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StartseiteSprechstundeBig-Mac-Attack25.07.2006

Big-Mac-Attack

Wie wir uns vor EHEC und anderen Durchfallerregern schützen können

Etwa jedes dritte Huhn, sagen Experten, ist mit Salmonellen oder anderen Durchfallerregern verseucht. Kaum anders sieht es mit Puten aus. Geflügelfleisch sollte daher immer gut durchgebraten werden. Doch auch andere Fleischsorten können Durchfallerreger in sich tragen: Rindfleisch zum Beispiel kann mit Darmbakterien belastet sein. Das Fatale: Von den "EHEC" genannten Bakterien können schon zehn bis hundert ausreichen, um krank zu machen. Am Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin haben Experten aus Europa und den USA darüber diskutiert, wie Verbraucher besser vor EHEC und anderen Lebensmittel-Infektionen geschützt werden können.

Von William Vorsatz

In Lebensmitteln können sich Durchfallerreger verbergen. (Stock.XCHNG / mathew herman)
In Lebensmitteln können sich Durchfallerreger verbergen. (Stock.XCHNG / mathew herman)
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Der Verbraucher sieht es der Nahrung meist nicht an. Denn die Speisen und Getränke müssen durchaus nicht verdorben wirken. Die Infektionsepidemiologin Annemarie Käsbohrer vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin:

" Es sind Krankheiten, die wir nicht erkennen können. Das Bakterium ist ja nicht sichtbar für den Verbraucher. Er kann sich schützen durch verschiedene Maßnahmen, aber er kann per se das Risiko nicht erkennen. "

Besonders ernst zu nehmen sind bestimmte Coli-Erreger, die gefährliche Gifte bilden: Enterohämorrhagische Escherichia coli, kurz EHEC genannt. Sie kommen beispielsweise in rohem Hackfleisch, Mettwurst und nicht pasteurisierter Milch vor und können für den Menschen tödlich sein. Weil sie die roten Blutkörperchen zerstören und mitunter zu Nierenversagen führen. EHEC ist bisher vor allem in den USA in die Schlagzeilen geraten: In den frühen 90er Jahren waren nach dem Verzehr halb roher Hamburger beispielsweise über 700 Menschen auf ein mal erkrankt. Auch hierzulande kommt es immer wieder zu Infektionen. Besonders in Gebieten, wo viele Nutztiere gehalten werden, etwa in Niedersachen. Lothar Beutin vom Nationalen Referenzlabor für Escherichia Coli am Bundesinstitut für Risikobewertung:

" In Deutschland haben wir auch ungefähr pro Jahr etwas über 1000 erfasste EHEC-Fälle, und man kann allgemein davon ausgehen, dass hinter einem erfassten Fall 20 bis 30 nicht erfasste sitzen. "

Knapp zweihundert Fälle jährlich verlaufen besonders schwer. Etwas 20 Todesfälle verzeichnet die Statistik pro Jahr. Die Infizierten sterben meist, weil die Nieren versagen. Mindestens genau so viele Betroffene überleben zwar, aber sie leiden für ihre weiteres Leben an den Folgen der Nierenschädigung und haben eine geringere Lebenserwartung. Unerkannte Fälle führen schnell zu weiteren Ansteckungen. Denn die Erkrankten können wieder andere anstecken,, etwa durch Schmierinfektionen nach der Toilettenbenutzung.

" Wir haben bei EHEC ja eine hohe Ansteckungsrate, das heißt es gibt Zahlen aus Amerika, zehn bis hundert dieser Organismen reichen aus, hat man aus Hamburgern nachgewiesen, also aus kontaminierten, mit EHEC verseuchten Hamburgern, um einen Menschen zu infizieren. "

EHEC-Bakterien kommen vor allem von Rindern. Länder mit hohem Rinderbestand wie Argentinien haben besonders viele EHEC-Erkrankungen. Aber auch Schafe und Ziegen können die Erreger in sich tragen. EHEC wird direkt vom Tier auf den Menschen übertragen, aber auch über die Umwelt. Durch den Kot der Tiere gelangen die Bakterien auf Weiden und ins Wasser. Dort überleben sie bis zu 20 Monate. Auch die normale Abwasser-aufbereitung kann ihnen nichts anhaben. Sogar in Muscheln weit draußen im Meer sind die zähen Erreger schon nachgewiesen worden:

" Natürlich vermehren sich EHEC wie auch Salmonellen und andere Bakterien bei den Temperaturen viel schneller, als wie das im Herbst oder im Frühjahr ist und wir haben auch bei EHEC einen saisonalen Anstieg der Fälle, das heißt die Rate ist im Monat August also um ein zigfaches höher als im Januar und Februar. "

Vor allem Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen sind gefährdet, dazu all jene mit einer geschwächten Abwehr. Deshalb ist gerade jetzt bei dieser Hitze besondere Vorsicht geboten, betont Risikobewerter Lothar Beutin:

" Die wichtigste Hygiene ist die Küchenhygiene, man sollte also keine rohen Milch- und Fleischprodukte verzehren, insbesondere Kinder unter fünf, sechs Jahren. Wenn das Fleisch gut durchgegart ist und nicht halb roh ist, sind die Erreger abgetötet. Die sind empfindlich dem gegenüber. Und man sollte auch Salat gut waschen, lieber naturbelassenen Salat nehmen als vorgeschnittene Salate oder irgendwie behandelte Salate, weil da auch die Quelle größer ist. "

Für die Zubereitung des Salats müssen separate Schneidbretter und Bestecke verwendet werden, auf keinem Fall die Utensilien, die schon für rohes Fleisch benutzt wurden. Auch bei Spritzwasser ist Vorsicht geboten. Durchfälle sollten zudem ernst genommen werden. Ganz besonders, wenn Erkrankte mit Menschen zusammen sind, die zu dem Risikokreis gehören. Dann dürfen keinen Speisen mehr für andere zubereitet werden. Fünf bis 20 Tage lang ist die Infektion normalerweise ansteckend. Aber mitunter kann die Ansteckungsgefahr auch Monate lang anhalten.

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