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StartseiteWirtschaft und GesellschaftSiemens will wieder auf die Überholspur 12.11.2015

Bilanz 2015Siemens will wieder auf die Überholspur

Deutschlands größter Industriekonzern Siemens stellt seine Jahresbilanz vor. Mit Spannung war erwartet worden, ob Siemens-Chef Joe Kaeser nach zwei Jahren Konzernumbau nun gute Zahlen liefern würde. Das gelingt ihm - aber es gibt auch noch viel Arbeit.

Von Burkhard Schäfers

Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Joe Kaeser. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Joe Kaeser. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
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Kann Joe Kaeser halten, was er versprochen hat? Diese Frage steht im Zentrum, als der Siemens-Chef die Zahlen fürs Geschäftsjahr 2015 verkündet. Sie ist wichtig, weil sein Vorgänger Peter Löscher an verfehlten Rendite-Prognosen gescheitert war. Kaeser löst sein Versprechen ein, wenn auch knapp: Der entscheidende Wert, die Rendite im industriellen Geschäft, liegt bei 10,1 Prozent. Ziel war eine Marge von zehn bis elf Prozent:

"Alle Divisionen sind in der Gewinnzone. Und sechs von acht Divisionen konnten ihre Ergebnisse gegenüber dem Vorjahr steigern."

Siemens steigerte seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf rund 75 Milliarden Euro. Der Gewinn fiel mit 7,4 Milliarden Euro deutlich höher aus als 2014. Das allerdings erklärt sich leicht durch zwei große Verkäufe: die Hörgerätesparte und die Anteile am Hausgerätehersteller BSH:

"Wir haben geliefert, was wir versprochen haben. Und sind, wie wir meinen, auch für das vor uns liegende Jahr gut gerüstet, um unsere Pläne erfolgreich zu realisieren."

Vision 2020 ist "anstrengender Weg"

Allerdings: Euphorisch klingt anders. Immer wieder betont Joe Kaeser: Es wird nicht leicht für das Traditionsunternehmen in der nächsten Zeit. Der digitale Wandel und die Energiewende werden Siemens einiges abverlangen, ebenso die lahme Konjunktur. Kaeser will den Konzern wieder auf die Erfolgsspur führen: Mit einem tief greifenden Umbau – seiner Vision 2020, die er vor anderthalb Jahren verkündet hatte und die Siemens wieder stärker zentralisierte. Heute sagt er: Schnelle Erfolge sind nicht in Sicht;

"Es ist ein weiter und ein anstrengender Weg, der vor uns liegt, bis wir alle Ziele aus der Vision 2020 erfüllt haben. Vor allem im Volumen müssen wir den Abwärtstrend der vergangenen Jahre umkehren und wieder zulegen. Diese Trendwende ist eine der wichtigeren Aufgaben für das Geschäftsjahr 2016, obwohl die weltwirtschaftliche Entwicklung dazu nicht gerade hilfreich ist."

Der Siemens-Chef verspricht, stärker zu wachsen als die Konkurrenz. Von seinen Mitarbeitern fordert er mehr Innovationen. Dafür braucht Kaeser die richtigen Leute. Weil Siemens als Arbeitgeber offenbar an Attraktivität verliert, nicht zuletzt durch Arbeitsplatzabbau, gab es heute viel Lob und Zuspruch für die weltweit knapp 350.000 Beschäftigten. Aber auch eine Mahnung:

"Es werden diejenigen erfolgreich sein im Markt, die sich am besten anpassen können an sich verändernde Umfelder. Und das muss im Unternehmen stärker etabliert werden, weil die Veränderungsgeschwindigkeit eher deutlich zunimmt als dass sie abnimmt."

Der etwas schwerfällige Tanker muss sich in sehr kurzer Zeit mit sehr hohem Druck verändern. Trotzdem: Joe Kaeser hofft für 2016 auf ein moderates Wachstum bei Siemens.

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