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StartseiteVerbrauchertippEin möglicher Ersatz für Frischhaltefolie19.12.2019

BienenwachstücherEin möglicher Ersatz für Frischhaltefolie

Wer ohne Plastik Lebensmittel verpacken will, kann dazu Wachstücher verwenden. Die gibt es fertig zu kaufen oder man kann sie selbst herstellen. Aber bei der Verwendung gibt es auch ein paar Tücken.

Von Susanne Lettenbauer

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Wachstücher, die als Abdeckung für Lebensmittel genutzt werden (dpa / Arne Dedert)
Plastik-Fasten: Statt mit Klarsichtfolie, kann man Lebensmittel auch mit Wachstüchern abdecken. (dpa / Arne Dedert)
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In der Küche von Sabine Kirchner riecht es intensiv nach Bienenwachs. Vor der Leiterin des Umweltvereins Grafing summt im Süden von München liegt ein Backblech, eine Tüte mit Wachslinsen, zwei Blatt Backpapier und ein frisch gewaschenes Baumwolltuch - das spätere Wachstuch. Dafür empfiehlt sich:

"Am besten eine alte Bettwäsche. Es bietet sich an, Stoffe zu verwenden, die schon oft gewaschen wurden, zum Beispiel auch von einem alten Lieblingskleid, in das man nicht mehr passt."

Am besten sollte der Stoff unbedruckt sein, so kann keine Farbe an die Lebensmittel gelangen. Gleiches gilt für die kleinen, runden Wachslinsen, die nicht bunt oder weiß, sondern dem natürlichen Bienenwachs entsprechend gelb sein müssen:

"Das sollen auf jeden Fall Linsen aus reinem Bienenwachs sein. Das bekommt man entweder beim Imker, am besten beim Bioimker. Oder es gibt auch Imkerbedarfe, bei denen kann man dann auch Wachslinsen bestellen."

Pro Tuch in einer A4-Größe brauche man ungefähr 40 Gramm Wachs, erklärt Sabine Kirchner.

Sie hat mehrere Methoden der Bienenwachstuchherstellung ausprobiert. Entweder man schmilzt das Wachs in einem Topf und bestreicht das Tuch zügig mit einem großen Pinsel. Das sei sehr aufwendig, weil das Wachs schnell hart werde, so ihre Erfahrung. Man könne auch den Stoff auf ein mit Backpapier ausgekleidetes Blech legen, die Wachsplättchen gleichmäßig darauf streuen und in den Ofen stellen.

Wachs muss gut auf dem Stoff verteilt werden

Kirchner hat sich für die Bügelmethode entschieden. Der Stoff ist dabei ebenfalls auf dem mit Backpapier ausgekleideten Blech ausgebreitet, welches wiederum auf einem Bügelbrett oder auch auf der Küchenarbeitsplatte aufliegt:

"Auf diesem Stoff verteile ich jetzt Wachslinsen, ein bisschen so wie bei der Pizza der Käse drüber. Dann lege ich hier eine zweite Schicht Backpapier drauf. Das Bügeleisen habe ich auf die höchste Stufe erhitzt und bügele so lange auf dem Backpapier den Stoff entlang, bis die Wachslinsen schmelzen und sich das Wachs in alle Ecken verteilt."

Beim Abziehen des Backpapiers vom mit flüssigem Wachs getränkten Stoff sollte man schnell sein, sagt die Umweltexpertin:

"Wenn ich jetzt nämlich an einer Stelle zu langsam bin und das Wachs wieder getrocknet ist, dann gibt es so unschöne Klumpen. Wenn es jetzt nicht auf Anhieb gelingt, dann muss man einfach mit dem Bügeleisen noch einmal drüber gehen."

Wachstücher eignen sich zum Abdecken von Schüsseln

Bienenwachstücher kann man sehr gut zum Abdecken von Schüsseln nehmen, aber auch zum Einpacken von Lebensmitteln anstelle von Frischhaltefolie, sagt Anja Schwengel-Exner von der Verbraucherzentrale München:

"Weniger gut geeignet ist es für Produkte wie rohes Fleisch oder Fisch oder auch für Weichkäse. Da man die Wachstücher nicht heiß waschen darf, sondern höchstens mit lauwarmem Wasser abspülen kann, um die Wachsschicht nicht zu beschädigen, ist es ein großes Kontaminationsrisiko, wenn die Lebensmittel roh sind oder Keime enthalten können."

Vorsichtig sollte man deshalb auch bei belegten Broten sein, die mit Butter, Frischkäse oder Mayonnaise bestrichen sind, erklärt Verbraucherschützerin Schwengel-Exner.

Ganz klar - bei Wachstüchern muss man mit der Temperatur aufpassen:

"Da Wachs schon bei etwas mehr als Hauttemperatur anfängt, zu schmelzen, sollte man Lebensmittel, bevor man sie mit einem Wachstuch abdeckt, auch entsprechend abkühlen lassen, damit sie so kalt sind, dass das Wachs nicht schmelzen kann."

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