll es in Deutschland nicht geben, diskutiert wird aber, ob geimpfte Menschen schneller und mehr Freiheiten bekommen sollten als andere. Mit welchen weiteren Mitteln ließe sich die Impfquote erhöhen? Und wäre eine Impfpflicht überhaupt verfassungsrechtlich durchsetzbar? Ein Überblick.

Präsident Biden nimmt mit seiner Ankündigung Protest und Abwehr in Kauf. In vielen konservativ regierten Bundesstaaten explodieren die Infektionszahlen, doch die Antwort darauf bleibt dieselbe: Masken und Impfungen seien die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, so der texanische Gouverneur Abbott, als er heute per Dekret texanischen Kommunen verbat, eine Masken- oder Impfpflicht anzuordnen.

Kein US-Präsident trifft gerne Entscheidungen, die in weiten Teilen des Landes unpopulär sind, und die eine Kehrtwende bedeuten in der bisherigen Strategie gegen Covid. Dass Biden es trotzdem tut, zeigt, wie dramatisch die Situation ist. Die US-Regierung glaubt offenbar nicht mehr daran, auch den letzten Skeptiker mit einem breiten Angebot, mit Appellen und Anreizen zur Impfung bewegen zu können. Der Grund dafür ist so einfach wie alarmierend: es bleibt keine Zeit mehr dafür.


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Die Delta-Infektionen schießen insbesondere im Süden und im Mittleren Westen in die Höhe. Ein uramerikanischer Ausdruck der freien Entscheidung jedes Einzelnen, lieber krank zu werden als sich impfen zu lassen.

Vorbereitung von Schnelltest in Augsburg am 7. Juni 2021 (imago / Bihlmayerfotografie) (imago / Bihlmayerfotografie)Wie gefährlich ist die Delta-Variante? Die Delta-Variante ist inzwischen auch in Deutschland die am weitesten verbreitete Coronavirus-Mutation. Sie gilt im Vergleich zum Wildtyp als ansteckender und gefährlicher. Ein Überblick.

Aber hier geht es um weit mehr als um eine Pandemie der Ungeimpften. Immer mehr Menschen mit Impfschutz erkranken an Delta, Millionen Kinder, für die es noch keinen Impfstoff gibt, sind akut gefährdet und alle, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Auf dem Spiel stehen aber auch alle Planungen für die Rückkehr in eine gewisse Normalität: Regelunterricht an Schulen und Universitäten, wirtschaftliche Erholung, ein Ende des allgemeinen Ausnahmezustands.

Am Dienstag sorgte die Oberste Gesundheitsbehörde CDC für Verwirrung, als sie dringend empfahl, drinnen wieder Masken zu tragen. Wir sind doch geimpft, lautete die irritierte Reaktion vieler Menschen. Inzwischen sind die Erkenntnisse veröffentlicht, die die Empfehlung auslösten. Geimpfte verbreiten Delta ebenso wie Ungeimpfte. Der Krieg habe sich verändert, warnt das CDC. Deshalb greift der US-Präsident zu neuen Waffen.

Doris, Referentin Programmdirektion Deutschlandradio (© Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré) (© Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Doris Simon, geboren 1964 in Bonn, ist Deutschlandradio-Korrespondentin für die USA und Kanada. Nach ihrer Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München und einem Studium der Geschichte, Politik und Kommunikation arbeitete sie als freie Journalistin für Fernsehen und Hörfunk in Bonn und Berlin. Für RIAS Berlin und später Deutschlandradio berichtete sie als Korrespondentin aus Bonn und Brüssel, sie hat als CvD und in der Programmdirektion im Deutschlandfunk gearbeitet und war viele Jahre Moderatorin und Redakteurin der "Informationen am Morgen". 

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