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StartseiteKommentare und Themen der WocheBlühende Landschaften statt Formelkompromiss13.02.2019

Bienen-VolksbegehrenBlühende Landschaften statt Formelkompromiss

Mit dem Erfolg des Volksbegehrens Artenvielfalt will nun der bayerische Ministerpräsident Markus Söder Bienen und Bauern mit einem eigenen Gesetzentwurf schützen. Jedoch sollte er die zentralen Forderungen aus der Initiative übernehmen und nicht etwa verwässern, kommentiert Georg Ehring.

Von Georg Ehring

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Honigbiene sitzt auf Kornblume. (imago / blickwinkel)
Bienen brauchen Blüten (imago / blickwinkel)
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Manchmal tut es gut, die Perspektive zu wechseln: Schauen wir uns also die Welt einmal durch die Facettenaugen einer Biene an. Sie sucht Nektar oder Pollen für den Nachwuchs – und stößt auf ein Weizenfeld – Hektar für Hektar weit nichts als Weizen und keine Blüten. Keine Kornblume, kein Mohn dazwischen – das Feld wurde vor der Aussaat mit dem Pflanzengift Glyphosat behandelt, das jedes Grün abtötet.  Ausweichen bringt nichts – Randstreifen neben dem Acker wurden mit eingesät, um noch mehr Weizen ernten zu können. Also fliegt die Biene weiter, doch auch im Dorf nebenan ist die Chance, auf Blütenpflanzen zu stoßen, ebenfalls geringer geworden – in vielen Gärten wächst pflegeleichter Rasen, kurzgehalten von einem Roboter und manche sind sogar komplett mit Schotter oder Pflastersteinen für die Biene unbrauchbar gemacht worden.

Lauter schlechte Nachrichten also. Doch so oder so ähnlich sieht oft es leider aus für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten. Die Folge: Die Tiere werden weniger, vor allem Spezialisten unter ihnen, die auf nur eine bestimmte Pflanzenart angewiesen sind, sterben aus.

Volksbegehren erfolgreich

Doch jetzt kommt aus Bayern eine gute Nachricht: Mehr als eine Million Bürger fordert in einem Volksbegehren, den Schutz von Insekten zu verbessern. Mehr Öko-Landbau, mehr Natur neben dem Acker, bessere Regeln für das Mähen von Wiesen und einiges mehr. Das Motiv ist auch Eigennutz: Wenn Insekten aussterben, dann fehlen den Pflanzen Bestäuber, dann finden Vögel keine Nahrung mehr und in einer derart zerstörten Natur ist auch die Grundlage unserer Ernährung bedroht. Initiatoren und Unterzeichner des Volksbegehrens haben das erkannt und ihre Forderungen zielen auf den Kern des Problems: Weniger Pestizide, mehr Öko-Landwirtschaft, mehr naturnahe Flächen und Auflagen für Bauern, um naturverträglicher zu wirtschaften. Die Kritik des Bayerischen Bauernverbandes am Volksbegehren greift zu kurz: Die Artenvielfalt ist trotz ihres Engagements auch in den vergangenen Jahren weiter zurückgegangen – nicht nur die der Insekten übrigens. Dies zeigt, dass freiwillige Initiativen und Umweltprogramme für mehr Vielfalt in der Landwirtschaft eben nicht ausreichen, so wirksam sie im Einzelfall auch sein mögen.

Forderungen nicht verwässern

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder täte gut daran, wenn er auf die Forderungen der Initiatoren einginge. Er hatte nach der Landtagswahl im vergangenen Jahr einer Koalition mit den Grünen eine Absage erteilt und sich für ein Zusammengehen mit den "Freien Wählern" entschieden. Nun erzwingen diese im Verbund mit SPD, Ökologisch-Demokratischer Partei und Naturschützern per Volksbegehren mehr Umweltschutz. Söder will Bienen und Bauern mit einem eigenen Gesetzentwurf schützen. Er sollte jedoch die zentralen Forderungen aus dem Volksbegehren übernehmen und es nicht etwa verwässern. Bienen und andere Insekten brauchen schließlich keine Formelkompromisse, sondern zwischen Weizenfeldern auch blühende Landschaften. 

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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